Die Läden der Kirchenfenster dienen nun der Akustik
Die Umwandlung der einstigen Kirche Don Bosco in Basel in das gleichnamige Musik- und Kulturzentrum zwischen 2013 und 2020 ist ein Beispiel für eine gelungene Transformation sakraler Gebäude – zumindest aus Sicht der neuen Nutzer wie dem Kammerorchester Basel. Doch auch die einstigen Pfarreimitglieder haben ihre Kirche nicht ganz verloren: In der Kapelle im Untergeschoss finden noch immer wöchentliche Gottesdienste statt.
Boris Burkhardt
Das Kirchenschiff, die grossen schmalen Kirchenfenster, der Chorraum sind weiterhin in der Architektur gut sichtbar, wenn man innen steht. Wo sich einst der Altar befand, ist nun eine grosse Bühne, auf der der Kinderchor Sevogel für sein Konzert in weniger als einer Stunde probt. Der mittlere Teil des Schiffs ist mit Reihen weisser Kunststoffstühle zugestellt; im hinteren Teil stehen die Stühle auf grossen Stufen, die als Tribüne bis zur Orgel hinaufreichen, die noch immer an ihrem angestammten Platz auf der einstigen Empore steht.
Ehrfurcht erweckend
Weil der Blick von hier oben auf die Bühne und das Kirchenschiff nicht mehr wie früher abrupt vom Geländer der Empore unterbrochen wird, sondern nun ungehindert bergab fliesst, kann er durchaus Ehrfurcht wecken, für gläubige Menschen im sakralen Sinne, für jedermann in Bezug auf die architektonische Erhabenheit des hohen Raums.
Die Kirche Don Bosco im Basler Quartier Breite wurde samt dem anschliessenden Gemeindezentrum 1935 vom Basler Architekten Hermann Bauer gebaut. 2013 wurde sie geschlossen und 2016 profaniert. In den Jahren bis zur Neueröffnung als «Musik- und Kulturzentrum Don Bosco» im Oktober 2020 wurde sie vom Verein Don Bosco Basel entsprechend ihrer neuen Nutzung umgebaut.
«Wenn sie geschlossen sind, reflektieren sie den Schall; wenn sie offen sind, absorbieren sie ihn.»
Betriebsleiter Gregor Hoffmann zeigt auf die metallenen Fensterläden, die innen an den einstigen Kirchenfenstern angebracht sind und wie Jalousien wirken. Doch regulieren sie nicht den Lichteinfall durch die blinden Fenster sondern den Schall: «Wenn sie geschlossen sind, reflektieren sie den Schall; wenn sie offen sind, absorbieren sie ihn.» Alle Umbauten in der ehemaligen Kirche seien auf die Akustik ausgerichtet, fährt Hoffmann fort: «Sie war von Anfang an als Konzertort geplant.» Sitztribünen wie hier gibt es laut Hoffmann auch in anderen umgebauten Kirchen. Der Raum darunter dient als Stauraum für Stühle und den Konzertflügel.
CD-Aufnahmen im Orchesterschiff
Das Kirchenschiff heisst seit der Eröffnung des Musik- und Kulturzentrums Paul-Sacher-Saal nach dem Basler Musiker und Mäzen, der auch das Kammerorchester Basel gründete. Dieses ist seit Beginn das «Orchestra in residence», wie Hoffmann erklärt, hat also in Don Bosco seinen Sitz. Im ehemaligen Kirchenschiff nimmt das Orchester auch CDs auf; in den Räumen dahinter sind ein Regieraum sowie zwei Künstlergarderoben eingerichtet.
In den Räumen ausserhalb des eigentlichen Kirchengebäudes, die sich im früheren Gemeindezentrum im Untergeschoss, im Garten und in einem zweigeschossigen Nebengebäude befinden, sind ausserdem das Heinz-Holliger-Auditorium und zwei kleine Studios eingerichtet. Das Auditorium, benannt nach einem weiteren Basler Musiker, ist zur Schallisolation als schwebender Raum im Raum gebaut.
Keine Kosten und Mühen gescheut
Der Verein hat beim Umbau keine Kosten und Mühen gescheut; doch diese Bauweise ist Standard bei heutigen Gebäuden, die der Musik gewidmet sind, wie Hoffmann erklärt. Hier probt immerhin die Mädchenkantorei Basel mit 130 Sängerinnen aus der ganzen Nordwestschweiz und dem nahen Ausland; hier war anfangs auch das Sinfonieorchester «Basel Sinfonietta» zu Hause. Zu gelegentlichen Mietern zählen die Musikhochschule Nordwestschweiz sowie diverse Orchester, Chöre und kulturelle Organisationen.
