Fussballspiel | © pixabay CCO
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Fussballspiel | © pixabay CCO

Brasilianer manövriert sich mit Gebet ins Abseits

Bonn, 24.6.18 (kath.ch) Milad Mohammadi nimmt den Ball, drückt ihm einen Kuss auf, richtet den Blick gen Himmel und spricht ein Gebet. Der folgende Einwurf-Salto geht trotz der Bitte an höhere Mächte völlig daneben. Die Aktion des Iraners im WM-Spiel gegen Spanien sorgte für Gelächter.

Rainer Nolte und Gottfried Bohl

Kreuzzeichen und Stossgebete haben bei der Fussball-WM jedoch Konjunktur – auch wenn für die beinahe entzauberten Ballzauberer aus Brasilien ein offizielles Betverbot gilt. An das sie sich nicht so wirklich halten, wie die Kreuzzeichen nach dem glücklichen Sieg gegen Costa Rica zeigen. Viele der Kicker gehören evangelikalen Pfingstkirchen an; Katholiken sind in der Minderheit.

Fifa untersagte religiöse Botschaften

Oft zeigten Spieler früher Shirts mit frommen Botschaften. Und Superstar Neymar sorgte mit seinem Stirnband mit der Aufschrift «100 Prozent Jesus» bei Olympia 2016 für Aufregung. Der Weltfussballverband Fifa sah sich bereits vor Jahren gezwungen, solche Botschaften zu untersagen.

Religiöse Gesten aus politischen Gründen

Der Freiburger Historiker und Fussball-Experte Franz-Josef Brüggemeier erklärt, die Fifa sei sehr konsequent darin, politische und religiöse Einflussnahme zurückzudrängen: «Aus europäischer Sicht erscheint uns manches rigide. Wenn aber religiöse Gesten für politische Einflussnahme genutzt werden, ist es nachvollziehbar, dies kritisch zu beobachten.»

In Russland fiel Neymar bisher weder durch Jesus-Schriftzüge noch durch Bestleistungen auf; sondern vor allem durch seine blonden Locken, die viele an Spaghetti erinnerten. Doch bevor Spekulationen über ein neues religiöses Bekenntnis – etwa zur satirischen Glaubensgruppe «Fliegendes Spaghettimonster» – ins Kraut schiessen konnten, ging er mit neuer Frisur ins zweite Spiel. Was die Twitter-Redaktion der «Sportschau» gleich auf höhere Mächte tippen liess: «Jesus mutmasslich der Friseur im brasilianischen Team. Wer sonst kann Spaghetti in Rigatoni verwandeln.»

Göttlicher Schutz in der Kabine

Bei früheren Weltmeisterschaften reisten mitunter evangelikale Pastoren mit. Inzwischen gelten striktere Regeln des brasilianischen Fussballverbands. Dennoch bitte man vor jedem Spiel in der Kabine gemeinsam um göttlichen Schutz: Dieser Brauch stehe über der konfessionellen Zugehörigkeit der einzelnen Spieler.

«Man sollte es jedem überlassen, wie er seine Religion auslebt – solange er nicht mit Bomben wirft.»

Religiöse Gesten sind in Russland indes oft zu beobachten: Spieler halten vor dem Betreten des Platzes inne, mancher kniet nieder, Elfmeterschützen bekreuzigen sich. Für Frank Willmann, Autor und Experte für Fankultur, ist Religion Privatsache: «Man sollte es jedem überlassen, wie er seine Religion auslebt – solange er nicht mit Bomben wirft.»

Dementi der Hühnchen-Geschichte

Unterdessen sah sich der Präsident des Nigerianischen Fussballfanclubs gezwungen, zu dementieren, dass Anhänger versucht hätten, lebende Hühnchen zur Unterstützung mit ins Stadion zu nehmen. Die Berichte seien lächerlich, denn «Gebete sind der einzige Zauber, den wir haben».

Im deutschen Team betonte Mesut Özil, dass er nur deshalb nicht bei der Hymne mitsinge, weil er dann bete: «Ich bin sicher, dass diese Einkehr mir und damit auch meiner Mannschaft Kraft und Zuversicht gibt, um den Sieg nach Hause zu fahren», sagte er dem Magazin «Mission Titelverteidigung».

Bischöfe nicht dagegen

Beten für einen deutschen Sieg? Warum nicht, antwortete Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Interview mit Antenne Bayern. Man dürfe «alles vor Gott bringen, was einem auf dem Herzen liegt, man darf nur nicht erwarten, dass Gott den Wunsch, den man da formuliert, auch wirklich erfüllt».

Kölns Weihbischof Dominik Schwaderlapp ergänzte im Domradio, dass man Gott nicht für nationale Interessen vereinnahmen solle. Trotzdem könne man «dafür beten, dass die Spieler ihren Job gut tun und dass sie ihre Fähigkeiten ausspielen».

Für den letzten lebenden Weltmeister von 1954, Horst Eckel, ist ein Gebet auf dem Platz völlig in Ordnung: «Ich finde es schön und wichtig, wenn Menschen zu ihrem Glauben stehen», sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Gebet über Grenzen hinweg

Und dann war da noch eine Szene mit einem besonderen Zauber: Der Belgier Romelu Lukaku und der Panamaer Fidel Escobar beteten nach dem Spiel gemeinsam. Der Pressereferent für den Weltjugendtag in Panama 2019, Eduardo Soto, sagte dem Pressedienst CNA, dass Escobar evangelisch und Lukaku katholisch sei. Offenkundig kein Grund, den Glauben im russischen Fussballtempel nicht gemeinsam zu zelebrieren. (KNA)

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