Bischof Bonnemain: «Für mich stehen die Betroffenen an erster Stelle»
Was ist der Stand in der Missbrauchsaufarbeitung? Dazu, und ob die katholische Kirche überhaupt bereit sei, den sexuellen und spirituellen Missbrauch der älteren und jüngeren Vergangenheit vollständig aufzudecken, äusserte sich Bischof Bonnemain in einer TV-Sendung.
«In manchen Ländern wie der Schweiz handeln wir sehr konsequent. Wir versuchen immer wirksamere Massnahmen zu treffen. Die Betroffenen erwarten, dass man die Vergangenheit aufarbeitet und schonungslos klärt, was passiert ist und warum. Sie erwarten, dass wir ihnen glauben und sie ernst nehmen, sie begleiten, unterstützen und nicht im Stich lassen. Dass wir wirksame Präventionsmassnahmen treffen und geeignete Melde- und Interventionsstellen schaffen. Wir sind daran, dies zustande zu bringen. Ich begreife, dass die Betroffenen den Eindruck haben, dass all das zu langsam geht. Ich selbst hätte auch viel lieber eine schnellere Lösung.
Wir müssen uns nochmals anstrengen und noch intensiver daran arbeiten, aber die Massnahmen sollten auch nachhaltig und wirksam sein und greifen. Wenn Betroffene auf mich direkt zukommen und mir ihre Erlebnisse schildern, ist das für mich sehr schmerzhaft. Ich hatte schon manche schlaflosen Nächte aufgrund dieser Erfahrungen von Missbrauchsopfern. So viele Wunden hinterlässt ein solcher Übergriff bei einem Menschen. Ich kann diese nicht heilen. Doch ich kann versuchen, die Wunden zu lindern. Für mich stehen die Betroffenen an erster Stelle und nicht der gute Ruf der katholischen Kirche.»
Bischof Joseph Bonnemain war in der Sendung «Südostschweiz Standpunkte» zu Gast und gab dort Auskunft über die Ergebnisse aus dem Werkstattgespräch und die dort beschlossenen Massnahmen. Die Sendung «Wann folgen Taten statt Worte» kann unter SRF Play nachgeschaut werden. (sas)
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