Bischofsvikar Koledoye: «Ein Papst aus Afrika würde das Bild einer Kirche ohne geografische und ethnische Barrieren stärken»
Valentine Koledoye (57) ist seit fünf Jahren Bischofsvikar im Bistum Basel, als erster Priester aus Afrika hat er eine Leitungsfunktion inne. Im Interview antwortet der Nigerianer auf die Frage, ob es nun Zeit sei, für einen ersten Papst aus Afrika, inwiefern ein solcher der Weltkirche guttun würde und wie er die Chancen afrikanischer Kardinäle sieht.
Barbara Ludwig
Nächste Woche beginnt das Konklave. Bergoglio war der erste Papst aus Lateinamerika. Ist es jetzt Zeit für einen Papst aus Afrika?
Valentine Koledoye*: Die Wahl des Papstes ist nicht nur eine Frage der Herkunft oder Region, sondern vielmehr ein göttlicher Entscheidungsprozess, der im Einklang mit dem Willen Gottes und dem geistlichen Auftrag steht. In diesem Sinne ist es schwierig, eine klare Antwort zu geben, ob es der Wille Gottes ist, einen afrikanischen Kardinal zum Papst jetzt im Jahr 2025 zu wählen. Wenn ein Afrikaner gewählt wird, würden wir als Afrikaner natürlich erfreut sein und es als Bereicherung für die Kirche ansehen. Wenn ein Nicht-Afrikaner gewählt wird, sind wir dennoch dankbar für den gewählten Nachfolger Petri und vertrauen darauf, dass die Wahl immer im besten Interesse der Kirche und ihrer globalen Gemeinschaft getroffen wird.
«Die Wahl des Papstes ist ein höchst komplexer und spiritueller Prozess, der von vielen Faktoren abhängt.»
Inwiefern würde ein afrikanischer Papst der Weltkirche guttun?
Koledoye: Die Wahl eines Papstes aus Afrika würde symbolisch die weltweite Dimension der Kirche betonen und das ideale Bild einer Kirche ohne geografische oder ethnische Barrieren stärken. Politisch könnte dies den Aspekt der globalen Inklusion unterstreichen, der für die moderne Gesellschaft von Bedeutung ist. Auf spiritueller Ebene sind die Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika auf einem bemerkenswerten Wachstumspfad, und ein Papst aus Afrika könnte frischen Wind in die weltkirchliche Gemeinschaft bringen. Wie bei der Wahl von Papst Franziskus aus Lateinamerika könnte auch ein afrikanischer Papst die Perspektive und das Engagement für jene Regionen stärken, in denen die Kirche vor besonderen Herausforderungen steht, und neue Impulse für das Verständnis des christlichen Glaubens setzen.
Wie sehen Sie generell die Chancen afrikanischer Kardinäle, am kommenden Konklave zum Papst gewählt zu werden?
Koledoye: Die Wahl des Papstes ist ein höchst komplexer und spiritueller Prozess, der von vielen Faktoren abhängt. Da ich die meisten afrikanischen Kardinäle und ihre Fähigkeiten nicht persönlich kenne, kann ich ihre Chancen nicht genau einschätzen. Aus einer rein spirituellen Perspektive, die den Glauben an Gottes Willen einbezieht, kann nur Gott die wahre Chance bestimmen. Politisch betrachtet würde ich die Chancen afrikanischer Kardinäle als realistisch, aber in einem von vielen Variablen abhängigen Bereich sehen. Es ist eine Entscheidung, die im Einklang mit den Bedürfnissen und Prioritäten der Kirche in dieser bestimmten Zeit getroffen wird.
«Ich betrachte viele der afrikanischen Kardinäle als hochqualifiziert für das Papstamt.»
Von den 18 wahlberechtigten afrikanischen Kardinälen werden mehrere als «papabili» gehandelt. Welchen würden Sie sich als Papst wünschen und warum?
Koledoye: Obwohl ich viele der afrikanischen Kardinäle persönlich nicht kenne, betrachte ich viele von ihnen als hochqualifiziert für das Papstamt, basierend auf den öffentlichen Äusserungen und den bisherigen Tätigkeiten. Diese Kardinäle scheinen sowohl tief im Glauben verwurzelt zu sein als auch die Fähigkeit zu besitzen, die Herausforderungen und Bedürfnisse der Gläubigen in ihren jeweiligen Regionen zu verstehen.
Besonders hervorzuheben ist Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, der Erzbischof von Kinshasa. Er hat während des Pontifikats von Papst Franziskus eine enge Zusammenarbeit gepflegt und zeigt in seiner Arbeit sowohl spirituelle Reife als auch die Fähigkeit, mit verschiedenen Perspektiven umzugehen. Er wäre meiner Ansicht nach ein würdiger Vertreter der universellen Kirche.
Was würde die Wahl eines afrikanischen Papstes für die Kirche in Europa und der Schweiz bedeuten, wo man andere Prioritäten hat als in Afrika, etwa, was die Stellung der Frauen in der Kirche betrifft?
Koledoye: Jeder Papst, würde als Nachfolger Petri nicht die Interessen eines bestimmten Kontinents oder einer Region vertreten, sondern die universelle Kirche führen. Seine Aufgabe wäre es, die Kirche im Einklang mit dem Willen Gottes und dem Evangelium zu leiten, das die Liebe und das Verständnis für alle Menschen fördert. Papst Franziskus hat es beispielsweise geschafft, die unterschiedlichen Interessen der Weltkirche, einschliesslich der Schweiz, zu integrieren und die universellen Werte des Glaubens zu betonen. Auch der nächste Papst wird, mit Gottes Hilfe, die Kirche vereinen und die verschiedenen Bedürfnisse der Gläubigen weltweit ansprechen. Das Papstamt bleibt ein untrennbarer Teil der universellen, heiligen und apostolischen Kirche, die sich auf das Wohl aller Menschen konzentriert, unabhängig von geografischen oder kulturellen Unterschieden.
Valentine Koledoye* ist seit 1. Mai 2020 Bischofsvikar der Region St. Urs im Bistum Basel. Er ist der erste Priester aus Afrika mit einer Leitungsfunktion in dieser Diözese. Koledoye wurde in Nigeria geboren und lebt seit 2008 in der Schweiz.
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