Damoklesschwert über kath.ch – RKZ soll Drohung mit Finanzkeule zurücknehmen
Es geht um rund eine halbe Million Franken. Die RKZ hat im Dezember beschlossen, ihre Subvention ans Katholische Medienzentrum Zürich für die zweite Jahreshälfte 2026 an Bedingungen zu knüpfen. Bei Nichterfüllung wird das Geld nicht ausbezahlt. An der Generalversammlung des Trägervereins sorgte dies für Unmut. Mit Nadia Omar wurde eine neue Präsidentin gewählt.
Barbara Ludwig
Das Katholische Medienzentrum in Zürich gehört zu den Institutionen, die von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) finanziell unterstützt werden – auf der Basis einer Leistungsvereinbarung. Die RKZ ist der Zusammenschluss der katholischen kantonalkirchlichen Organisationen, also der Landeskirchen.
Für das laufende Jahr könnte das Medienzentrum mit 1’183’200 Franken rechnen – wenn alles rund liefe. Das tut es aber nicht, wie Nadia Omar, Mitglied im Vorstand des Vereins Katholisches Medienzentrum, an der Generalversammlung von Mittwoch in Zürich darlegte. Denn die RKZ hat an ihrer Plenarversammlung im Dezember beschlossen, die Auszahlung der zweiten Tranche für das Jahr 2026 an Bedingungen zu knüpfen. «Sicher finanziert ist das Medienzentrum bis Ende Juni», sagte Omar vor Vereinsmitgliedern, Gästen und Mitarbeitenden.
«Weniger klerikal» und «gesellschaftlich breiter»
Die RKZ fordert unter anderem eine stärkere Vernetzung mit kirchlichen Institutionen sowie eine breitere Themenauswahl. Letztere soll «weniger klerikal» und dafür «gesellschaftlich breiter» aufgestellt sein, erläuterte Sabine Stalder, stellvertretende RKZ-Generalsekretärin, die als Gast anwesend war. Nicht wenige im Saal wussten offenbar nichts vom RKZ-Entscheid und stellten Fragen.
Ob die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) die Ansicht der RKZ teile, es handle sich schliesslich um eine Leistungsvereinbarung mit RKZ und SBK, wollte etwa Urban Fink von der Inländischen Mission wissen. Die RKZ allein könne das nicht entscheiden, sagte Cyrill Bischof, Vertreter der Landeskirche Thurgau.
Er nahm als Präsident der Fachgruppe 2, die innerhalb der RKZ für die Medienzentren zuständig ist, dazu Stellung. Die RKZ sei zwar «vorangestürmt», die SBK habe jedoch im Rahmen eines Differenzbereinigungsverfahrens ihre Zustimmung gegeben, so Bischof.
Auftraggeber wollen neue Strategie
Ob es ein Gremium gebe, wo sich die beiden Parteien miteinander absprechen können oder ob nun einfach «diese Drohung im Raum» stehe, fragte Willi Anderau, Vertreter der Schweizer Kapuziner. Vorstandsmitglied Markus Ries verneinte. Über den Entscheid des RKZ-Plenums sei man zwei Tage vor Weihnachten informiert worden. Und: «Die nächste Entscheidung, die bereits am 1. Juli wirksam wird, werden wir am 29. Juni zu hören bekommen.» Dieses Mal werde man immerhin zum Geschäft noch Stellung nehmen können.
Zu reden gab auch der Kooperationsrat von RKZ und SBK, der laut Jahresbericht die Vorbereitung einer neuen Strategie für die katholische Medienarbeit in der Schweiz angeordnet und diese extern in Auftrag gegeben hat. Das Medienzentrum sei nicht eingebunden, sagte Nadia Omar dazu, und man wisse auch nicht, wer mit der Ausarbeitung der Strategie beauftragt worden ist.
An der GV erfuhren die Vereinsmitglieder weiter, dass das «Damoklesschwert» eines möglichen Finanzstopps – wie jemand aus dem Publikum sagte – nur über dem Medienzentrum in Zürich hängt, während die Medienzentren in Lausanne und Lugano nicht betroffen sind.
