Bettlerin in der Basler Innenstadt.
Schweiz

Berner Kirche: Organisierte Bettelei nicht unterstützen

Bern geht strikt gegen Bettelnde vor: mit Kontrollen und Wegweisungen oder gar Landesverweis. Die Stadt sieht sich bestätigt durch einen Bundesgerichtsentscheid. Für die katholische Kirche Region Bern ist die Präsenz von Bettelnden ein Weckruf. Sie versteht sich als Wegweiserin zur staatlichen Hilfe.

Regula Pfeifer

Wie mit Bettelnden in der Stadt umgehen? Darüber hat das Bundesgericht kürzlich geurteilt. Aber nicht anhand der Stadt Bern, sondern der Stadt Basel. Dies geht aus Medienberichten hervor.

Bundesgericht bestätigt Basler Vorgehen grösstenteils

Basel hat demnach 2021 ein partielles Bettelverbot erlassen, das vor Bundesgericht gebracht wurde. Dieses bestätigte das Basler Gesetz. Einzig das Bettelverbot in Parks hob das höchste Schweizer Gericht auf.

So ist in Basel das Betteln fünf Meter vor Hotels oder Restaurants, Poststellen, Bahnhöfen, Bancomaten, Haltestellen oder Läden verboten. Auch organisiertes sowie auf Täuschung beruhendes Betteln sind nicht erlaubt, wie SRF berichtet.

Die Stadt Bern fühlt sich durch dieses Urteil bestätigt. Es stütze das strikte Vorgehen der Behörden in Bern seit 2008, sagte Alexander Ott, Vorsteher der Fremdenpolizei der Stadt Bern, gegenüber SRF. Bettelnde, die sich aufdringlich oder gar aggressiv verhielten, würden kontrolliert und weggewiesen. Und wenn es EU-Bürgerinnen und Bürger ohne Wohnsitz in der Schweiz seien, müssten sie die Schweiz verlassen.

Mathias Arbogast
Mathias Arbogast

«Bettlerinnen und Bettler in unseren Strassen und Gassen machen Armut bei uns sichtbar»

Mathias Arbogast, Leiter Fachstelle Sozialarbeit Katholische Kirche Region Bern

Angesprochen auf Bettelnde reagiert die Katholische Kirche Region Bern erstmals positiv. «Bettlerinnen und Bettler in unseren Strassen und Gassen machen Armut bei uns sichtbar», schreibt Mathias Arbogast, Leiter Fachstelle Sozialarbeit, auf Anfrage.

Kirche als Unterstützerin

Er weist aber darauf hin, dass im Schweizer Sozialstaat die Unterstützung Bedürftiger auf andere Weise geschehe. Es gebe «ein gutes Netz an Hilfsstrukturen.» Und dabei habe auch die Kirche eine Rolle: Sie begleite Menschen in Notlagen in die staatlich organisierte Hilfe. Ein Vorteil sei, dass die kirchlichen Beratungsdienste und Angebote unabhängig von der staatlichen Sozialhilfe seien.

«Trotzdem hat natürlich jeder Mensch das Recht, andere Menschen um Hilfe zu bitten», fügt Arbogast an. Allerdings ermahnt er potenzielle Geldgebende zu Wachsamkeit. «Wir empfehlen, organisierte Bettelei nicht zu unterstützen. Denn sie beruht oft auf schädlichen Strukturen und nötigt auf problematische Art auch Kinder ins Bettel-Geschäft.»


Bettlerin in der Basler Innenstadt. | © Keystone/ Stefan Bohrer
11. Mai 2023 | 16:13
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