Der Verein «Don Bosco Basel» ist gemeinnützig und finanziert sich laut Hoffmann ohne Unterstützung der öffentlichen Hand durch Mieteinnahmen und Gönner. Geschäftsführer ist Christoph Müller, Intendant renommierter Veranstaltungen in der Region wie dem «Solsberg Festival» und dem «Hochrhein-Musikfestival». Hoffmann übernahm die Betriebsleitung erst im vergangenen Jahr. Der gebürtige Basler war zuvor als Kulturmanager tätig, produzierte Opern für die Schwetzinger Festspiele und arbeitete an der Art Basel sowie mit dem Sinfonieorchester Basel und der «Basel Sinfonietta».
Kapazitäten des Musik- und Kulturzentrums erweitern
Hoffmann plant weitere Investitionen in die Technik, um die Kapazitäten des Musik- und Kulturzentrums zu erweitern und neue Nutzer zu finden. Neben der Musik soll sich Don Bosco nach seiner Vorstellung auch zum Tagungsort für Konferenzen und Firmentreffen entwickeln sowie zum Ort für Hochzeiten. Die Kombination von Garten und dem nahen Rhein eventuell mit einem Schiff dünkt Hoffmann dafür im Sommer recht attraktiv.
Hoffmann bezeichnet sich als nicht gläubig; er hat also zur ehemaligen Kirche Don Bosco über die Architektur hinaus keine Beziehung. Das ging vielen der Mitglieder der ehemaligen Pfarrei anders. Die Pfarrei Don Bosco wurde in den Dreissigern von der Pfarrei Heiliggeist aus gegründet und ging 2010 wieder in dieser auf.
«Die Aussicht auf Schliessung der Kirche war traurig und wurde von uns begleitet.»
«Manche Gemeindemitglieder von Don Bosco haben andere Orte gefunden, weil sie zum Beispiel auch verkehrstechnisch günstiger lagen», berichtet Anne Lauer, Pfarreiseelsorgerin in Heiliggeist. Für viele sei die Umstrukturierung aber gelungen, «weil die Fähigkeiten der Freiwilligen aus Don Bosco gesehen und wertgeschätzt wurden, weil sich die Freiwilligen haben einbinden lassen». Sie seien bereit gewesen, «sich weiterhin für die Gesamtpfarrei zu engagieren, über ihre bisherige Pfarreigrenze hinweg».
Wichtig war laut Lauer auch die Begleitung der Trauerprozesse durch das Pfarreiteam: «Die Aussicht auf Schliessung der Kirche war traurig und wurde von uns begleitet. So wurden Gegenstände aus der Kirche Don Bosco vor der Schliessung gesichtet und weitergegeben oder an einen guten Ort gebracht.»
Donnerstags Gottesdienst mit musikalischer Begleitung
Ganz loslassen mussten die Gläubigen Don Bosco aber nie: Im Untergeschoss im Bereich unter dem Chor blieb die Kapelle erhalten. Gewidmet ist sie demselben Patron. Jeden Donnerstag findet hier noch ein Gottesdienst mit musikalischer Begleitung statt. «Das liturgische Leben hat vor, während der Umnutzung und seither in Don Bosco stattgefunden», sagt der Pfarrer von Heiliggeist, Marc-André Wemmer: «Die Gottesdienste haben für das Quartier eine wichtige Bedeutung.»
Die Kapelle ist täglich geöffnet: «Am regen Verbrauch der Opferlichter» erkennt Wemmer, dass sie regelmässig besucht wird. Ausserdem sei die Kapelle mit ihrem Eingangsbereich für das Elisabethenwerk Don Bosco zu einer neuen Heimat geworden, in der das Jahr über verschiedene Seniorenanlässe stattfänden. Von der ehemaligen Pfarrei Don Bosco haben an anderen Orten der Mittagstisch, Altersnachmittage, Gottesdienste im benachbarten Altersheim sowie das Jugendhaus Don Bosco überlebt.
«In Erinnerung bleiben bei der Umnutzung von Don Bosco sicher die lange und teilweise emotionale Findungsphase», sagt Christian Griss, Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche: «In den drei Jahre von Schliessung bis Profanierung gab es viele Diskussionen und Erinnerungen von Pfarreimitgliedern.» Silvan Müller, Verwalter der Landeskirche, blickt heute aber zurück auf eine «gelungene Umnutzung, auch wenn der Prozess herausfordernd war. Wir können sagen, dass wir viel gelernt haben in dieser Zeit, was uns für zukünftige Veränderungen dient.»
*Link: www.donboscobasel.ch
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