Bischof Charles Morerod | © CES
Schweiz
Bischof Charles Morerod | © CES

Bischof Morerod spricht Klartext zum Fall Pittet

20.2.17 (kath.ch) Die katholische Kirche muss Licht in ihre Schattenwinkel bringen, sagt der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Charles Morerod, in einem Gastkommentar für kath.ch. Er nimmt zudem Stellung zum Rücktritt von Ephrem Bucher aus dem bischöflichen Fachgremium «sexuelle Übergriffe».

Ich kenne Daniel Pittet seit mindestens 25 Jahren. In den vergangenen Monaten haben wir über sein Buch gesprochen. Als Vorbereitung auf die Veröffentlichung des Buchs und dank der Mithilfe der Kapuziner habe ich Pater Joël Allaz zwei Mal getroffen. Das tat ich, um zu unterstreichen, dass ich hinter dieser Veröffentlichung stehe und zwar aus zwei Gründen: Daniel sagt, dass ihm diese Worte helfen werden, seinen Schmerz zu überwinden. Zudem bin ich überzeugt, dass die Kirche Licht in ihre fürchterlichen Schattenzonen bringen muss.

Zum ersten Punkt: Ich hoffe, dass es für Daniel eine Hilfe sein wird, denn im Moment befindet er sich ein einer Zeit grossen Leidens.

Zum zweiten Punkt: Zwei Elemente prägen den Pädophilieskandal innerhalb der Kirche. Die Tat selbst und der Umstand, diese versteckt zu haben. So konnte der Missbrauch weiter andauern. Ein Christ ist überzeugt: «Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt.» (Markus 4.22). Er vertraut auf Jesus, der uns sagt: «Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.» (Johannes 8.32).

Ich habe auch aus diesem Geist heraus eine historische Studie (durch unabhängige Historiker, von denen mir einer von einem Opfer vorgeschlagen wurde) über den Missbrauch im Institut Marini im Kanton Freiburg in Auftrag gegeben. Diese betrifft vor allem die Periode, über welche wir über Archive verfügen. Es muss noch mehr Licht in die Sache gebracht werden, damit sich alle der zugefügten Leiden bewusst werden und dieses Bewusst-Werden dazu führt, dass neue Missbräuche verhindert werden – auch wenn es nur einige Pädophile trifft. Und Personen motiviert werden, von ihrem Missbrauch zu reden (zuerst gegenüber der Justiz).

Dieses Buch hilft Opfern, über sich zu reden. Wenn diese weit zurückliegende Vorfälle in der Kirche nennen, verjährte Fälle (die überprüft werden müssen), dann können sie sich an eine der staatlichen Beratungsstellen wenden, die im Rahmen des Opferhilfegesetzes (OHG) geschaffen wurden, oder an die Kirche. Die Bistümer haben entsprechende Kommissionen. Zusätzlich zu diesen diözesanen Kommissionen gibt es die Kommission für Missbrauchsopfer «Cecar». In dieser neutralen Kommission haben Mitglieder Einsitz, die zum Teil von Opfern und von der Kirche ausgewählt sind. Die Kommission arbeitet in französischer Sprache, steht aber auch deutschsprachigen Personen zur Verfügung.

Über diese zwei Wege können Opfer Wiedergutmachungsgelder von der Kirche erhalten. 10’000 Franken in der Regel, in ganz schweren Fällen 20’000 Franken. Diese Beträge werden aber nie genügen, um das Leiden eines ganzen Lebens zu tilgen. Sie richten sich jedoch nach der Höhe, die der Staat für nicht verjährte Fälle vorsieht.
Innerhalb der Kirche ist es zu einer Polemik gekommen, nachdem der «Blick» indirekt geschrieben hat, ich würde wünschen, dass Pater Ephrem Bucher sich aus dem Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer Bischofskonferenz zurückzieht. Mit dem betreffenden Journalisten habe ich am Telefon gesprochen, nachdem dieser mit Ephrem Bucher gesprochen hatte. Ich habe nicht den Eindruck, dem Journalisten gesagt zu haben, dass ich dessen Rücktritt wünsche.

Der Journalist hat aber verstanden, dass ich solches in der Tat denke. Ich bedauere es, dass die Kommunikation in solch indirekter Weise stattfand. Nachdem einige Mitglieder der Bischofskonferenz und Personen, die als Kommunikationsleute tätig sind, von der Mitgliedschaft von Pater Ephrem in Fachgremium sprachen, hofften einige, dass er die Situation verstehe und von sich aus spontan zurücktrete. Das heisst: Es entsprach nicht meiner Absicht, ihn über das hinaus anzuklagen, was er selber eingesehen hat. Er hätte den Fall melden müssen. Das betrifft auch andere Personen vor ihm und zeigt die systematischen Fehler jener Epoche auf.

Es war vermutlich weise, dass Pater Joël Allaz unter einer gewissen Aufsicht im Kloster zurückgehalten wurde, statt dass man ihn in die Natur entliess.

Diese Sachverhalte sind schrecklich. Ich kann keine perfekte Lösung anbieten, bin aber für Vorschläge offen. Ich glaube aber, dass wir die Sachverhalte akzeptieren müssen. Dazu ist das Buch von Daniel Pittet sehr hilfreich!

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