Cyberangriff im Stiftsbezirk St. Gallen: Hackersoftware stammt aus Russland
Nach dem Cyberangriff vom letzten Oktoberwochenende auf die Institutionen im Stiftsbezirk St. Gallen sind erste Systeme wieder verfügbar. Wie die Ermittlungen der St. Galler Kantonspolizei ergeben haben, kommt die Hackersoftware aus dem Darknet. Aus Russland.
Wolfgang Holz
Steckt womöglich Wladimir Putin hinter dem Cyberangriff auf die katholische Kirche in St. Gallen? Man kann es sich kaum vorstellen. Bekannt ist allerdings nach bisherigen Ermittlungen der St. Galler Kantonspolizei, dass die Schadsoftware für den Cyberangriff offensichtlich aus Russland stammt.
Im Darknet zu bekommen
«Lockbit heisst die Software», gibt Roger Fuchs, Kommunikationsverantwortlicher des Katholischen Konfessionsteils St. Gallen, gegenüber kath.ch Auskunft. Man könne die Hackersoftware aus Russland im Darknet erwerben.
«Man weiss allerdings nicht, wer konkret hinter dem Cyberangriff steht.» Für die Verantwortlichen der katholischen Kirche im Stiftsbezirk sei es nach wie vor schleierhaft, warum gerade die Kirche zum Ziel des Cyberangriffs geworden sei. Fuchs: «Wir haben nach wie vor keine plausible Erklärung dafür. War es womöglich Zufall?»
Wie die NZZ im Februar dieses Jahres berichtete, wurden über 2000 Organisationen im Westen mit der Software der Hackergruppe Lockbit angegriffen. Nun sind zwei mutmassliche Mitglieder der Gruppe festgenommen worden. Offenbar betrieben die Kriminellen auch Server in der Schweiz und in Deutschland.
«Ransomware»
Ein internationales Team aus Ermittlungsbehörden soll nach eigenen Angaben die Hackergruppe Lockbit gehackt haben. Es soll sich um eine der wichtigsten «Ransomware»-Banden der Welt gehandelt haben.
Der Begriff «Ransomware» leitet sich vom englischen Wort «ransom» für Lösegeld ab und bezeichnet Schadprogramme, mit deren Hilfe ein Eindringling den Zugriff des Computerinhabers auf Daten, deren Nutzung oder auf das ganze Computersystem verhindern kann. Dabei werden Daten auf dem fremden Computer verschlüsselt oder der Zugriff auf sie verhindert, um für die Entschlüsselung oder Freigabe ein Lösegeld zu fordern.
Wurde «Lösegeld» gezahlt?
Bleibt die Frage: Was ist mit dem «Lösegeld», das von den Tätern bei dem Cyberangriff anscheinend gefordert wurde? Wie hoch war dies, und wurde es tatsächlich gezahlt?
Hanspeter Krüsi, Leiter der Kommunikation der Kantonspolizei St. Gallen, kann und will dazu aus ermittlungstaktischen Gründen gegenüber kath.ch nichts sagen. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Täterschaft noch ermittelt werden kann. «Solche Angriffe können auch Spuren im Internet hinterlassen.»
Erste Systeme wieder hergestellt
Was den Betrieb der kirchlichen Computersysteme angeht, arbeiten der zuständige IT-Dienstleister in Kooperation mit externen Cyberspezialisten und der Kantonspolizei St. Gallen an der Bewältigung der Situation. «Mittlerweile konnten erste Systeme wiederhergestellt werden. So können die Aktivitäten des Katholischen Konfessionsteils, des Bistums St. Gallen und der weiteren kirchlichen Institutionen im Stiftsbezirk, wenn auch verlangsamt, fortgesetzt werden», sagt Fuchs.
Telefonieren geht wieder
Seit Dienstagvormittag können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kirchlichen Institutionen im Stiftsbezirk St. Gallen zumindest wieder mit ihren geschäftlichen Computern auf dem Internet bewegen. «Und auch die Telefonie sowie der Zugriff auf die Druckgeräte wurden wiederhergestellt. In den nächsten Tagen sollte ebenso der Mailverkehr zum Funktionieren kommen. Weitere Arbeiten bei der Bewältigung des Cyberangriffs auf den Stiftsbezirk brauchen noch Zeit», so Fuchs.
Die Aktivitäten der kirchlichen Institutionen könnten somit, wenn auch eingeschränkt, fortgesetzt werden. Es wird alles Notwendige unternommen, um die negativen Auswirkungen zu bewältigen. Fuchs: «Die Institutionen informieren laufend über den aktuellen Stand der Dinge auf ihren Websites. Gleichzeitig wird um die nötige Nachsicht in der noch vorherrschenden Situation gebeten.»
Strafrechtliche Ermittlungen noch am Laufen
Am Laufen seien auch die technischen und strafrechtlichen Ermittlungen. «Weiterhin gibt es keine Hinweise darauf, dass Daten im Darknet landen könnten», meint Fuchs.
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