Charles Martig | © kath.ch
Schweiz
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Berechtigte Forderungen

Zürich, 15.11.18 (kath.ch) Ein Einzelfall oder die Spitze eines Eisbergs? Das fragt sich Charles Martig angesichts des Berichts der ehemaligen Ordensfrau Doris Wagner über ihren Missbrauch im Film «#Female Pleasure» und in den Medien. Er fordert Aufklärung. Ein Kommentar.

Doris Wagner schildert ihr Schicksal als junge Ordensfrau. Sie ist von einem Geistlichen missbraucht worden und hat dies nach dem Austritt aus der Gemeinschaft «Das Werk» öffentlich gemacht. Nun tritt sie mit dem Titel «#NunsToo» auch in der Jesuiten-Zeitschrift «Stimmen der Zeit» auf. Hier legt die Theologin anhand von vorliegenden Studien glaubhaft dar, dass in mindestens 23 Ländern systematischer Missbrauch von Ordensfrauen stattfindet.

Die Stimme von Doris Wagner ist authentisch. Sie zeigt sich im neuen Film «#Female Pleasure» als Person, die sich aus einem geistlichen Umfeld befreit hat, das sie als Frau und Mensch vollständig negierte. Ihr aufrichtiges Hinstehen in der Öffentlichkeit ist glaubhaft. Die Theologin zeigt auf, dass sie eine Mauer des Schweigens erlebt hat. Ihr Anliegen, sich in der Kirche Gehör zu verschaffen, ist bisher gescheitert. Das Thema ist in der römisch-katholischen Kirche offensichtlich ein Tabu. Deshalb ist Doris Wagner in die Öffentlichkeit gegangen.

Nach der Premiere des Films am Filmfestival Locarno war ich davon überzeugt, dass dieser dargestellte Fall nicht repräsentativ ist für die weltweite Kirche. Trotzdem blieb bei mir ein Zweifel übrig. Ein Einzelfall oder die Spitze eines Eisbergs? Es kann sehr gut sein, dass hier ein weiteres Feld offengelegt wird, das in der Kirche lange verborgen lag. Der Missbrauch von Ordensschwestern durch Beichtväter und geistliche Vorgesetzte muss thematisiert werden; auch in der Schweiz.


«Mich interessiert die Sicht der Weltreligionen auf Sexualität»

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