Gut drauf: Bischofsvikar Valentine Koledoye (links) mit Bischof Felix Gmür und Tobias Fontein
Schweiz

Bischofsvikar Koledoye über afrikanische Wallfahrt: «Wir feiern fröhlich, wie in unserer Kultur üblich»

Am kommenden Samstag leitet Bischofsvikar Valentine Koledoye die afrikanische Wallfahrt nach Einsiedeln – als erster afrikanischer Geistlicher der Schweiz. Das bedeute ihm und den Gläubigen viel, sagt Koledoye. Es zeige: «Wir sind alle eine Kirche und gemeinsam unterwegs.»

Regula Pfeifer

Sie leiten am Samstag erstmals den Gottesdienst an der afrikanischen Wallfahrt nach Einsiedeln. Wie ist das für Sie als Bischofsvikar mit afrikanischer Herkunft?

Koledoye: Ich fühle mich geehrt und bin sehr dankbar dafür. Ich war schon einmal als Mitfeiernder an der afrikanischen Wallfahrt dabei, das war eindrücklich. Nun leite ich erstmals als Bischofsvikar des Bistums Basels diesen Gottesdienst. Das setzt einen Akzent. Die Gläubigen sehen daran, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht nur Gäste sind, sondern selbstverständlich zur katholischen Kirche in der Schweiz gehören und in ihr Verantwortung übernehmen.

Valentine Koledoye.
Valentine Koledoye.

Es bedeutet ihnen viel zu sehen: Vor zwei Jahren leitete der Weihbischof von Basel, Joseph Stübi, die Messe, letztes Jahr der afrikanische Bischof aus Rom, Erzbischof Fortunatus Nwachukwu, der Sekretär ist im vatikanischen Dikasterium für die Evangelisierung. Und jetzt mit mir erstmals ein afrikanischer Bischofsvikar, der in der Schweiz eine Leitungsfunktion innehat.

Was bedeutet es Ihnen?

Koledoye: Auch mir bedeutet es viel. Ich sehe es als Zeichen der Realität. Wir sind alle eine Kirche und gemeinsam unterwegs.

«Wir sind in der Kirche eine multikulturelle Gesellschaft, auch bei dieser Pilgerreise.»

Fühlen Sie eine besondere Verbundenheit oder Verantwortung gegenüber den afrikanischen Gläubigen?

Koledoye: Selbstverständlich nehme ich die afrikanischen Gläubigen wahr. Aber ich fühle mich nicht speziell verantwortlich für sie, ich bin als Bischofsvikar des Bistums Basel für alle da. Diese Wallfahrt hat tatsächlich einen afrikanischen Charakter, in der Art der Musik und der Begegnungen, die stattfinden. Doch sie ist nicht auf Afrikanerinnen und Afrikaner beschränkt, sondern offen für alle. Zu Beginn etwa begrüsst Abt Urban Federer von Einsiedeln die Anwesenden. Wir sind in der Kirche eine multikulturelle Gesellschaft, auch bei dieser Pilgerreise.

«Wir sind als Christinnen und Christen unterwegs auf Erden – und pilgern gemeinsam auf ein Ziel hin, unsere himmlische Heimat.»

Das Wallfahrts-Motto lautet: «Pilger der Hoffnung – vereint im Glauben». Wie begegnen sich an der Wallfahrt Menschen verfeindeter Herkunftsländer?

Koledoye: Wo Menschen zusammen sind, gibt es unterschiedliche Meinungen, Vorstellungen und Konflikte – wie in einer Familie. Diese Pilgerreise spiegelt unser Leben. Wir sind als Christinnen und Christen unterwegs auf Erden – und pilgern gemeinsam auf ein Ziel hin, unsere himmlische Heimat. Das sollten wir nicht vergessen – und dabei die Hoffnung bewahren. Ich werde dazu in der Predigt ein Sprichwort nennen.

Afrikanische Wallfahrt: Einzug in die Klosterkirche, 2925
Afrikanische Wallfahrt: Einzug in die Klosterkirche, 2925

Welches Sprichwort?

Koledoye: Es lautet: «Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.» Das heisst: Als an Gott Glaubende können wir trotz aller Unterschiede miteinander leben. Und am Ende kommt alles gut. Das soll das Fazit meiner kurzen Predigt sein.

Eine pointierte Aussage ist gut, sie bleibt in Erinnerung.

Koledoye: Genau. Das ist auch meine Strategie. Ich will den Gläubigen einen Gedanken mit nach Hause geben.

«In vielen afrikanischen Kulturen gehört es selbstverständlich dazu, den Glauben auch körperlich auszudrücken.»

Als kath.ch vor zwei Jahren an der afrikanischen Wallfahrt teilnahm, tanzten die Menschen in der Kirche. Das ist für uns ungewöhnlich. Können Sie das erklären?

