Claudia Nuber: «Machtmissbrauch jeglicher Art entgegenwirken»
Die katholische Kirche wird seit der Publikation der Pilotstudie zum Missbrauch durchgeschüttelt. Wie gehen Pfarreien damit um? Claudia Nuber ist neue Leiterin der Pfarrei St. Leodegar in Luzern. Sie hat im September zwei Predigten in der Hofkirche gehalten. «Wir dürfen nicht über Missstände oder Fehlverhalten hinwegsehen; wir dürfen nicht gleichgültig werden», sagt Nuber.
«Der König erlässt einem Schuldner seine Schuld. Als jedoch der Schuldner selbst seinem Schuldner dessen Schuld nicht ebenso erlässt, erfährt der König davon und macht seinen königlichen Schuldenerlass rückgängig.
Das Tagesevangelium ist gerade in diesen Tagen aktuell und mir fällt auf, dass der König hinschaut: zunächst auf seinen verschuldeten Knecht. Er hört ihn an und vergibt ihm; ebenso nimmt er die Unbarmherzigkeit des Knechtes ernst und geht nicht gleichgültig darüber hinweg. Trotz vieler anderer Aufgaben, nimmt er die Unbarmherzigkeit des Knechtes ernst. Er schaut hin, bleibt seinem Grundsatz treu, dass wir einander verzeihen sollen, macht aber seine vorherige Entscheidung rückgängig.
«Wir müssen hinschauen, auf das, was in unserer Welt vor sich geht.»
Wenn ich das auf heute übertrage, dann wird deutlich: wir müssen hinschauen, auf das, was in unserer Welt vor sich geht. Wir dürfen nicht über Missstände oder Fehlverhalten hinwegsehen; wir dürfen nicht gleichgültig werden, auch wenn wir selbst im Einzelfall keine Entscheidungskompetenz innehaben.
Beim Hinschauen denke ich natürlich an die Missstände im Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die wir international seit 2001 kennen. Genauso denke ich aber auch an Flüchtlinge und deren menschen-unwürdige «Unterbringungen», die wir seit der grossen Flüchtlingskrise 2015 kennen. …
«So ein Umdenken, eine neue Haltung erhoffe ich mir in diesen Tagen für uns als Kirche.»
Gemeinsam mit anderen kann daraus ein Umdenken stattfinden, das verändertes Verhalten nach sich zieht. So ein Umdenken, eine neue Haltung erhoffe ich mir in diesen Tagen für uns als Kirche. Ohne die Bedeutung der Aufarbeitung der Vergangenheit kleinreden zu wollen – im Gegenteil, ich will alle Betroffenen ermutigen, Missbräuche zu melden! – wünsche ich mir fest, dass wir als Institution Kirche aus der Vergangenheit lernen; dass wir schauen: Wo kann ich Machtmissbrauch jeglicher Art entgegenwirken.
Für mich selbst, jetzt neu in der Funktion der Pfarreileitung, besteht so ein präventiver Schritt gegen Machtmissbrauch, dass ich die Pfarrei nicht alleine leite, dass ich mit dem Pfarreirat und dem Team in Hofklausuren ein strategisches Gremium zur Seite habe, das die grundsätzliche Ausrichtung und Schwerpunkte der Pfarrei mitentscheidet.»
Claudia Nuber hat am Vorabend des Eidgenössischen Bettags, am 16. September zum Thema von Schuld und Machtmissbrauch in der Hofkirche gepredigt. – Sie verweist darauf, dass in der katholischen Kirche Luzern ein jährlicher Austausch zur Prävention sexuellen Missbrauchs mit allen Mitarbeitenden-Teams stattfindet. Für das Pfarreiteam von St. Leodegar ist ein solches Treffen im Spätherbst geplant. Darüber hinaus gibt es am 26. Oktober einen Feedback-Workshop für Mitarbeitende.
«Diese beiden Sitzungen haben zum Ziel, eine gute Gesprächskultur zu fördern, mögliche Machtstrukturen im täglichen Umgang entgegenzuwirken, eine offene Kommunikation zu fördern. Das ist eine Form der Prävention für Machtmissbrauch, zu denen auch sexuelle Übergriffe zu zählen sind.» (cm)
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