Unverständnis bis Empörung
Fragen und Voten zeigten insgesamt: Der Entscheid der RKZ stiess auf Unverständnis bis Empörung. Robert Zemp, Vertreter der Berner Landeskirche, zeigte sich gar «entsetzt». Da müsse ein «Verbrechen im Raum» sein, es sei überhaupt nicht klar, was dem Medienzentrum vorgeworfen werde. «Das ist eine Blackbox.»
Urban Fink erwartet ein transparentes Vorgehen und Information. Als Mitglied könne er sich «übertölpelt» vorkommen, wenn er nicht informiert sei. «Ich hoffe, dass RKZ und SBK qualifizierte Entscheide treffen», sagte er.
Insbesondere Willi Anderau hielt mit Kritik nicht zurück. Er bezeichnete das Vorgehen der RKZ als «Hauruck-Methode», die mehr zerstöre und aus strategischer Sicht nicht zielführend sei. Die Methode sei zudem «nicht gerade sozial und einer Kirche eigentlich nicht würdig».
Stellungnahme zuhanden RKZ
Der Kapuziner war es denn auch, der den Anstoss gab zu einem Antrag. Es sei von der GV eine Bitte an die RKZ zu richten, den «Steckenzieher-Beschluss» aufzuheben und die Finanzierung so lange zuzusichern, bis ein neuer Grundauftrag vorliege. Urban Fink ergänzte, auch die Einhaltung der laufenden Leistungsvereinbarung sollte in den Antrag aufgenommen werden.
Beide Anregungen fanden Anklang bei einer Mehrheit der Stimmberechtigten, die den Antrag mit 19 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen guthiessen. Der Vorstand wird eine entsprechende Stellungnahme zuhanden der RKZ-Plenarversammlung verfassen.
Neue Chefredaktion und neue Direktion
Ansonsten hat sich das Medienzentrum im vergangenen Jahr stark mit dem Wiederaufbau beschäftigt, wie Nadia Omar berichtete. Dazu gehörte im Mai die Besetzung der Chefredaktion mit Stefan Betschon und im November die Neubesetzung der Direktion mit Daniel Ruta. Das Medienzentrum hat zudem das Treuhandbüro gewechselt und den Geschäftssitz per 1. September 2025 nach Zürich-Altstetten verlegt. «Die Räume sind nun etwas kompakter, aber finanziell hat es sich ganz sicher gelohnt», so Nadia Omar.
Insgesamt habe man auf kath.ch rund 2500 Meldungen publiziert. Den Medienspiegel bekommen rund 5600 Abonnentinnen und Abonnenten. Zu den erbrachten Leistungen zählen 26 Podcasts, sechs Videos, vier Radio- und Fernsehgottesdienste mit SRF sowie zwei Radiogottesdienste. Im Vergleich zum Vorjahr gab es eine Steigerung der Seitenaufrufe um 44 Prozent. «Wir hatten aber auch mehr Besucherinnen und Besucher auf unserer Seite, nämlich 24 Prozent mehr», sagte Omar.
Ertragsüberschuss 2025
Das Jahr 2025 schliesst für das Katholische Medienzentrum mit einer Bilanzsumme von rund 493’000 Franken, was einem Plus von rund 37’900 Franken gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Eigenkapital erhöhte sich dank eines erwirtschafteten Ertragsüberschusses von rund 33’700 Franken auf rund 164’900 Franken. Im Vergleich zum Vorjahr sanken indes sowohl Ertrag (2025: 1’748’708 Franken; 2024: 1’895’835 Franken) als auch Aufwand (2025: 1’714’938 Franken; 2024: 1’917’837 Franken).
Weniger Einnahmen in verschiedenen Bereichen
Laut Nadia Omar gingen die Einnahmen 2025 im Vergleich zum Vorjahr in verschiedenen Bereichen zurück: Etwa die Honorare für Publikationen und Produktionsbeiträge (minus 24’000 Franken), die Abo-Einkünfte (minus 25’000 Franken) oder das Medienopfer (minus 11’000 Franken). Ins Gewicht fällt hier der Wegfall von Beiträgen von cath.ch und catt.ch an den technischen Dienst im Umfang von 58’400 Franken gegenüber 2024.
