Kreuz im öffentlichen Raum | © Sylvia Stam
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Kreuz im öffentlichen Raum | © Sylvia Stam

Der «Streit ums Kreuz» in Bayern hält an – Kritik auch von Kirchenseite

Bonn, 28.4.18 (kath.ch) In der Debatte um den Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung hat sich neben kritischen Stimmen aus Kirche und Politik erstmals auch eine Ministerin aus dem bayerischen Kabinett kritisch geäussert. Unterdessen verteidigte Ministerpräsident Markus Söder erneut den Beschluss.

Bayerns Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) bezeichnete den Vorstoss in der Talkshow «3 nach 9» als «keine besonders kluge Idee». Jetzt müsse man aber erst einmal auf die konkreten Ausführungsbestimmungen warten.

Münchner Weihbischof:Kreuz ist kein Wahlkampflogo

Der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof schrieb in der «Bild»-Zeitung, das Kreuz sei kein Symbol für Bayern «und erst recht kein Wahlkampflogo». Söder bringe das Kreuz zwar mit «christlichen Werten» in Verbindung, doch «wer im Geist des Kreuzes handeln will, der muss die Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns stellen, und zwar besonders die Menschen in Not.» Konkret bedeute dies, etwa für Pflegebedürftige und Kranke einzutreten und in der Flüchtlingspolitik die Menschenwürde an die erste Stelle zu rücken.

«Natürlich ist das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol.»

Söder selbst verteidigte im «Straubinger Tagblatt» seinen Erlass. «Natürlich ist das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol», räumte er ein. Doch in dem Symbol bündele sich auch die Grundidee eines säkularen Staates: «So steht es auch in der bayerischen Verfassung und ist es durch Rechtsprechung der Verfassungsgerichte akzeptiert.»

Menschenwürde, Nächstenliebe, Toleranz seien Grundwerte des Christentums und «unserer Werteordnung». Daher habe das Kreuz «auch mit tiefgreifender Prägung und der Identität unseres Landes zu tun».

Erstaunen über Reaktionen der Kirche

In Bayerns Gerichten und Schulen gebe es bereits Kreuze, so Söder. Dann könne es nicht falsch sein, sie auch im Eingangsbereich von Behörden aufzuhängen. Sogar Charlotte Knobloch als Vertreterin der Juden habe das begrüsst: «Da ist es schon erstaunlich, dass manch einer innerhalb der Kirche dies problematisch sieht.» Die Frage, ob sich die CSU bei christlichen Wählern anbiedern wolle, beantwortete Söder mit «Nein».

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte im «rbb-Inforadio» den Beschluss. Das Kreuz als zentrales Symbol christlichen Glaubens dürfe nicht Gegenstand staatlicher Verordnungen werden. Er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehe. Dies rechtfertige aber nicht, «dieses wichtigste christliche Symbol in den Zusammenhang eines Wahlkampfes» zu rücken, so Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) ist.

Vorwurf der Profanisierung

FDP-Chef Christian Lindner warf Söder eine Profanierung des Kreuzes vor und kritisierte auch CSU-Generalsekretär Markus Blume, der Gegner der Entscheidung als Religionsfeinde bezeichnet hatte. Diese Kritik komme «wie ein Bumerang zurück», sagte Lindner der «Passauer Neuen Presse»: «Feinde der Religion sind nicht die Kritiker von Herrn Söder, Feind der Religion ist Herr Söder selbst.» Denn er habe das Kreuz zum kulturellen Symbol erklärt «und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt».

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