Schweiz

Das Kreuz mit dem Mond auf dem Alpstein

St. Gallen, 8.9.16 (kath.ch) Christian Meier, Künstler aus Appenzell, hat diese Woche einen metallenen Halbmond im Alpstein aufgestellt. Das Kunstwerk hat in den Medien grosse Wellen geschlagen. Da keine Bewilligung vorlag, muss das Kunstwerk bis am Dienstag wieder entfernt werden. Woher christliche Gipfelkreuze kommen, erklärt die Theologin Claudia Paganini.

Ausgerechnet auf dem «Gipfel der Freiheit» hat der Appenzeller Künstler Christian Meier einen Halbmond installiert. Von einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» ist in verschiedenen Medien die Rede, vom «Gipfel der Frechheit» (Tages-Anzeiger), aber auch von einer «Provinzposse» (Schweizer Radio SRF).

«Der Motor für dieses Projekt war meine Freude am Provozieren», sagt Meier gegenüber dem «Tages-Anzeiger» (Print-Ausgabe 8. September). Dem Künstler geht es darum, die Leute zum Nachdenken anzuregen. «Wir alle sind mit der Idee aufgewachsen, dass Gipfelkreuze einfach zu Bergspitzen gehören.» Dabei sei das Kreuz einfach das Symbol für das Denksystem des Christentums.

Atheist stört sich an Gipfelkreuzen

Eine Debatte über den Islam will Meier dennoch nicht auslösen, sondern eher eine über Religionen allgemein. «Ich bin Atheist. Ich habe mich an den unzähligen Gipfelkreuzen im Alpstein gestört und wollte mit dem Halbmond ein Gegengewicht schaffen», sagt Meier im Interview mit dem St. Galler Tagblatt (8. September). Religion sollte laut Meier Privatsache sein. Deshalb gehöre ein christliches Symbol nicht auf einen Berggipfel.

Weshalb seine Aktion ein solches Medienecho ausgelöst haben könnte, erklärte die Theologin Claudia Paganini am Donnerstag gegenüber Radio SRF: «Religiöse Symbole haben im allgemeinen starke Symbolkraft, weil religiöse Überzeugungen etwas sehr Privates sind. Es sind die Erklärungsversuche, mit denen wir uns in der Welt orientieren und die unserem Leben Sinn verleihen.»

Gipfelkreuze als Zeichen der Machtergreifung

Auch für Paganini, die ein Buch über Gipfelkreuze verfasst hat, ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, dass auf Gipfeln nur Kreuze stehen dürfen. «Aus der Tradition heraus hat das eine Berechtigung», aber in Zeiten, in denen Menschen verschiedener Überzeugungen zusammenlebten, die alle in die Berge gingen, sei nicht einzusehen, «warum Kreuze auf den Bergen stehen dürfen.»

In der Tradition der Gipfelkreuze sieht sie durchaus kritische Aspekte: «Es ging auch um ein Zeichen der Machtergreifung über den Berg durch Alpinisten», aber auch um eine Art Handel mit Gott: «Sich zu entschuldigen dafür, dass man den Gipfel, der als göttlich gedacht wurde, eingenommen und Gott dadurch irgendwie gekränkt hat. ”

Halbmond muss bis Dienstag entfernt sein

Da Meier für die Installation keine Bewilligung eingeholt hatte, muss die Installation wieder entfernt werden. Laut dem Regionaljournal Ostschweiz von Schweizer Radio SRF (7. September) hat der Künstler akzeptiert, dass die Installation wieder entfernt werden muss, und zwar bis am kommenden Dienstag.

Christian Meier studierte laut dem «St. Galler Tagblatt» von 2000 bis 2003 an der Kunstakademie Düsseldorf und von 2003 bis 2005 an der Universität der Künste in Berlin. Er ist für eine St. Galler Kunstgiesserei  tätig und arbeitet pro Jahr mehrere Monate in Shanghai. Hier sei auch der in Teile zerlegbare Halbmond entstanden. (sys)

 

Halbmond im Alpstein | © Christian Meier
8. September 2016 | 14:22
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