Papst Franziskus (r.) und Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbunds, in der Kathedrale Lund | © kna
Schweiz
Papst Franziskus (r.) und Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbunds, in der Kathedrale Lund | © kna

Dieses Reformationsgedenken brauchte keine zusätzliche Pointe

Chur, 8.11.16 (kath.ch) «Die Feier war ein Meilenstein der Ökumene» schreibt Eva-Maria Faber* zur Eröffnung des Reformationsgedenkens am 31. Oktober im schwedischen Lund.  In ihrem Gastkommentar macht die Theologin darauf aufmerksam, dass der gemeinsame Auftritt der Spitzen der lutherischen und der römisch-katholischen Kirche ein wichtiger Schritt für die Ökumene war.

Hätte vor 100 Jahren jemand vorgeschlagen, der Papst solle die nächste Jahrhundertfeier der Reformation eröffnen, so hätte dies wohl Empörung oder allenfalls Belustigung hervorgerufen. Eben dieses Unvorstellbare aber geschah am 31. Oktober 2016. Bischof Munib A. Younan von Jerusalem, Präsident des Lutherischen Weltbundes, eröffnete zusammen mit dem Bischof von Rom das Reformationsjahr zum 500. Jahrestag der Reformation. Papst Franziskus war nicht etwa nur Gast, sondern wirkte bei der Eröffnung mit – in den liturgischen Farben des Reformationstages und indem er die ersten liturgischen Worte sprach!

Das heisst: der Lutherische Weltbund wollte die 500-Jahr-Feier der eigenen Wurzeln nicht ohne die Katholiken – die damaligen «Altgläubigen» – eröffnen. Umgekehrt war durch den Papst die römisch-katholische Kirche «Mit-Initiantin» dieses Reformationsgedenkens.

Es war eine von Freude erfüllte Feier

Der Streit darum, ob dieses Jubiläum sich feiern lässt oder lediglich ein Gedenken sein kann, wird angesichts der Liturgie in Lund zweitrangig. Denn sie war eine von Freude erfüllte Feier, an deren Beginn die gemeinsame Danksagung stand. Diese erinnerte an Anliegen der Reformatoren, welche Lutheraner und Katholiken gemeinsam wertschätzen können.

Erst darauf folgte im Bussakt das Gedenken an die Schatten der Reformation von Unterstellungen bis hin zu blutiger Verfolgung. Die Klage über die Spaltung verband sich mit dem Eingeständnis, unheilvoll auf das Trennende fixiert gewesen zu sein. Im Gegenzug dazu stand das gemeinsame Zeugnis der Predigten von Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, und Papst Franziskus.

Die gemeinsame Erklärung will eingelöst werden

Die Feier war ein Meilenstein der Ökumene, der keiner zusätzlichen Pointe bedurfte (und durch eine zusätzliche «Geste» zu Unrecht überlagert worden wäre). Die in fünf «commitments» sowie die im Gottesdienst begangene und in einer gemeinsamen Erklärung unterzeichnete Selbstverpflichtung, will nun aber eingelöst werden. Sie nennt ausdrücklich die Sehnsucht nach Gemeinschaft in der Eucharistie, im Abendmahl.

*Eva-Maria Faber ist Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie und Rektorin der Theologischen Hochschule Chur.

Gemeinsame Erklärung des Vatikan und des Lutherischen Weltbundes

Papst und Lutheraner wollen Abendmahlsfrage angehen

Eva-Maria Faber | © zVg
Eva-Maria Faber | © zVg
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