Bischof Felix Gmür in Zug bei einem Adoray-Gottesdienst.
Schweiz

Bischof Felix Gmür über das Synoden-Treffen in Prag, Battista Scalabrini – und Kurt Kochs NS-Vergleich

Morgens Adoray, mittags Zuger Messe: Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, hat ein strammes Programm. Ein Gespräch über seinen letzten Rom-Besuch, den synodalen Prozess – und Kurt Kochs NS-Vergleich.

Beate Laurenti 

Im Februar reisen Sie nach Prag zum europäischen Synoden-Treffen. Wen werden Sie mitnehmen?

Bischof Felix Gmür*: Ich nehme drei Personen mit, die wir zusammen bestimmt haben. Aber das ist noch nicht öffentlich, wir wollen das zusammen kommunizieren. Das ist ja letztlich auch die Wahl der Bischofskonferenz und der Begleitgruppe, die nach dem nationalen synodalen Treffen in Einsiedeln entstanden ist. Wir müssen Frauen, Männer und alle drei Landesteile sowie jüngere und ältere Personen berücksichtigen. Das ist ein bisschen schwierig, weil nur drei Personen mitkommen können. Aber es ist eine super Gruppe. 

Synodaler Prozess: Bischof Felix Gmür und RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger nehmen Ergänzungswünsche für den Schlussbericht entgegen.
Synodaler Prozess: Bischof Felix Gmür und RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger nehmen Ergänzungswünsche für den Schlussbericht entgegen.

Sie waren kürzlich in Rom. Welchen Impuls haben Sie mitgenommen?

Gmür: Den Impuls, dass wir die Menschen, die in einem neuen Land, in einer neuen Pfarrei ankommen, also Migrantinnen und Migranten, nehmen wie sie sind. Und wir probieren, mit ihnen in der Kirche vor allem das Leben zu teilen – wir also versuchen, sie zu integrieren und sie nicht auszuschliessen. 

Artemide Zatti (rechts) im Operationssaal.
Artemide Zatti (rechts) im Operationssaal.

Sie haben sich in Rom auch mit Menschen aus der Schweiz getroffen, die zur Heiligsprechung angereist waren. Was hat Sie an den Heiligen beeindruckt?

Gmür: Sehr eindrücklich fand ich die Schilderung des Lebens von Artemide Zatti. Er hat sein ganzes Leben der Pflege von kranken Menschen gewidmet, weil er nach seiner eigenen Heilung ein Versprechen abgegeben hatte. Und diesem Versprechen ist er für den Rest seines Lebens treu geblieben. Er war für die Menschen da – das muss man bewundern. 

Was bedeutet das für die Gegenwart? 

Gmür: Dass man aus einer anderen Perspektive die grossartige Leistung derjenigen, die in Spitälern oder Altersheimen arbeiten, zu schätzen lernt. 

Giovanni Battista Scalabrini
Giovanni Battista Scalabrini

Und was sagen Sie zum anderen Heiligen, zu Giovanni Battista Scalabrini?

Gmür: Er hat erkannt, dass die Welt global wird, wie man heute sagen würde. Die Menschen wandern aus, kommen an einen Ort und kennen niemanden. Wir müssen da als Kirche da sein und die Menschen empfangen. «Wir sind in Vielem gut – können uns aber auch noch verbessern»: Das ist der Impuls, den ich hier mitgenommen habe. 

Nach der Heiligsprechungsmesse habe ich ausserdem die Scalabrini-Missionarinnen der Schweiz getroffen, die mit vielen Pilgerinnen und Pilgern gekommen sind – aus aller Herren Länder. Das war auch schön. 

Georg Bätzing und Kurt Koch bei der Ökumenischen Vollversammlung in Karlsruhe.
Georg Bätzing und Kurt Koch bei der Ökumenischen Vollversammlung in Karlsruhe.

Haben Sie sich in Rom auch mit Ihrem Vorgänger getroffen, mit Kurienkardinal Kurt Koch?

Gmür: Nein, wir haben uns nicht getroffen. 

Sie haben bislang zu Kochs Vergleich des Synodalen Wegs mit den «Deutsche Christen» während des Nationalsozialismus geschwiegen. Werden Sie sich dazu noch äussern?

Gmür: Nein.

* Felix Gmür (56) ist Bischof von Basel und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Am Samstagvormittag hat er beim Adoray-Festival in Zug eine Messe gefeiert. Später war er bei der Zuger Messe zu Gast, wo die katholische Kirche einen Stand hat. Vor zwei Wochen war Bischof Felix Gmür in Rom.

Berichte über das Adoray-Festival und die Zuger Messer folgen später auf kath.ch.


Bischof Felix Gmür in Zug bei einem Adoray-Gottesdienst. | © Beate Laurenti
22. Oktober 2022 | 14:53
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