Christine Unterberger
Schweiz

Christine Unterberger: Die Kirche braucht externe Whistleblower-Hotlines

Die Religionspädagogin Christine Unterberger fordert, Machtmissbrauch in der Kirche professioneller aufzuarbeiten: «Da geht dann nichts mit Vetternwirtschaft», sagt sie im Podcast «Hingehört». Thomas Boutellier lobt den neuen Verhaltenskodex des Bistums Chur: «Jetzt sind die anderen Bistümer in der Bringschuld.»

Raphael Rauch

«Mitverantwortung in der Sendung»: Was sperrig klingt, ist für die Religionspädagogin Christine Unterberger eigentlich ganz einfach: «Wir gehen zurück zu Jesus. Wenn er seinen Aposteln nicht Mitverantwortung übergeben hätte, dann wüssten wir heute von der Kirche nicht mehr sehr viel.» Nun müsse die Kirche lernen, Mitverantwortung wieder stärker zu leben.

Alle Getauften ernst nehmen

«Mitverantwortung in der Sendung»: So heisst auch ein Themenfeld des synodalen Prozesses. Christine Unterberger hat an der synodalen Versammlung im Bistum Basel teilgenommen. Im Gespräch mit Thomas Boutellier berichtet sie im Podcast «Hingehört» über ihre Eindrücke.

«Wenn wir die jetzigen Strukturen der Kirche anschauen, dann kleben viele Aufgaben am Priesteramt», kritisiert Christine Unterberger. Dabei sollten alle Getauften ernst genommen werden und Mitverantwortung erhalten.

Ombudsstelle nur ein Kummerkasten?

Die Gespräche in den Dialoggruppen hätten ergeben, was Hindernisse bei der «Mitverantwortung in der Sendung» seien: etwa der Pflichtzölibat, die fehlende Möglichkeit für Frauen, Diakoninnen oder Priesterinnen zu werden – und auch die Missbrauchskrise und der Machtmissbrauch in der Kirche.

Ombudsstellen könnten oft nicht weiterhelfen, kritisiert Christine Unterberger. Eine Ombudsstelle, die nicht mit Macht und Autorität ausgestattet sei, verkomme «zu einem Kummerkasten. Es ist nicht damit getan, einfach nur eine Ombudsstelle einzurichten.» Christine Unterberger schlägt vor, von der Privatwirtschaft zu lernen: «Wir brauchen externe Whistleblower-Hotlines, wo sich Mitarbeitende melden können, ohne dass sie Angst vor Konsequenzen haben müssen.»

«Da geht dann nichts mit Vetternwirtschaft»

Um die Missbrauchskrise aufzuarbeiten, fordert Christine Unterberger ein härteres Durchgreifen: «Das braucht Zeit, Ressourcen – und das ist ein finanzieller Faktor, wo man gewillt sein muss, dass man hier investiert.» Hierfür brauche es professionelle Kräfte: «Da geht dann nichts mit Vetternwirtschaft, dass Kollegen und Bekannte das untereinander ausmachen.»

Thomas Boutellier
Thomas Boutellier

Thomas Boutellier lobt den neuen Verhaltenskodex des Bistums Chur, der nächste Woche unterzeichnet wird: «Jetzt sind die anderen Bistümer in der Bringschuld. Alle Mitarbeitenden müssen in die Verantwortung genommen werden und nicht nur diejenigen, die offensichtlich mit vulnerablen Personen arbeiten», sagt Thomas Boutellier. Nur so gelinge es, Machtmissbrauch und spirituellen Missbrauch zu verhindern.

Podcast «Hingehört»

In den nächsten Wochen veröffentlicht kath.ch in Zusammenarbeit mit den Fachstellen die weiteren «Hingehört»-Folgen zum synodalen Prozess im Bistum Basel:

Themenfeld 6: «In der Kirche und Gesellschaft den Dialog führen» mit Remo Meister und Marcella Criscione

Themenfeld 7: «Austausch mit anderen christlichen Konfessionen» mit Martin Brun und Urs Bisang

Themenfeld 8: «Autorität und Teilnahme» mit Urs Bisang und Christine Unterberger

Themenfeld 9: «Unterscheiden und Entscheiden» mit Mirjam Lachenmeier und Jean-Pierre Sitzler

Themenfeld 10: «Sich in der Synodalität bilden» mit Thomas Boutellier und Marcella Criscione


Christine Unterberger | © Raphael Rauch
2. April 2022 | 17:14
Lesezeit : ca. 2  Min.
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