Turm der Kathedrale von Lugano.
Schweiz

Das Tessin startet am Sonntag mit dem neuen Messbuch

Am ersten Adventssonntag führt das Tessin das neue Messbuch ein. Erstmals beten die Gläubigen das Vaterunser in einer geänderten Fassung. Emanuele Di Marco sagt: «Wir sind gut vorbereitet.»

Barbara Ludwig

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres wird in den Pfarreien des Bistums Lugano das neue Messbuch eingeführt. Es ist die dritte Version in italienischer Sprache nach den Fassungen von 1973 und 1983. Emanuele Di Marco arbeitet beim Centro di Liturgia Pastorale der Diözese. Als Koordinator der Kommission für Pastorale Liturgie hatte er die Aufgabe, Priester und Gläubige mit dem neuen Messbuch vertraut zu machen.

Ältere Priester mussten überzeugt werden

Dabei war offenbar auch etwas Überzeugungsarbeit notwendig. «Viele, vor allem ältere Priester fanden zunächst: ‘Warum braucht es die neuen Texte? Die sind doch nicht nötig’», sagt Di Marco zu kath.ch. Für ihn ist klar: «Die Neuübersetzung stellt eine Verbesserung der liturgischen Sprache dar.» Es sei eine Möglichkeit, die Texte und Gebete neu zu verstehen.

Kurse für Priester und Laien

Di Marco: «Ich glaube, sie haben schliesslich verstanden, worum es geht.» Das Bistum hat für Priester und Gläubige Kurse zur Einführung ins neue Messbuch organisiert. Von den Priestern, die Verantwortung für eine Pfarrei tragen, hätten praktisch alle an den Treffen teilgenommen.

«Zum Glück haben wir jetzt ein einziges Vaterunser für die ganze Liturgie.»

Die Kurse für Laien konnten coronabedingt nur teilweise als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Oft musste man sich mit Skype- oder Zoom-Konferenzen begnügen. Insgesamt hätten einige Hundert Gläubige eine solche Einführung besucht, sagt der Koordinator.

Fernsehgottesdienst mit Bischof

Di Marco gibt sich zuversichtlich: «Wir sind gut vorbereitet. Bischof Valerio Lazzeri wird am Sonntag die erste Messe im Advent mit dem neuen Messbuch am Fernsehen feiern.» Der Gottesdienst wird ab 9.05 Uhr im Tessiner Fernsehen RSI 2 ausgestrahlt.

Tessiner werden nicht mehr in Versuchung geführt

Mit dem neuen Messbuch wird das zentrale Gebet der Christen, das Vaterunser, in einer geänderten Fassung gebetet. Die Bitte «führe uns nicht in Versuchung» (Italienisch: non indurci in tentazione) lautet neu «überlass uns nicht der Versuchung» (non abbandonarci alla tentazione).

Weitere Änderungen, die regelmässigen Gottesdienstbesuchern auffallen würden, gebe es auch beim Gloria-Gebet, dem Hochgebet, beim Friedensgruss und dem Schlusssegen, sagt Di Marco.

Einheitliche Übersetzung biblischer Texte

Laut dem Liturgiefachmann entsprechen jetzt die biblischen Texte im Messbuch der neusten italienischen Bibelübersetzung. Und nicht mehr nur die Lektionare. Das sind die liturgischen Bücher, die für die Lesungen der Heiligen Schrift verwendet werden. Während mehrerer Jahre gab es demnach eine Koexistenz unterschiedlicher Bibelübersetzungen im Gottesdienst. Damit sei nun Schluss. Die sei eine der zentralen Änderungen, die das neue Messbuch bringe, sagt Di Marco. «Zum Glück haben wir jetzt ein einziges Vaterunser für die ganze Liturgie.»


Turm der Kathedrale von Lugano. | © Barbara Ludwig
26. November 2020 | 17:21
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