Schweiz

«Dieses zwanglose Unterwegssein geniesse ich sehr»

Dettighofen TG, 4.8.16 (kath.ch) Im Urlaub mag sie es gerne einfach: Margrith Mühlebach-Scheiwiller ist mit ihrer Familie in den Ferien seit langem mit dem Camper-Bus unterwegs. Die Mitarbeiterin des Bistums Basel schätzt die dabei entstehenden Begegnungen. Ein Beitrag zur Sommerserie «Katholikinnen und Katholiken erzählen von ihren Ferienplänen.

Martin Spilker

Sie sind in einem 100-Prozent-Pensum als Regionalverantwortliche für die Fragen der Seelsorge in den Kantonen Luzern, Zug, Thurgau und Schaffhausen zuständig. Eine anspruchsvolle Führungsaufgabe. Finden Sie in Ihrem Urlaub schnell in den Ferienmodus?

Margrith Mühlebach: Vor den Ferien braucht es bei der Arbeit sicher einiges an Organisation und es gilt, die Stellvertretung zu regeln. Das gehört eben dazu. Wenn wir aber einmal unterwegs sind, dann weiss meine Familie, dass ich am liebsten zuerst einen Krimi lese. Danach bin ich so richtig in den Ferien angekommen.

Sie und Ihre Familie sind leidenschaftliche Camper. Was gefällt Ihnen daran?

Mühlebach: Ich schätze die Einfachheit des Lebens. Wir können auf diese Weise kommen und gehen, wo und wann wir wollen. Dieses zwanglose Unterwegssein geniesse ich sehr.

Wir fahren nur selten zwei Mal an denselben Ort

Sie sind als Mitverantwortliche im Bischofsvikariat St. Viktor sicher auch viel unterwegs…

Mühlebach: Ja, das stimmt. Auch das berufliche Unterwegssein kann Entspannung bringen, je nachdem, wie man die Reisezeit gestaltet.  Sind wir aber mit dem Camper unterwegs, können wir unsere Fahrt so einteilen, wie wir gerade Lust haben. Zudem benutzen wir für die Anfahrt zu weiter entfernten Ferienzielen gerne die Fähre. Die Zeit auf dem Schiff entschleunigt sehr.

Wohin führen Sie Ihre Reisen?

Mühlebach: Wir fahren nur ganz selten zwei Mal an denselben Ort. Mit dem Bus waren wir schon in ganz Europa unterwegs, sowohl im hohen Norden wie tief im Süden. Manche dieser Länder haben wir kennengelernt, weil eines unserer Kinder dort studiert hat. Dieses Jahr fahren wir nach Tirol und verbinden den Urlaub mit dem Besuch bei den Verwandten meines Mannes.

Schaut sich die Mitarbeiterin des Bistums Basel auf dem Weg alle Kirchen an?

Mühlebach: Nein, nicht alle! Aber diese Art des Reisens ermöglicht es, gezielt die Orte aufzusuchen, die uns interessieren. Wir bereiten uns auch entsprechend auf unsere Reisen vor und wissen so schon im Voraus, welche besonderen Orte wir ansteuern. Selbstverständlich gehören – vielleicht nach ein paar Tagen Pause – immer wieder Kirchen und Kapellen dazu. Als wir beispielsweise in Schottland waren, beeindruckten mich die alten Kirchen und Orte sehr. Manchmal sind dort über 1000-jährige Grabsteine auf den Friedhöfen zu sehen! Ich beschäftige mich an solchen Orten auch gerne mit den verschiedenartigen Inschriften in sakralen Gebäuden.

Ich schätze es, mich inspirieren zu lassen und Kraft zu tanken

Was nehmen Sie von solchen Orten mit nach Hause?

