Er glaubt auch an Gott - spielt aber weiterhin Fussball: Ruben Vargas nach seinem 2:0-Treffer im EM-Achtelfinal gegen Italien.
International

«Betende Fussballer sind Zeichen freier Gesellschaft»

Ein gemeinsames Gebet nach dem Sieg – die Glaubensbekundung zweier deutscher Nationalspieler nach dem WM-Erfolg gegen Curaçao hat so manchen irritiert. Welchen Auftrag der deutsche Aussenminister Wadephul darin für die Gesellschaft sieht. Nach Ansicht eines Berliner Stadionseelsorgers hilft Beten allein aber nicht, um zu gewinnen – Trainieren sei das Entscheidende.

(KNA) Wenn Fussballer nach einem Spiel gemeinsam beten, ist das aus Sicht von Außenminister Johann Wadephul (CDU) auch ein wichtiges Zeichen für eine freie Gesellschaft. Diese erkenne man nicht daran, dass der Glaube unsichtbar werde, sondern daran, dass er sichtbar gelebt werden könne, sagte Wadephul jüngst beim alljährlichen Johannisempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin.

Der Minister bezog sich dabei auf das Gebet der deutschen Fussballnationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah nach dem 7:1-Sieg im ersten WM-Spiel gegen Curaçao. Das gemeinsame Niederknien zweier Spieler sei dabei zunächst nur ein Ausdruck des gemeinsamen Glaubens, so Wadephul.

«Und dennoch erleben wir, wie aus diesem Gebet binnen Minuten ein Kulturkampf wird. Weil sichtbarer christlicher Glaube in unserer Öffentlichkeit mittlerweile viele irritiert.» Hier müsse sich die freie Gesellschaft beweisen und behaupten. «Sichtbar gelebter Glaube erinnert uns an das christliche Menschenbild, auf dessen Boden unsere Gesellschaft entstanden ist», betonte er. Damit das gelingen könne, sei die Regierung auf Partner wie die Kirche angewiesen.

«Der liebe Gott mag sicherlich Fussball, aber für einen Sieg zu beten, ist nicht das, worum es geht.»

Rituale wie das Gebet im Sport geben Sicherheit, führen aber nach Ansicht des Berliner Stadionseelsorgers Gregor Bellin nicht zum Sieg. «Der liebe Gott mag sicherlich Fussball, aber für einen Sieg zu beten, ist nicht das, worum es geht», sagte der katholische Diakon im Interview dem Kölner Portal domradio.de.

«Ich bin mit der Hertha BSC Berlin ab- und aufgestiegen. So wie wir Gottesdienste feiern, müsste Hertha Champions League spielen», ergänzte er. Der Stadionseelsorger im Olympiastadion sagte, die Frage sei, was man mit solcher Selbstbeeinflussung erreichen könne.

«Das Beten hilft an der Stelle allein nicht, ich muss für einen Sieg trainieren.»

Eine Erfahrung aus der Schule bringe den Aberglauben schnell ins Wanken: Wer bei Klassenarbeiten immer den gleichen blauen Pulli trage, wie Jogi Löw bei der WM in Südafrika 2010, merke schnell, dass das nicht unbedingt zum Erfolg führe. «Es hat aber geholfen, wenn ich mich vorher hingesetzt und gelernt habe. Und so ist das im Fussball auch. Das Beten hilft an der Stelle allein nicht, ich muss für einen Sieg trainieren.»

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Erklärte nun etwa die deutsche Nationalmannschaft, die Reihenfolge der Energy-Drinks, die sie konsumiere, sei entscheidend für den Sieg, sei Skepsis angebracht, sagt Bellin. «Dann denke ich, dass das Training vorher etwas wichtiger war und alles andere eine nette Sache ist. Das sind hilflose Gesten.» Wenn Menschen an solche Rituale glaubten, könne man das akzeptieren. «Es ist mit Sicherheit aber nicht objektiv hilfreich», sagte der Stadionseelsorger.


Er glaubt auch an Gott – spielt aber weiterhin Fussball: Ruben Vargas nach seinem 2:0-Treffer im EM-Achtelfinal gegen Italien. | © KEYSTONE/XINHUA/Pan Yulong
28. Juni 2026 | 16:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!