«Der Kirchturm in Blatten ist nicht mehr zu sehen»
Die Menschen in Blatten und im Lötschental stehen nach der Naturkatastrophe weiter unter Schock. Eine Geröll- und Schlammlawine hat am Mittwochabend das 300-Seelendorf nach dem Sturz des Gletschers unter sich begraben. Auch die Kirche ist nicht mehr.
Wolfgang Holz
Der Schuttkegel nach dem Bergsturz, der die Walliser Gemeinde Blatten im Lötschental unter sich begraben hat, ist riesig. Nur noch wenige Häuser sind stehengeblieben – viele von ihnen wurden aber mittlerweile überflutet, weil der Fluss Lonza derzeit noch keinen Abfluss hat. Eine Flutwelle droht.
See droht überzulaufen
Wie der Kanton Wallis in seiner letzten Katastrophenmeldung am Freitagmorgen mitteilte, ist der See, der sich durch das Abbruchmaterial des Birchgletschers und die Geröllmassen vom Kleinen Nesthorn gebildet hat, nahezu bis zum oberen Rand des Schuttkegels angestiegen und wird wahrscheinlich im Laufe des Tages überlaufen.
Die mehrere Dutzend Meter hohe und rund zwei Kilometer lange Bergsturzmasse, die über den Grossteil des Dorfes Blatten niedergegangen ist, hat den Flusslauf der Lonza blockiert und in der Folge einen See gebildet. Insgesamt wurden 365 Personen evakuiert.
Viele Menschen haben ganzes Hab und Gut verloren
Aufgrund der vorherrschenden Risiken und der geologischen Instabilität ist derzeit weiterhin kein direkter Einsatz im Bergsturzgebiet möglich, so der Kanton Wallis. Die Armee stehe bereit, um mit Wasserpumpen, Baggern und weiteren schweren Räumgeräten sowie Beleuchtungsmaterial einzugreifen.
Viele Menschen in Blatten haben ihr ganzes Hab und Gut verloren beziehungsweise ihr Haus wurde durch den Bergsturz zerstört. «Auch ich habe mein Heim verloren», sagt Martin Henzen, Präsident des Blattner Pfarreirats, gegenüber kath.ch am Telefon. Er wirkt gefasst. «Ich habe das Glück, dass ich derzeit noch mit Arbeit eingedeckt bin, so dass ich über meine persönliche Situation noch nicht nachdenken kann.»
Und was ist mit der Kirche in Blatten? «Das Pfarramt des Pastoralraums Lötschental wurde von der Katastrophe nicht betroffen, weil es im Ortsteil Kippel ansässig ist», so Henzen. Zum Pastoralraum Lötschental zählen die Pfarreien in Kippel, Wiler, Ferden – und eben das unter dem Geröll begrabene Blatten.
«Der Kirchturm in Blatten ist nicht mehr zu sehen», sagt Henzen traurig. Mehr könne er zum Zustand der Kirche Rosenkranzkönigin nicht sagen. «Ich bin persönlich bis jetzt noch nicht auf dem Schuttkegel gewesen.»
Kirche war ein Neubau
Die Kirche in Blatten ist ein Neubau und wurde 1985 erbaut. Er ist der Rosenkranzkönigin Maria geweiht. 1898 löste sich Blatten von der Talpfarrei Kippel ab. Nach Abriss der 1877 erbauten neugotischen Kirche kontrastierte der Neubau mit dem typischen Ortsbild eines Bergdorfes.
Beim Betreten der Kirche lenkte das Rosettenfenster den Blick der Besucher auf sich. Neben dem Altar fand man auch eine Marienstatue, welche ins 15. Jahrhundert datiert werden konnte. Vermutlich ist die Kirche nun durch den Bergsturz zerstört worden.
Auch der Friedhof ist begraben
Wie von Katechetin Caroline Erbetta-Bruderer zu erfahren ist, kümmert sich Pfarrer Thomas Pfammater derzeit sehr um die Sorgen der Menschen im Lötschental. «Er ist ins Careteam miteingebunden, und die Leute suchen sehr seine Nähe», berichtet sie gegenüber kath.ch.
Dass die Kirche in Blatten und nicht zuletzt der Friedhof unter den Geröllmassen begraben liegen, sei für viele Gläubige eine grosse emotionale Belastung. «Viele fragen sich: Wo werde ich jetzt beerdigt, wenn ich bald sterben muss?», so Erbetta-Bruderer.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




