Kardinal Rainer Maria Woelki
International

«Die Tagespost» feiert ihren 75. mit Gänswein und Woelki

In seiner Diözese ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zum Buhmann geworden. In Würzburg ist er am Samstag ein Ehrengast. Die katholische Wochenzeitung «Die Tagespost» feiert 75. Geburtstag. Auch Gänswein kommt, dessen Einstellungen zur Zeitung passen.

Christoph Renzikowski

Die katholische Wochenzeitung «Die Tagespost» besteht seit 75 Jahren. Zur Jubiläumsfeier am Samstag in Würzburg sind prominente Gäste angekündigt, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und Erzbischof Georg Gänswein aus Freiburg, der einstige Privatsekretär des verstorbenen Papstes Benedikt XVI.

Erzbischof Georg Gänswein, in einer Aufnahme von 2014.
Erzbischof Georg Gänswein, in einer Aufnahme von 2014.

Erwartet wird auch Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk aus dem ukrainischen Odessa, das anhaltend von russischen Raketen beschossen wird. Die Festrede soll Alexander von Schönburg, Kolumnist der Zeitung und Mitglied der «Bild»-Chefredaktion, beisteuern.

Konservativ-katholische Zeitung

«Die Tagespost» ist nach eigenen Angaben die älteste unabhängige katholische Zeitung im deutschen Sprachraum. Seit August 1948 berichtet das im konservativen Spektrum verortete Blatt über Politik, Kultur, Gesellschaft und Kirche. Die verkaufte Auflage liegt seit vier Jahren stabil über 10’000 Stück.

Gegründet wurde «Die Tagespost» als Familienunternehmen von Johann Wilhelm Naumann in Augsburg. 1951 zog der Verlag nach Regensburg um. Vier Jahre später ging es weiter nach Würzburg, wo das Blatt bis heute seinen Sitz hat, während die Redakteure sich über halb Europa verteilen.

Die_Tagespost_Tagespost_20190411
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Chefredaktor ist seit 1. Juli 2021 der langjährige Rom-Korrespondent des Blattes, Guido Horst (67). Vor drei Jahren rief «Die Tagespost» mit Benedikt XVI. eine Stiftung zur Förderung katholischer Nachwuchsjournalisten ins Leben.

Beispiellose Rettungsaktion im Herbst 2017

Im Herbst 2017 stand das Blatt kurz vor der Einstellung. In einer beispiellosen Rettungsaktion brachten Unterstützer daraufhin Spenden in sechsstelliger Höhe auf. Der Schwund der Auflage, die auf 8500 Exemplare abgestürzt war, wurde gestoppt. Seither erscheint «Die Tagespost» in gedruckter Form nicht mehr dreimal pro Woche, sondern nur noch einmal. Das Online-Angebot wird häufiger aktualisiert.

Alleininhaberin ist die 2010 gegründete Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung. Kirchenpolitisch definiert sich die Zeitung als papst- und romtreu.

Kritik am Synodalen Weg

Inhaltlich steht sie oft im Widerspruch zur Mehrheit des deutschen Katholizismus. Dies gilt nicht nur für kirchenpolitische Reformwünsche, wie sie im Synodalen Weg in Deutschland von Bischöfen und Laien seit einigen Jahren diskutiert werden. Zuletzt zeigte sich die Zeitung auch distanziert gegenüber einzelnen Entscheidungen von Papst Franziskus. So fremdelte das Blatt mit der Reform der Personalprälatur «Opus Dei».

Kurz vor der Jahrtausendwende kam es zum Streit über die Frage, ob sich die katholische Kirche weiter an der staatlich geförderten Schwangerschaftskonfliktberatung in Deutschland beteiligen sollte.

Kein Schein für straffreie Abtreibung mehr

«Die Tagespost» bezog Position an der Seite des damaligen Papstes Johannes Paul II. und seines späteren Nachfolgers Joseph Ratzinger. Diese setzten sich schliesslich mit ihrem Drängen auf einen Ausstieg aus dem Beratungssystem durch. Seither stellen kirchliche Stellen keine Bescheinigung mehr aus, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen.

Nicht alle sind für Abtreibung
Nicht alle sind für Abtreibung

«Die Tagespost» versteht sich allerdings nicht als Kirchenzeitung, sondern als säkulares Medium mit einem breiteren Horizont an Themen.

Zuletzt gab es grosse Interviews mit dem dezidiert nicht katholischen französischen Schriftsteller Michel Houellebecq oder etwa auch der Schauspielerin Sophie Rois. Neue Kinofilme und auch Serien von Streaming-Anbietern werden teils ausführlich rezensiert.

Zunehmende Distanz zu Parteien

Politisch hat die Distanz zu den Unionsparteien zugenommen, insbesondere mit Blick auf die dort inzwischen mehrheitsfähigen Positionen zu Fragen des Lebensschutzes und der Familienpolitik. Eine schärfere Abgrenzung nimmt die Redaktion inzwischen zur AfD vor.

Demonstration gegen die AfD in Münster während des Katholikentages im Jahr 2018.
Demonstration gegen die AfD in Münster während des Katholikentages im Jahr 2018.

Diese Partei habe sich mit ihrem national-völkischen Kurs und insbesondere ihrer EU-feindlichen Ausrichtung ins Abseits manövriert, betont Chefredakteur Horst.

Geschichte ist auch eine positive Sicht auf die russische Orthodoxie. In ihr sahen die Zeitungsmacher früher einen Verbündeten im Einsatz für die traditionelle Familie und andere konservative Werte angesichts des modernen Liberalismus. Vom ersten Tag an verurteilte «Die Tagespost» den Überfall Russlands auf die Ukraine. (kna)


Kardinal Rainer Maria Woelki | © Raphael Rauch
7. September 2023 | 15:15
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