Kommentar

Zeichen gegenüber Betroffenen von sexuellem Missbrauch

Die «Päpstlichen Geheimnisse» zur Verfolgung von sexuellem Missbrauch werden aufgehoben. Damit werde eine Verknüpfung gelöst, die zu grosser Entrüstung gegenüber der Kirche geführt hat, schreibt Toni Brühlmann-Jecklin in einem Gastkommentar für kath.ch.

Als Präsident des Fachgremiums «sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer Bischofskonferenz nehme ich den vatikanischen Entscheid, dass das «Päpstliche Geheimnis» bei der Verfolgung von sexuellen Missbrauchs-Straftaten aufgehoben wird, aus mehreren Gründen als einen grossen und wichtigen Schritt in die richtige Richtung wahr.

Indem dieser Beschluss knapp ein Jahr nach dem Anti-Missbrauchsgipfel gefällt wurde, bin ich in meiner Zuversicht bestärkt, dass es sich bei dieser Zusammenkunft tatsächlich nicht um eine Scheinveranstaltung handelte, welche möglichst bald wieder dem Vergessen anheimfallen soll. Offenbar wurde damit ein Prozess eingeleitet, welcher weitergeht und es besteht die Hoffnung, dass dieser auch jetzt noch nicht zu einem Abschluss gekommen ist.

«Der Vertuschung sind damit engere Grenzen gesetzt.»

Mit der Aufhebung wird auch eine unheilvolle Verknüpfung von «Geheimnis» und «sexueller Missbrauch» aufgelöst, welche einen grossen Teil der Entrüstung über den Umgang der Verantwortungsträgern mit dem Tatbestand des sexuellen Missbrauches ausmacht. Der Vertuschung und damit auch der Leugnung entsprechender Vorkommnisse sind damit engere Grenzen gesetzt.

Mit dem Entscheid auf den Verzicht des päpstlichen Geheimnisses setzt Papst Franziskus schliesslich auch wichtige Zeichen, in dem er damit dafür einsteht, dass der sexuelle Übergriff nicht vorkommen darf und dass dort, wo es geschieht, niemand mit Nachsicht und Vertuschung rechnen darf.

Gegenüber Betroffenen ist damit ein deutliches Zeichen gesetzt, dass ihre Not angekommen ist und dass alles unternommen wird, um zukünftiges Leid zu verhindern.


Toni Brühlmann, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» | © zVg
19. Dezember 2019 | 10:17
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