Schweiz

Churer Priesterkreis spricht sich vor Bischofswahl für Besonnenheit aus

Attinghausen UR/Chur, 5.11.16 (kath.ch) Soll nach dem bevorstehenden Amtsende des Churer Bischofs Vitus Huonder ein Administrator als Leiter der Diözese eingesetzt werden, um die Stimmung zu beruhigen? Diesen Vorschlag machte der regionale Generalvikar für die Urschweiz, Martin Kopp. Der Churer Priesterkreis glaubt nicht, dass das allein die Spannungen lösen würde.

109 Sympathisanten, davon 52 eingeschriebene Mitglieder zählt der Churer Priesterkreis. Die Vereinigung versteht sich als eine Stimme aus dem Kreis der Seelsorger, die sich klar auf die Seite der gegenwärtigen Leitung des Bistums und hinter Bischof Vitus Huonder stellt.

Nur ein Administrator bringt keine Lösung

Im Bistum Chur gibt es offen ausgetragene Spannungen zwischen Kreisen und Gremien, die zum Bischof stehen und solchen, die im Widerspruch zu seiner Amtsführung stehen. Um diese Differenzen beizulegen, hat Martin Kopp in einem Interview im «Tages-Anzeiger» gefordert, dass nach dem bevorstehenden altersbedingten Rücktritt von Vitus Huonder ein durch den Papst eingesetzter Administrator die Diözese für einige Jahre leiten solle.

«Der Churer Priesterkreis teilt zwar die Auffassung von Martin Kopp, dass es im Bistum Chur Spannungen gibt», schreibt die Vereinigung in einem kath.ch zugestellten Leserbrief. Und ergänzt: «Doch unabhängig davon, ob das Bistum durch einen neu gewählten Bischof oder einen Apostolischen Administrator geleitet wird, muss diese Person den Auftrag der Kirche erfüllen, den jeder Bischof bei seiner Weihe übernimmt.» Und diesen Auftrag umschreibt der Priesterkreis so: «Er wird genauso mit der Realität in den Dekanaten und Pfarreien konfrontiert werden, wie seine Vorgänger.»

Spannungen zusätzlich hochgespielt

In dem vom Präses des Priesterkreises, dem Attinghauser Pfarrer Franz Imhof, und dem Sekretär Roland Graf, Pfarrer im schwyzerischen Unteriberg, unterzeichneten Leserbrief wird bedauert, dass von «kirchlichen Funktionären und Funktionärinnen» die erwähnten Spannungen zusätzlich hochgespielt würden. Die Unterzeichner weisen umgekehrt darauf hin, dass «das Pfarreileben im Bistum Chur vielerorts nach wie vor aktiv ist». Sowohl Graf, wie auch Imhof gehören dem Domkapitel des Bistums Chur an. Dieses Gremium ist es, welches bei einer Neuwahl des Bischofs aus einem vom Papst erstellten Dreiervorschlag den künftigen Vorsteher des Bistums wählt.

Von einem von Rom direkt eingesetzten Administrator würde der Priesterkreis «kein Wunder erwarten». Im Leserbrief wird zudem festgehalten, dass die von Martin Kopp vorgeschlagene Persönlichkeit eines auswärtigen Ordensmannes mit Leitungserfahrung in der Ordensgemeinschaft und zugleich mit langjähriger Seelsorgeerfahrung schwer zu finden sein dürfte. Um den in der Diözese Chur angestrebten Spannungsabbau zu bewirken, spricht sich der Churer Priesterkreis in seinem Schreiben deshalb «für mehr Besonnenheit und Selbstreflexion» aus.

In Chur wurde bereits einmal ein auswärtiger Bischof eingesetzt, um die Lage zu entspannen. Um die unter Wolfgang Haas, heute Erzbischof im Fürstentum Liechtenstein, entstandenen Verwerfungen in der Diözese zu glätten, wurde 1998 der Ordensmann und frühere Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg Amédée Grab zum Bischof ernannt. 2007 wurde Vitus Huonder Bischof von Chur. Huonder wird im nächsten Jahr 75 Jahre alt und muss entsprechend kirchlichen Vorgaben dem Papst seinen Rücktritt einreichen. (ms)

Die Stellungnahme im Wortlaut

Der Zürcher Generalvikar Josef Annen zur Frage eines Administrators

Bericht zum Interview des Urschweizer Generalvikars Martin Kopp

Hof von Chur | © 2016 Sylvia Stam
5. November 2016 | 11:03
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