Bistum Chur: Generalvikar für Graubünden nimmt den Hut

Chur, 24.2.11 (Kipa) Andreas Rellstab (44), Generalvikar für Graubünden im Bistum Chur, hat seine Demission eingereicht. Er habe Bischof Vitus Huonder am Donnerstag seinen Rücktritt vorgelegt und komme damit seiner Entlassung zuvor, teilte Rellstab gleichentags in einem Communiqué mit. Im Ordinariat in Chur herrsche ein Klima der Ängstlichkeit und des Misstrauens, sagte Rellstab auf Anfrage der Presseagentur Kipa. Rellstab will sich im Bistum Chur ab Juli neu orientieren, und dies in Rücksprache mit Bischof Huonder und mit dem Bischofsrat. – Huonder bedauert den Entschluss Rellstabs in einer Stellungnahme.

Huonder habe ihm am 7. Januar in einem Gespräch mitgeteilt, dass er auf Ende Juni das Arbeitsverhältnis mit ihm als Generalvikar für Graubünden auflösen wolle, schreibt Rellstab in seiner Mitteilung. Dem Wunsch des Bischofs, dass diese Auflösung des Arbeitsverhältnisses einvernehmlich geschehe, habe er insofern nicht mehr entsprechen können, als dieser ihm bei diesem Gespräch am 7. Januar «seinen Entlassungswunsch beziehungsweise die Ankündigung meiner Entlassung bereits schriftlich und von ihm unterschrieben» vorgelegt habe.

Ausdruck des Misstrauens»

Seine Absetzung durch den Diözesanbischof komme für ihn nicht überraschend, schreibt Rellstab. Grund: In wichtigen Sachfragen «sowie im Führungs- und Kommunikationsstil, welche die Leitung des Bistums betreffen», seien er und der Bischof unterschiedlicher Meinung. Dieser «Ausdruck des Misstrauens» des Bischofs ihm gegenüber erlaube es ihm nicht, diesen weiterhin als regionalen Generalvikar zu vertreten.

Die Veröffentlichung seiner Absetzung sei immer wieder hinausgezögert worden, schreibt Rellstab. Zuletzt habe ihn Huonder am 20. Februar gebeten, bis Donnerstag, 24. Februar, mit einer Bekanntgabe zu warten. «Nach mehreren Wochen der Ungewissheit» wolle er nun mit dieser Mitteilung Klarheit schaffen, heisst es in seinem Communiqué: «Ich habe heute Donnerstag, 24. Februar 2011, dem Bischof meine Demission vorgelegt und komme so meiner Entlassung zuvor. Ich werde mich innerhalb des Bistums Chur ab Juli 2011 neu orientieren, dies in Rücksprache mit Bischof Vitus und dem Bischofsrat.»

Andreas Rellstab, zuvor Pfarrer von St. Moritz GR, war seit Sommer 2008 Generalvikar für Graubünden.

Aktiv gepflegtes Denunziantentum

Andreas Rellstab beklagte gegenüber der Presseagentur Kipa das Denunziantentum, das im Ordinariat in Chur aktiv gepflegt werde. Kleinlich werde zudem nach Fehlern gesucht, die dann den Priestern vorgehalten würden.

Es bestehe ein Klima der Ängstlichkeit und des Misstrauens. Für Rellstab ist es zudem problematisch, wenn der Diözesanbischof einen Teil der Priester und Pfarrer und auch die Kirche in Zürich «als nicht mehr katholisch» bezeichne. Im Grunde stelle der Bischof die Struktur der Weltkirche und ihrer Vielfalt in Frage, wenn er sich auf bestimmte Frömmigkeitsformen festsetze.

Er werde trotz der Meinungsverschiedenheiten mit Bischof Huonder als Priester «gemeinsam mit meinem Bischof weiterarbeiten, denn es ist mein Bistum».

Bischof bedauert – und schlug Rellstab für Bischofskonferenz vor

Bischof Vitus Huonder nehme «mit Bedauern» Kenntnis vom Entschluss Rellstabs, sein Amt als Generalvikar für Graubünden niederzulegen, heisst es in einem am Donnerstag verbreiteten Communiqué des Bistums Chur. Rellstabs Demission seien «längere, ergebnisoffene Gespräche» vorausgegangen.

Bischof Huonder sei jedoch bis heute nicht klar, wo genau die inhaltlichen Differenzen lägen, die Rellstab veranlasst hätten, seine Demission einzureichen. Rellstab habe bereits 2010 mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass er wegen inhaltlichen Differenzen sein Amt zur Verfügung stellen wolle.

Wenn Rellstab in seiner Mitteilung erkläre, dass er mit seiner Demission einer Entlassung durch den Bischof vorgreifen wolle, so entspreche dies «aufgrund der dargelegten Fakten nicht der Wahrheit», schreibt Giuseppe Gracia, Bischöflich Beauftragter für Medien und Kommunikation, in seinem Communiqué ausdrücklich. Dabei weist er auf einen beigefügten Brief des Bischofs vom 21. Februar an Rellstab hin. Darin schreibt Huonder, dass ihm «bis heute unklar ist, wo ich Deiner Meinung nach als Bischof konkret etwas getan hätte, das gegen die Vorgaben der Universalkirche wäre».

Gemäss Communiqué des Bistums hatte Huonder «für den Fall, dass der interne Dialog keine Verbesserung brächte», angekündigt, Andreas Rellstab der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) als neuen Generalsekretär vorzuschlagen, nachdem der bisherige Generalsekretär Felix Gmür im Januar zum Bischof geweiht worden war. Ein entsprechender Vorschlag sei von Huonder bereits am 7. Januar der SBK zugestellt worden, heisst es im Communiqué des Bistums.

Bereits Regens des Priesterseminars hat demissioniert

Seine Demission eingereicht hat Mitte Februar auch der Regens des Priesterseminars St. Luzi in Chur, Ernst Fuchs (42).

«Ich stelle mein Amt wegen schwerwiegender sachlicher Differenzen mit Bischof Vitus Huonder zur Verfügung», hatte Fuchs damals gegenüber Kipa erklärt. Er habe diese mehrmals gegenüber dem Diözesanbischof selbst, gegenüber dem Bischofsrat und weiteren diözesanen Räten benannt. «Die jetzige Ausrichtung der Ausbildung unserer zukünftigen Seelsorgerinnen und Seelsorger stiess dort zwar grossmehrheitlich auf Zustimmung, konnte aber den Bischof nicht überzeugen.»

(kipa/com/job/am)

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