«Christliche Bildung sehr attraktiv»: Disentis streckt seine Fühler nach Indien aus
Das Gymnasium der Benediktinerabtei Disentis unterhält Austauschprogramme mit Schulen in Afrika. Nun will es seinen Schülern auch Aufenthalte in Indien ermöglichen und im Gegenzug indische Schüler in Disentis empfangen. Das Gymnasium versucht zudem, potentielle Schüler in dem südasiatischen Land zu gewinnen.
Barbara Ludwig
Ioannes Chattopadhyay, Sohn eines Inders und einer Schweizerin, unterrichtet am Gymnasium des Klosters Disentis, das auch über ein Internat verfügt. Der Biologie- und Chemielehrer ist Mitglied der Klostergemeinschaft.
Im Dezember und Januar ist der Pater nach Indien gereist, um das Austauschprogramm mit indischen Schulen vorzubereiten. Denn das Gymnasium, das bereits solche Programme mit Schulen in Namibia und Südafrika unterhält, will nun auch in dem südasiatischen Land Fuss fassen.
Im Oktober nach Bangalore
Bereits im Oktober sollen erstmals Schüler aus Disentis einige Zeit an einer Schule in Bangalore verbringen, hiess es kürzlich in einer Mitteilung auf Instagram.
Ein Gegenbesuch von Schülerinnen und Schüler der betreffenden Schule sei für April 2026 geplant. Chattopadhyay knüpfte bei seinem Besuch in Indien zudem Kontakte mit einer Schule in Kalkutta. Auch diese Schule kommt für ein Austauschprogramm in Frage.
«Die betreffenden indischen Schulen haben uns angefragt, ob wir interessiert seien, mit ihnen diesen Austausch zu starten», teilt Pater Paul Tobler, Prorektor des Gymnasiums, auf Anfrage von kath.ch mit.
Dass die Bündner Schule ihrerseits Interesse daran hat, erklärt er damit, dass Chattopadhyay zum einen bereits ein Entwicklungsprojekt in Indien betreut und zum andern mit seinen Kenntnissen des Landes. Chattopadhyay habe dort früher als Arzt gearbeitet. «Für uns ist es eine spannende Tür, die sich geöffnet hat.»
«Einmalige menschliche und kulturelle Erfahrungen»
Die Austauschprogramme ermöglichen jedes Jahr fünf bis zehn Schülerinnen und Schüler einen Aufenthalt von zwei bis drei Wochen «in einer spannenden ausländischen Destination», so der Prorektor. «Dies bedeutet für die Jugendlichen einmalige menschliche und kulturelle Erfahrungen und Erlebnisse in jungem Alter. Die Eindrücke sind vielfältig und sie kehren begeistert zurück.»
Im Gegenzug würden die jeweiligen «Gastgeschwister» das Gymnasium Disentis für einige Woche besuchen. Bei den beiden Schulen in Indien handelt es sich um staatlich anerkannte christliche Privatschulen. Die «Christ School» in Bangalore wird von einem katholischen Priesterorden geführt, den «Carmelites of Mary Immaculate»; die Schule in Kalkutta von der anglikanisch-indischen Kirche, der «Church of India».
Auf der Suche nach neuen Schülern
Die Reise des Lehrers aus Disentis diente auch dazu, potentielle Schülerinnen und Schüler für das Gymnasium in der Surselva zu gewinnen. Hat die Klosterschule heute zu wenig einheimische Schüler? Der Prorektor antwortet weder mit Ja noch mit Nein.
Man sei interessiert, «in der ganzen Schweiz und im Ausland zeigen zu können, dass wir eine lohnenswerte Schule sind». Tobler nennt deren Vorzüge: schöne Schulgemeinschaft, hochstehende Ausbildung und Betreuung, eine wunderbare Umgebung, die jahrtausendealte benediktinisch-christliche Grundlage. Er erwähnt dann doch noch, dass die obere Surselva nicht dicht besiedelt sei und die Familien in der Region kleiner geworden seien.
Katholische Schulen sehr gefragt
Disentis pflege seit Jahren internationale Kontakte. Dass man nun die Fühler nach Indien ausstreckt, habe damit zu tun, dass indische Schüler sehr daran interessiert seien, im deutschen Sprachraum studieren zu können, erklärt der Prorektor.
Indien sei ein sehr grosses Land mit hohem Bildungsinteresse. «Christliche Bildung auf hohem Niveau ist in Indien sehr attraktiv, die katholischen Schulen gelten dabei als Nummer Eins.»
Kinder wohlhabender Geschäftsleute
Die Schule in Disentis muss man sich als Familie mit Wohnsitz im Ausland auch leisten können. Da kommen Wohn -und Betreuungskosten im Internat von 8800 Franken pro Semester zum Schuldgeld von 14’450 pro Semester dazu. Für Bündner Schüler, die aktuell mit 113 die Mehrheit stellen, bezahlt der Kanton das Schulgeld.
«Ein Austausch-Aufenthalt ist auch für jemand aus dem oberen Mittelstand in Indien bezahlbar», so Paul Tobler. Zudem werde eine Schweizer Stiftung diesen Austausch unterstützen. Ein Studium in der Schweiz sei hingegen überwiegend für Kinder wohlhabender Geschäftsleute möglich.
Schon länger Kontakte mit China
Die Zahl ausländischer Schüler ist aktuell eher gering. Zurzeit besuchen sechs Schülerinnen und Schüler aus China das Gymnasium Disentis, sie leben im Internat. Hinzu kämen einzelne Kinder von Familien aus dem nahen Ausland. Im Vergleich dazu beträgt die Zahl der Schüler aus der Schweiz insgesamt 129.
Mit China, einem anderen asiatischen Land, pflegt das Gymnasium schon länger Kontakt. Derzeit wird das Austauschprogramm neu aufgesetzt, weil es an den Partnerschulen personelle Wechsel gegeben habe. Wegen Covid 19 war zudem eine Weile lang nicht mehr an Austausch mit China zu denken, berichtet der Prorektor.
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