Die St. Ursen Kathedrale in Solothurn | © 2015 zVg
Schweiz
Die St. Ursen Kathedrale in Solothurn | © 2015 zVg

Die Heiligen Pforten 2015-2016 in der Schweiz – in Variationen

Zürich, 3.12.15 (kath.ch) In der katholischen Kirche beginnt Mitte Dezember ein ausserordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit. Weltweit werden aus diesem Anlass Heilige Pforten geöffnet – auch in der Schweiz. Die Verantwortlichen hierzulande haben sich Verschiedenes einfallen lassen, um der Heiligen Pforte einen würdigen Platz zu geben.

Georges Scherrer

«Es wird eine Pforte der Barmherzigkeit sein, und wer hindurchschreitet, kann die tröstende Liebe Gottes erfahren, welcher vergibt und Hoffnung schenkt», schreibt Papst Franziskus in der Bulle zum Heiligen Jahr, das am 8. Dezember beginnt. Gleichentags wird er im Petersdom eine Heilige Pforte öffnen. Eine Woche später, am 13. Dezember, werden weltweit in den Diözesen Heilige Pforten geöffnet, so auch in der Schweiz gleich mehrere.

Im Bistum Basel wird die Hauptpforte der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn als Heilige Pforte dienen. Sie wird anlässlich des Solidaritätsgottesdienstes für verfolgte Christen und Menschen auf der Flucht am 13. Dezember von Bischof Felix Gmür geöffnet. Zum Bistum gehören auch die Kantone Schaffhausen und Thurgau. Wer aus diesen fernen Kantonen eine Heilige Pforte durchschreiten möchte, um den Ablass von seinen Sünden zu erhalten, braucht jedoch nicht bis nach Solothurn zu reisen.

Im Bistum St. Gallen wird Bischof Markus Büchel die Pforte der Barmherzigkeit in der Kathedrale St. Gallen im Rahmen einer Versöhnungsfeier vor Weihnachten eröffnen. Gemäss der vorgegebenen Liturgie steht der Bischof auf der Schwelle, er hält das Evangeliar in Händen und spricht den Satz aus dem Johannes-Evangelium: «Ich bin die Tür.» Der Bischof ist der Erste, der durch die Pforte geht.

Über den Kreuzgang in die Kathedrale

Als Pforte wurde nicht das Hauptportal der Kathedrale gewählt. Die Pforte führt vielmehr vom Eingangsbereich der Kathedrale am Gallusplatz hinein in einen Kreuzgang, der über das ganze Jahr als Weg der Besinnung gestaltet ist und auf dem immer wieder neue Akzente gesetzt werden. Der Weg führt in den Kuppelraum der Kathedrale. Hier besteht die Möglichkeit, sich am Taufbecken mit dem Weihwasser und dem Kreuzzeichen an die eigene Taufe zu erinnern. Kerzen dürfen angezündet werden, verbunden mit einem eigenen Anliegen oder guten Wünschen für einen anderen Menschen, wie das Bistum schreibt.

In Einsiedeln wird Abt Urban Federer eine Pforte der Barmherzigkeit öffnen, die rund acht Meter vor dem Hauptportal der Klosterkirche steht. Damit bekommt sie in gewissem Sinn den Charakter einer Skulptur und macht so an prominenter Stelle auf das Heilige Jahr aufmerksam. Sie wird 2,5 Meter hoch und 1,8 Meter breit sein.

Schlichter Schmuck

Die Einsiedler Heilige Pforte wird jene sein, die am nächsten zur einwohnerreichsten Stadt der Schweiz steht. In Zürich hätte man sich gewünscht, dass die Mutterkirche der Stadt, die Kirche Peter und Paul, oder die Liebfrauenkirche aufgrund ihrer zentralen Lage für die Errichtung einer Heiligen Pforte ausgewählt worden wäre. Der Bischof von Chur hat bestimmt, dass die Heilige Pforte in Chur sein wird.

Das Eingangsportal zur Churer Kathedrale ist zugleich die Heilige Pforte. Diese wird am 13. Dezember durch Bischof Vitus Huonder feierlich eröffnet. Das Bistum wird die Heilige Pforte mit einer geschmückten Girlande aus Tannenzweigen umrahmen sowie zwei Banner mit dem Logo des Barmherzigkeitsjahres an den Seiten des Portals aufstellen.

Pforte, Beichtstuhl und Tabernakel

In der Kathedrale Freiburg trifft man derzeit auf ein ähnliches Problem wie in Chur: Beide Kathedralen verfügen lediglich über einen öffentlichen Zugang. In Freiburg wird ein Eingangsportal an der Seite der Kirche restauriert. Dieses war als Heilige Pforte auserlesen. Die Arbeiten werden aber nicht rechtzeitig auf den 13. Dezember beendet, erklärte ein Kathedral-Verantwortlicher gegenüber kath.ch. Darum wird – ähnlich wie in Einsiedeln – eine spezielle Pforte aufgestellt, aber nicht ausserhalb der Kirche, sondern innerhalb. Die Pforte wird aus Holz gefertigt und angesichts des Jahrs der Barmherzigkeit unweit eines Beichtstuhls am Eingang des rechten Seitenschiffs zu stehen kommen. Wer die Pforte durchschreitet, hat auf diese Weise direkt Sicht auf den Tabernakel der Kathedrale.

Sieben weitere Pforten im Bistum

Wie das Bischofsvikariat für den französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg erklärte, werden über das ganze Gebiet des Bistums Freiburg-Lausanne-Genf zudem sieben weitere Heilige Pforten verteilt. So werden die Wallfahrtsorte Les Marches bei Broc FR und Bourguillon in Freiburg eine solche erhalten. Auch die Kirche von Siviriez FR wird mit einer Pforte versehen. Im Dorf werden die Reliquien der seligen Marguerite Bays aufbewahrt, deren Heiligsprechungsprozess 2005 eröffnet wurde.

Jubiläumspforte wird Heilige Pforte

Im Tessin sollen zwei Heilige Pforten eröffnet werden: eine bei der Madonna delle Grazie in Bellinzona und eine bei der Basilika Sacro Cuore in Lugano. Das Bistum Sitten informiert die Gläubigen in der kommenden Woche über die Eröffnung der Heiligen Pforte. Im Kloster Saint-Maurice wird die Pforte, die zum Jubiläum des 1500-Jahr-Bestehens des Klosters eingeweiht wurde, als Heilige Pforte dienen.

Das «ausserordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit» beginnt am 8. Dezember und endet am 20. November 2016. Der 8. Dezember wurde als Eröffnungstermin gewählt, weil genau 50 Jahre zuvor das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zu Ende ging. (gs)

Die Heilige Pforte in St. Gallen | © 2015 Bistum St. Gallen
Die Heilige Pforte in St. Gallen | © 2015 Bistum St. Gallen
Modell der Heiligen Pforte in Einsiedeln | © 2015 Kloster Einsiedeln
Modell der Heiligen Pforte in Einsiedeln | © 2015 Kloster Einsiedeln
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © Georges Scherrer
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © Georges Scherrer
Blick in die Kathedrale Freiburg | © 2015 Georges Scherrer
Blick in die Kathedrale Freiburg | © 2015 Georges Scherrer
News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum