«Der Weltjugendtag ist die grösste Party, die man sich vorstellen kann»
Riccarda Iten (24) aus Flawil SG ist zurzeit zwischen Portugal und Spanien unterwegs. Sie bereitet die Reise zum Weltjugendtag 2023 nach Lissabon vor: «Die Kirche ist lebendig und jung. Das merkt man, wenn man am Weltjugendtag dabei ist.»
David Meier
Wir telefonieren, während ihr noch auf der Vorbereitungsreise seid. Wo seid ihr gerade unterwegs?
Riccarda Iten*: Wir, das heisst Nina Iten, Emanuel Quni, Sara Torgal und ich, sind im Auto in Südspanien unterwegs. Soeben haben wir die Grenze Portugal-Spanien passiert. Nach der Hauptwoche in Lissabon vom 1. bis 6. August 2023 wird es eine Nachreise geben, bei der wir durch Südspanien reisen werden. Wir besuchen nun verschiedene Unterkünfte, um etwas passendes für die Gruppe zu finden.
Mal schauen, ob wir unser Tagesziel Sevilla erreichen. In Portugal mussten wir nämlich grosse Waldbrände umfahren. Zum Glück waren wir nie in Gefahr.
Drückt die extreme Trockenheit auf die Stimmung im Land?
Iten: Natürlich sind die Waldbrände ein Thema. Aber abgesehen davon freuen sich die Leute unglaublich auf den Weltjugendtag im nächsten Jahr. In Lissabon, wo der eigentliche Weltjugendtag stattfinden wird, hängen bereits überall Fahnen und Plakate, die darauf aufmerksam machen.
Das heisst, die portugiesische Bevölkerung engagiert sich für das kommende Grossereignis?
Iten: Ja! In vielen Kirchen, in denen wir waren, gab es Aushänge, um Gastfamilien und Freiwillige zu finden. Wir haben mehrere portugiesische Gastfamilien besucht und die Vorfreude, die wir erleben durften, war riesig. Viele Jugendliche engagieren sich bereits in Bands und Chören, die proben, um dann am Weltjugendtag aufzutreten. Wir haben auch andere Delegationen von überall aus der Welt getroffen, die auf Vorbereitungsreise sind.
«Gott hat uns getragen auf dieser Vorbereitungsreise!»
Hattet ihr im Vorfeld Kontakt zur portugiesischsprachigen Mission in der Schweiz, um mit ihr zusammen zu planen?
Iten: Ja, wir hatten einen Austausch mit der Mission. Dadurch haben sich einige Kontakte ergeben, die wir nun besucht haben. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass es von der Schweiz aus sehr schwierig war, an die Leute und die Lokalitäten heranzukommen. Trotzdem haben wir uns auf die Reise gewagt und es hat sich gelohnt! Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen, immer wieder haben sich neue Kontakte ergeben. Gott hat uns getragen auf dieser Vorbereitungsreise!
Was ist das Ziel der Vorbereitungsreise?
Iten: Es geht in erster Linie darum, die Orte auszukundschaften, die wir besuchen werden. Vor Ort haben wir jeweils verschiedene Leute getroffen und den Tagesablauf für das nächste Jahr fixiert. Es ist sehr hilfreich, alles zu sehen und zu erleben, so haben wir zum Beispiel gemerkt, dass unser Programm der extremen Hitze angepasst werden muss. Wir haben nun das meiste organisiert.
«Nach dem eher kleinen Weltjugendtag in Panama werden in Lissabon mehr Jugendliche teilnehmen.»
Mit wie vielen Teilnehmenden rechnet ihr?
Iten: Auf der Vorreise haben wir für 60 Jugendliche Platz, in der zweiten Woche für rund 120 Personen und auf der Nachreise können 50 Personen mit uns reisen. In der Hauptwoche rechnen wir mit rund 1000 bis 1500 pilgernden Jugendlichen aus der ganzen Schweiz. Prognosen zur Gesamt-Teilnehmerzahl wollte man uns von offizieller Seite in Portugal nicht nennen. Man ist immer noch etwas vorsichtig nach Corona. Die Organisatoren rechnen aber damit, dass nach dem eher kleinen Weltjugendtag in Panama von 2019 wieder mehr Jugendliche teilnehmen werden. Die Weltjugendtage in Europa waren immer sehr gut besucht.
In einem Jahr ist es dann so weit. Vor welchen Herausforderungen steht ihr?
Iten: Der Transport bleibt ein grosses Thema, denn wir werden die lange Strecke nach Portugal fast ausschliesslich mit dem Car bewältigen. Mit Drusbergreisen haben wir aber einen guten Partner und wir sind zuversichtlich, dass alles gut aufgehen wird.
«Die Vielfalt der Kirche mit ihren verschiedenen Charismen soll erlebbar werden.»
Das sind über 2000 Kilometer! Wo legt ihr Stopps ein?
Iten: Auf der Vorreise werden wir die Strecke in kleinere Etappen aufzuteilen. Wir besuchen Städte, Pilgerorte, aber auch unbekannte Dörfer. Zum Beispiel werden wir Lourdes, Santander und Santiago de Compostela ansteuern. Zum Übernachten haben wir bewusst verschiedene Gemeinschaften und Klöster ausgesucht, damit die Vielfalt der Kirche mit ihren verschiedenen Charismen erlebbar wird.
Wird diese Vielfalt auch am Weltjugendtag zu spüren sein?
Iten: Genau! Ich war an den internationalen Weltjugendtagen in Krakau und Panama und das hat mich dort besonders fasziniert. Es kommen junge Pilgerinnen und Pilger aus der ganzen Welt und so treffen verschiedenste Kulturen aufeinander. Trotzdem schafft der gemeinsame Glauben ein starkes Gemeinschaftsgefühl und die Stimmung ist super. Gott so zu erfahren, das war und ist sehr schön. Die Kirche ist lebendig und jung!
«Hier wird getanzt, gesungen und gefeiert.»
Lissabon ist eine der schönsten Städte Europas. Bleibt auch Zeit für Touristisches – und für Partys?
Iten: Auf jeden Fall besuchen wir auf der ganzen Reise auch touristische Orte. Wir möchten den Jugendlichen möglichst viele Facetten von den besuchten Ländern zeigen. Es gibt auch immer wieder freie Zeit, bei der die Jugendlichen ihr Programm selbst wählen können. Und wer schon einmal am Weltjugendtag war, weiss, dass das die grösste Party ist, die man sich überhaupt vorstellen kann! Hier wird getanzt, gesungen und gefeiert.
Man spürt deine Begeisterung. Ab wann kann man sich anmelden?
Iten: Wir werden nun möglichst schnell das Programm finalisieren. Ab Herbst sollte man sich anmelden können.
«Die Abwesenheit des Papstes würde für mich persönlich nicht viel ändern.»
Papst Franziskus ist momentan gesundheitlich angeschlagen. Wie wäre ein Weltjugendtag ohne den Heiligen Vater?
Iten: Es geht ja in erster Linie um die Begegnung mit Jesus. Die Abwesenheit des Papstes würde für mich persönlich nicht viel ändern. Auch glaube ich nicht, dass dies die Stimmung dämpfen würde. Auf dem riesigen Gelände beim Abschlusswochenende ist er sowieso sehr weit weg und man sieht ihn von Weitem kaum. Aber natürlich würde er fehlen. Vor allem seine Inputs, die er jeweils über seine Katechesen vermittelt, würden fehlen.
* Riccarda Iten (24) ist Mitglied des Organisationskomitees, das die Reise für die Deutschschweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Weltjugendtag in Lissabon vorbereitet. Dieser findet vom 1. bis 6. August in Lissabon statt.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.