Bei den Ausgaben reduzierte sich der Personalaufwand aufgrund von Vakanzen gegenüber dem Vorjahr um rund 202’000 Franken. Mehrkosten beim Verwaltungsaufwand um 60’000 Franken gab es hingegen wegen Rechtsfällen aus den Vorjahren und aufgrund von Umzugs- und Umbaukosten. Hier seien die Verwaltungskosten zu tief budgetiert gewesen, erklärte Nadia Omar. Dank des Wechsels des Treuhandbüros und des Umzugs können hingegen ab 2026 die Fixkosten reduziert werden.
Urban Fink von der Inländischen Mission kommentierte die Präsentation der Geschäftszahlen mit der Bemerkung, er würde sich beim nächsten Mal wünschen, dass etwas detailliertere Informationen zur Jahresrechnung verschickt würden. Für die Mitglieder sei es ansonsten schwierig, ihre Kontrollfunktion ausüben zu können. Die Jahresrechnung 2025 wurde schliesslich einstimmig genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt, ebenfalls einstimmig.
Mehr Personalaufwand budgetiert
Fürs laufende Jahr 2026 budgetierte der Vorstand einen höheren Personalaufwand, nämlich 1’328’000 Franken. Im vergangenen Jahr wurden für Personalkosten rund 1’202’000 Franken aufgewendet. Nadia Omar erklärte die Aufstockung mit einem «früher oder später» geplanten Wechsel in der Redaktionsleitung.
Ziel ist demnach, eine Chefredaktorin oder einen Chefredaktoren zu einem grösseren Pensum anzustellen als aktuell, während Stefan Betschon dem Medienzentrum als Redaktor erhalten bliebe. Angesichts der unsicheren finanziellen Zukunft bleiben diese Pläne vorerst auf Eis.
Nadia Omar als neue Vereinspräsidentin
Auf dem Programm stand schliesslich auch die Wahl eines neuen Präsidiums. Diese wurde nötig, weil sich das 2024 beschlossene Doppelpräsidium «als unzweckmässig» erwiesen hatte, wie es in der Begründung des Traktandums hiess. Markus Ries hatte im Juli angekündigt, sich per GV 2026 aus dem Präsidium zurückzuziehen. Livia Leykauf hatte am 19. Februar 2026 ihren sofortigen Rücktritt als Co-Präsidentin erklärt. Während Leykauf den Vorstand verlässt, will Markus Ries weiterhin in dem Gremium mitarbeiten.
Zur Wahl stellte sich mit Nadia Omar eine einzige Kandidatin. Sie wirkt bereits seit 20. Juni 2024 im Vorstand mit. Die ehemalige Aargauer Kirchenrätin ist selbstständige Kommunikationsberaterin und präsidiert den Verein «Pfarrblattvereinigung Nordwestschweiz», der das Pfarrblatt «Lichtblick» herausgibt.
Vorübergehend hatte sie auch die Direktion inne, ein Amt, das sie Ende November 2025 an den neuen Direktor Daniel Ruta übergab. Nadia Omar wurde einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt. Mit ihrer Wahl zur Präsidentin endet auch ein Mandat beim Katholischen Medienzentrum, wo sie während eineinhalb Monaten Projektarbeit leistete.
Entschädigung für Vorstandsmitglieder
Die Generalversammlung genehmigte schliesslich einen Antrag auf finanzielle Entschädigung für Vorstandsmitglieder. Künftig erhalten Vorstandsmitglieder 1000 Franken pro Jahr, das Präsidium 2000 Franken pro Jahr. Notwendig sei dies, weil die Vorstandsarbeit den Aufwand für eine reguläres Vorstandsmandat «um ein Vielfaches» übersteige. Grundsätzlich gelte aber weiterhin, dass Vorstandsmitglieder ehrenamtlich arbeiten.
Nicht angenommen wurden hingegen die vorgeschlagenen Richtlinien für Sonderaufträge. Diese müssen vom Vorstand überarbeitet und ergänzt werden, da zum Beispiel Aussagen zur Kontrolle solcher Aufträge fehlen. Hintergrund für den Vorschlag war die Tatsache, dass Nadia Omar im Dezember 2024 einsprang, als der frühere Direktor Christian Maurer das Medienzentrum überraschend verliess. (korr. Stimmenverhältnis Antrag 19 Ja-Stimmen (nicht 20), 5.5.26, bal)
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