Koledoye (lacht): Das ist die Schönheit unseres kirchlichen Lebens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Vorher gab es nur die lateinische Messe, da war so etwas nicht erlaubt. Mit der Liturgiereform wurde es möglich, seinen Glauben in der eigenen Kultur auszudrücken. In vielen afrikanischen Kulturen gehört es selbstverständlich dazu, den Glauben auch körperlich auszudrücken – durch Gesang, Bewegung und Tanz. Das unterscheidet sich teilweise von den eher stillen Formen, die wir in der Schweiz kennen. Beides kann Ausdruck eines lebendigen Glaubens sein.

Afrikanische Wallfahrt 2025: Chor in Aktion
Afrikanische Wallfahrt 2025: Chor in Aktion

Seit wann ist das so?

Koledoye: Das wurde in der katholischen Kirche verschiedener afrikanischer Länder erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt, etwa ab den 1970er-Jahren. Dabei wurden kulturelle Traditionen vorchristlicher Religionen in den christlichen Kontext integriert und weiterentwickelt.

Haben Sie selbst auch solche lebendigen Gottesdienste gefeiert?

Koledoye: Selbstverständlich. auch ich feierte solche Gottesdienste in meinen jungen Jahren als Priester in Nigeria. Dabei dauerten die Gottesdienste immer zwei, drei Stunden.

«Integration ist ein Geben und Nehmen. Wir wollen gemeinsam interkulturell unterwegs sein.»

Hilft die katholische Kirche bei der Integration von Menschen aus Afrika oder anderen Kontinenten und Ländern?

Koledoye: Integration ist ein Geben und Nehmen. Es ist schön, dass die katholische Kirche der Schweiz es eingewanderten Menschen ermöglicht, sich in ihrer eigenen Kultur und Sprache einzubringen und etwas beizutragen. Wir akzeptieren die hiesige Kultur und übernehmen sie teilweise, aber wir geben auch etwas in die Gesellschaft hinein. Wir passen uns beispielsweise an, indem wir die afrikanische Wallfahrt auf Deutsch feiern und nicht auf Französisch, wie in vielen afrikanischen Ländern üblich. Doch wir feiern fröhlich, wie in unserer Kultur üblich. Wir wollen gemeinsam interkulturell unterwegs sein.

Sollten wir, die wir nicht mit afrikanischer Kultur aufgewachsen sind, diese fröhliche Art des Feierns vielleicht übernehmen?

Koledoye: Es geht nicht darum, gleich alles zu übernehmen. Aber vielleicht Teile davon. Das wird bereits gemacht. Wenn ich für Firmungen in den Pfarreien unterwegs bin, sehe ich, dass für diese Feier vielerorts eine Band engagiert wird. Das macht die Stimmung bereits fröhlicher. Ich finde es schön, wenn unsere Gottesdienste die Vielfalt der Menschen widerspiegeln und unterschiedliche Formen des Glaubensausdrucks Raum bekommen. Vielleicht können wir voneinander lernen und uns gegenseitig bereichern. Das gilt nicht nur für Gottesdienste.

Afrikanische Wallfahrt 2025: Teilete
Afrikanische Wallfahrt 2025: Teilete

Was möchten Sie damit sagen?

Koledoye: Nach dem Gottesdienst am Samstag in Einsiedeln gibt es eine Agape. Dabei teilen die Leute untereinander das Essen. Da wird es auch afrikanisches Essen geben. Dieses gesellige und kulinarische Beisammensein ist auch ein Beitrag, den afrikanische Katholikinnen und Katholiken einbringen.

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Afrikanische Wallfahrt nach Einsiedeln

Am Samstag, 29. August, findet die afrikanische Wallfahrt nach Einsiedeln statt – diesmal unter dem Motto «Pilger der Hoffnung – vereint im Glauben». Um 10.30 Uhr versammeln sich die Gläubigen vor der Klosterkirche. Es folgt ein Kreuzweg mit Gebeten und Liedern aus verschiedenen afrikanischen Traditionen.

Der Kreuzweg entspreche einem Wunsch der afrikanischen Gläubigen, die sich stark mit dem leidenden Jesus identifizierten, sagt Marco Schmid auf Anfrage. Ausserdem drücke das gemeinsame Gehen das Pilgern aus. Der ehemalige Nationaldirektor von Migratio wirkt als Koordinator des Anlasses, er hatte ihn vor 16 Jahren angestossen. Den feierlichen Höhepunkt der Wallfahrt bildet die Eucharistie in der Klosterkirche um 12.30 Uhr. Diesen leitet Valentine Koledoye, Bischofsvikar des Bistums Basel, der aus Nigeria stammt. Danach treffen sich die Gläubigen zum gemeinsamen Essen.

In den letzten zwei Jahren nahmen jeweils rund 300 Personen an dieser Wallfahrt teil. Die meisten von ihnen reisten aus der Deutschschweiz an, zunehmend auch aus der Westschweiz, so Schmid. Auch 30 Personen aus Frankreich würden diesmal erwartet.

Informationen über extra Busfahrten nach Einsiedeln bei Marco Schmid, info.africath@yahoo.com (rp)


Gut drauf: Bischofsvikar Valentine Koledoye (links) mit Bischof Felix Gmür und Tobias Fontein | © Christian Merz
27. August 2026 | 17:00
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