Caritas und Fastenopfer: Starker Franken bringt mehr Geld für die Armen im Süden!

Luzern, 24.1.2015 (kath.ch) Der Entscheid der Schweizer Nationalbank SNB hat einschneidende Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft. Die Hilfswerke Fastenopfer und Caritas sehen aber auch einen positiven Effekt: Für die Menschen im Süden steht mehr Geld zur Verfügung. Für Armutsbetroffene in der Schweiz sieht die Lage aber Ernst aus.

Charles Martig

Auch wenn die Schweizer Wirtschaft unter Druck gerät: für das Fastenopfer hat die Freigabe des Schweizer Frankens einen positiven Effekt. Es gibt mehr Geld für die armen Bevölkerungsschichten im Süden. Mediensprecher Matthias Dörnenburg: «Wir haben für die Südprogramme mehr Spielraum. Der starke Schweizer Franken wirkt sich positiv aus, weil unsere Projektpartner im Süden mehr Leistungen bekommen.»

Fastenopfer gibt mehr Geld in den Süden

Schon seit einigen Jahren werden die Vereinbarungen mit den Partnern in Südländern in Schweizer Franken vereinbart und die Beiträge in dieser Währung gesprochen. Der Entscheid der SNB wirkt sich also positiv aus: Es gibt mehr Leistungen für die Partner. »Es ist jetzt eine Sache der Projektverantwortlichen auszuhandeln, was mit dem Mehrwert realisiert werden soll», meint Dörnenburg. Wechselkursschwankungen waren bereits in früheren Jahren ein Thema in der Finanzplanung des Fastenopfers. Der momentane Trend wirkt sich aber eindeutig positiv aus. «Wir haben nur wenig Euro-Bestand auf unseren Geschäftskonten. Deshalb ist die Freigabe des Schweizer Frankens für das Fastenopfer nicht gravierend», so Dörnenburg weiter.

Caritas Direktor warnt vor Folgen für Armutsbetroffene

«Der Entscheid der Nationalbank schafft Unsicherheit, sogar Turbulenzen, und diese gehen zu Lasten der Schwächsten einer Volkswirtschaft, der Armutsbetroffenen und Arbeitsuchenden.» Hugo Fasel macht sich im Kommentar auf kath.ch für die Schwächsten in der Schweizer Gesellschaft stark. Neben den Stimmen der Wirtschaftsverbände werden sie nicht wahrgenommmen. In der Schweiz hat die Verlangsamung des Wachstums einschneidende Konsequenzen für rund 260’000 Kinder, die unter der Armutsgrenze leben. Caritas Schweiz engagiert sich deshalb für einen Ausgleich. Die Arbeitssuchenden dürfen nicht zu «Sündenböcken für leere Kantonskassen» werden. Fasel fordert deshalb, dass eine Milliarde vom letztjährigen Gewinn der Schweizer Nationalbank für die Schwächsten eingesetzt wird.

«Auf die Geschäftstätigkeit der Caritas Schweiz hat die Ablösung des Frankens- vom Eurokurs kaum Auswirkungen», sagt Hans Krummenacher, der Finanzverantwortliche von Caritas. «Von unseren rund 100 Millionen CHF gehen nicht ganz 60 Millionen in die Auslandsarbeit.  Für unsere Projekte in Afrika, Lateinamerika und Asien ist der starke Franken ein Vorteil.»  Ein Teil der Gelder komme aber auch aus dem Euroraum, wie zum Beispiel vom Deutschen Caritasverband. «Hier fliessen Euro-Gelder in unsere Projekte und das bedeutet auch einen verminderten Ertrag. Die Effekte gleichen sich aus», meint Krummenacher. Bei internationalen Projekten auf anderen Kontinenten wirken sich die Transportkosten, der Dollarkurs oder die Teuerung viel stärker aus, wie zum Beispiel beim Tsunami in Südostasien. Insgesamt ist der starke Schweizer Franken für die Caritas nicht primär eine Frage der Betriebsökonomie, sondern der gesellschaftspolitischen Verantwortung, wie sie Hugo Fasel betont.

Wird Geldsammeln jetzt schwieriger oder nimmt die Solidarität zu?

Aus der Sicht des Fastenopfers lässt sich die mittelfristige Auswirkung des starken Schweizer Frankens nicht prognostizieren. Es gibt dafür zwei Szenarien. Matthias Dörnenburg: «Offen ist für uns die Auswirkung auf das Fundraising. Wir wissen nicht, ob die wirtschaftliche Verschlechterung in der Schweiz zu mehr Solidarität führt, oder ob die Schweizerinnen und Schweizer beim Spenden zurückhaltender werden.» Dörnenburg wagt dazu keine Prognose. Doch hofft er darauf, dass die Solidarität der Schweizerinnen und Schweizern mit dem Süden obenausschwingt. Dies sei zumindest der Trend in den vergangenen Jahren gewesen. Wenn die Solidarität allerdings abnimmt, könnte sich die Konkurrenz auf dem Spendenmarkt Schweiz weiter verschärfen. (cm)

Zahlen und Fakten zu den beiden grossen Schweizer Hilfswerken: www.fastenopfer.ch  www.caritas.ch

25. Januar 2015 | 07:48
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