Bischof Gmür an Thurgauer Synode: «Kirchen müssen nicht immer auf Hochglanz poliert sein»
Das Kirchenparlament im Thurgau entschied jüngst in Weinfelden unter anderem über Änderungen des Kirchgemeindegesetzes. Gastreferent war Bischof Felix Gmür, der über die Kirche von morgen sprach.
(woz) Bischof Felix Gmür referierte an der Parlamentssitzung der Katholischen Landeskirche Thurgau über «Synodale Prozesse in der katholischen Kirche», schreibt die Landeskirche Thurgau in einer Medienmitteilung.
«Alle zu Wort kommen lassen»
Er hob hervor, dass es wichtig sei, «alle zu Wort kommen zu lassen, denn jede und jeder hat etwas zu sagen». Mit der Betonung einer synodalen Kirche habe Papst Franziskus 2015 erstmals von einer Kirche gesprochen, in der das Gemeinsame mehr betont werde als die Unterschiede, so Gmür.
«Es geht weiter mit der Kirche, aber nicht so, wie wir meinen.»
Dabei gelte es gegenseitig zuzuhören und das Gesagte zunächst auf sich wirken zu lassen und nicht sofort zu widersprechen. Bischof Felix Gmür betonte, es gehe weiter mit der Kirche, «aber nicht so, wie wir meinen».
Hoffnung verleihen ihm junge Menschen, und es sei hilfreich auf sie zu hören, «auch wenn sie manchmal schräge Ideen haben». Auch müsse nicht mehr in jedem Dorf das ganze kirchliche Programm angeboten werden, so Bischof Gmür. «Es braucht eine Präsenz vor Ort, aber nur mit dem, was man dort wirklich leisten kann.»
Missio canonica nur einmal entzogen
Angesprochen auf die Frage der Lebensführung von Seelsorgenden antwortete Bischof Gmür: «Privat ist privat ist falsch, da Seelsorgende öffentliche Personen sind. Sie müssen fähig sein, selbst darüber zu sprechen. Ich selbst habe niemanden gefragt und frage niemanden, wie er oder sie lebt und mit wem». Die Missio canonica, die Seelsorgende vom Bischof benötigen, habe er bisher nur in einem Fall entzogen. Dabei sei es jedoch um Missbrauch gegangen.
Bei der Frage der Nutzung oder des Verkaufs von Kirchengebäuden wies Bischof Gmür darauf hin, dass Kirchen nicht immer auf Hochglanz poliert sein müssten. «Wenn Gebäude umgenutzt werden, ist auf die künftige Verwendung zu achten. Mitunter können sie verkauft oder sogar abgerissen werden. Aber der Boden ist wertvoll.»
Wohnort flexibler für Pfarrleitungen
Die Synodalen bewilligten Änderungen im Kirchgemeindegesetz, welche das Amtsgebiet für pastoral gewählte Leitungen der Pfarreien auf den gesamten Kanton Thurgau ausweiten. Grund: Es werde zum einen schwieriger, geeignete Personen für Leitungsämter zu finden, wenn das Wohnen vor Ort vorausgesetzt werde.
Zum anderen relativiere sich der Wohnort besonders in grösseren pastoralen Räumen, da Aufgaben und Verantwortung übergemeindlich wahrgenommen würden. Mit dieser Änderung werde die Flexibilität bei der Anstellung und dem Einsatz pastoraler Leitungen kantonsweit gestärkt.
Budget 2026
Das Budget der Katholischen Landeskirche für 2026 genehmigte die Synode ohne Gegenstimme. Das vorgelegte Budget 2026 sieht einen Aufwandüberschuss von 117’500 Franken vor.
Es sei erfreut festzustellen, so die Synode, dass der Kirchenrat zusammen mit den Mitarbeitenden kostenbewusst und umsichtig mit den Geldern umgehe, so Erwin Wagner, Präsident der Finanzkommission.
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