Mühlebach: Da ist zuerst einmal die Atmosphäre. Wenn ich an so einem Ort stehe und mir vorstelle, welche Geschichte dahinter steckt, beeindruckt mich das sehr. Ich schätze es auch, mich von diesen Orten und den Begegnungen dort inspirieren zu lassen und Kraft zu tanken. In Schottland waren es beispielsweise diese besonderen Kraftorte wie Kilmartin mit den besonderen Steinformationen und der hinzu gebauten Kirche, die wir besucht haben.

Die Mitarbeiterin des Bischofs besucht einen Kraftort?

Mühlebach: Ja, das sind bedeutende Zeugnisse der Kultur- und Religionsgeschichte. Ja, ich schöpfe viel Kraft aus dem Besuch von schönen Orten, einer Kapelle, einer Kirche, einem schönen Fleckchen Erde. So oder so nehme ich von solchen Orten viel für meine Arbeit wie für den Alltag mit.

Sie gestalten Ihren Urlaub bereits seit langem als Campingferien und heben dabei das Zusammensein als Familie hervor. Wie wichtig ist Ihnen diese Erfahrung?

Mühlebach: Ich schätze die Ferien mit der Familie sehr. Als unsere Kinder klein waren, kannten sie nichts andere als Campingferien. Bis heute machen wir im Winter noch alle miteinander Familien-Skiferien. Und dieses Jahr gibt es auch eine Familienreise nach Rom.

Was gehört unbedingt zu Ihren Campingferien dazu?

Mühlebach: Unser Bus ist nicht nur Transportmittel, sondern für die Ferien auch Küche, Wohnraum und vieles mehr. – Dafür steht auch die Espressokanne, die ich als typischen Gegenstand für die Ferien ausgesucht habe. Wir gehen im Urlaub gerne auf die lokalen Märkte und kochen mit dem, was wir dort vorfinden. Im Zentrum steht in den Ferien schliesslich die Entspannung. Das ist die Hauptsache.

Ich schaue nicht darauf, was ich nicht tun darf

Gerade hat ein Pilgerzug nach Rom auf die Bedeutung der Rolle der Frau in der Kirche aufmerksam gemacht. Sie sind in einer Leitungsfunktion im Bistum Basel tätig. Beschäftigen Sie die unterschiedlichen Möglichkeiten für Frau und Mann in der katholischen Kirche?

Mühlebach: Ich schaue bei meiner Arbeit nicht darauf, was ich nicht tun darf, sondern will meine Fähigkeiten in der Kirche dort einbringen, wo sie für ein Vorankommen gefragt sind. Die aktuellen Diskussionen tragen aber dazu bei, die Bedeutung der Frauen in und für die Kirche hervorzuheben.

Ich war als Theologin und Seelsorgerin tätig, arbeitete aber auch ausserhalb der Kirche. Das ermöglicht eine erweiterte Sicht auf solche Fragen. Ich beschäftige mich bis heute intensiv mit Fragen der Organisationsentwicklung, dazu gehört auch die Rolle der Frau in der Seelsorge und in der Pfarrei. Ich mag diese Kirche, ich freue mich an deren Entwicklung und arbeite gerne an den Veränderungen mit. (ms)

Margrith Mühlebach schätzt in den Campingferien die Einfachheit. | © Martin Spilker
4. August 2016 | 14:11
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Theologin, Seelsorgerin, Organisationsentwicklerin

Margrith Mühlebach-Scheiwiller ist seit zwei Jahren als Regionalverantwortliche im Bischofsvikariat St. Viktor mit Sitz in Luzern tätig und in dieser Funktion Mitglied des Bischofsrats. Die 60jährige Theologin ist verheiratet und Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie war nach einer kaufmännischen Grundausbildung und anschliessender Weiterbildung in Religionspädagogik, Gemeindepastoral und Theologie lange Zeit in der Seelsorge tätig. Später absolvierte sie eine Ausbildung in Organisationsentwicklung, Supervision und Coaching und war sowohl in Profit- wie in Nonprofit-Unternehmen tätig. (ms)