Christliche Engel leisten dem Kommerz-Engel Widerstand
Zürich, 21.12.16 (kath.ch) Allem vorweihnächtlichen Kommerz zum Trotz: Engel können eine sehr ernste Sache sein – oder wie es der ehemalige Präsident der Synode Zürich, Markus Arnold, sagt: Engel haben einen biblischen Bezug. Auch heute noch.
Georges Scherrer
Der Engel ist ein seltsames Ding. Schon seine Grösse ist ein Problem. Der englische Kardinal John Henry Newman widerspricht aufs Heftigste historischen Geistesgrössen wie dem deutschen Gelehrten Albertus Magnus oder dem italienischen Philosophen Bonaventura, wenn diese sagen, es gingen nur dreihunderttausend Engel auf eine Nadelspitze. Auf diese «gehen viel mehr», sagt Newman.
Im heutigen Kommerz spielt die Grösse der Engel eine weniger problematische Rolle. Was sich im vorweihnächtlichen Handel verkauft, muss unter den Weihnachtsbaum, neben eine Krippe oder auf einen Fenstersims passen. Die Grösse des Kommerz-Engels bewegt sich zwischen zwei und fünfzig Zentimetern. Grössere Engel passen schon nicht mehr in eine heutige Norm-Wohnung.
Esoterische Rituale
Engel sind aber vor allem sphärische Wesen. Die Esoterik hat sich ihrer angenommen. Als Lichtgestalten kommen sie farbenprächtig daher. Sie gehören wie Pendel und Buddhas zum festen Repertoire dieser selbsternannten Geisteswissenschaften.
Bei den Engelsvorstellungen der Esoterik gehe «es letztlich um irgendwelche undefinierbare geistige Mächte, die Gott ersetzen und die ich dank gewisser Rituale in Dienst nehmen kann», sagt der Dozent für Theologische Ethik an der Universität Luzern, Markus Arnold, gegenüber kath.ch. Von 1995 bis 1999 war er Präsident der Synode Zürich.
Engel haben nicht nur bei den Naturwissenschaften einen schweren Stand, denen es einfach nicht gelingt, ihre Existenz nachzuweisen. Auch die Kirche tut sich mit diesen Dingern schwer. «Während früher Jahreszeiten-Brauchtum in der Regel von der Kirche mitgetragen wurde, ist dies heutzutage viel weniger der Fall», meint die Erwachsenenbildnerin Franziska Schneider-Stotzer in ihrem Eintrag in einem Blog des Rex-Verlags in Luzern.
«Neue Wachsamkeit»
Im gleichen Blog hält der Religionspädagoge Alfred Höfler fest, die Engel als Bibel-geborene Gestalten hätten in der heutigen Kultur durchaus ihren Platz. Die Rückbesinnung auf die Engel könnte zu einer «neuen Wachsamkeit von unten, einer Theologie des Bodens, auf dem wir stehen», führen.
In der «zwischentestamentlichen Zeit überbrückten die Engel den Graben zwischen Gott und Menschen, nachdem die Distanz zu Gott eher zu gross geworden war», erklärt der Theologe Markus Arnold weiter gegenüber kath.ch. Heute hätten zum Teil Heilige diese Rolle übernommen. In der Volksfrömmigkeit spielten sie aber eine grosse Rolle.
Der «Blinzel-Engel»
Der deutsche Engelfroscher Uwe Wolf hat in seinem neusten Buch «Engel an deiner Krippe», aus welchem das Zitat von Henry Newman stammt, einige sehr schöne Beispiele dieser Frömmigkeit zusammengetragen. Eines davon entnimmt er dem evangelischen Theologen Karl Bernhard Ritter, als dieser in Istanbul die Hagia Sophia besuchte. Über einen Mann, der dort betete, berichtet Ritter: «Zum Abschluss der Gebetshaltung schaut der Beter rechts und links über die Schulter zurück, um seine Schutzengel zu grüssen, die hinter ihm stehen.»
Der Schutzengel ist nicht ausgestorben. Die Engelsdebatte beim Rex-Velag löste ein Comic aus, von dem Markus Arnold sagt: «Endlich wieder einmal eine Weihnachtsgeschichte, die einen sozialen Schwerpunkt hat und in diesem Sinne die Weihnachtsengel deutet.» Der «Blinzel-Engel» von Silvia Buob-Steffen und Tania Piscoli steht vier Kindern bei, die einer Gruppe dunkelhäutiger Asylsuchender helfen.
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