Jack Huston im Wagenrennen als Judah Ben Hur | © Universal Pictures
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Jack Huston im Wagenrennen als Judah Ben Hur | © Universal Pictures

Im neuen «Ben Hur» ist Jesus im Abseits

Zürich, 1.9.2016 (kath.ch) Mit der Neuverfilmung von «Ben Hur» haben die Hollywood-Studios eine Ikone des Kinos digital wiederbelebt. Als 3D-Kino-Spektakel steht das berühmte Wagenrennen im Mittelpunkt.  Jesus ist darin nur ein Nebendarsteller, der den Klischees des konservativen Jesusfilms genügt. Das beste am Film ist Morgan Freeman als Stammesfürst Ilderim, der als Coach des Rennfahrers Ben Hur brilliert.

Charles Martig

Es ist eine Plage mit den vielen Remakes aus der Hollywood-Produktion. Nach dem siebten «Star Wars»-Film und dem zweiten «Independence Day»-Spektakel gibt es nun also auch eine Neuauflage von «Ben Hur». Wer sich an diesen Filmklassiker von 1959 mit Charlton Heston in der Hauptrolle wagt, muss schon viel Mut oder Verwegenheit besitzen.

Die neue Fassung baut auf den dramturgischen Höhepunkt des Wagenrennens, das der ganzen Geschichte ihre Richtung gibt. Bereits im Vorspann wird die Feindschaft zwischen Ben Hur und Messala in einem harten Schnitt-Gegenschnitt der Kontrahenten auf den Rennwagen gezeigt. Dann springt der Film in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte zu erzählen.

Regisseur Timur Bekmambetov erledigt seine Aufgabe routiniert, aber wenig inspiriert. Die Realfilmszenen werden dabei von der 3D-Technologie überlagert, so dass sich die Identifikation mit den Figuren nicht richtig einstellen will. Aber das Hauptproblem in der Wahrnehmung des Publikums bleibt der direkte Vergleich mit dem Original.

Jesus als Klischee

Begann die Kinoversion von 1959 noch mit der Geburt Jesu in Bethlehem und führte die Verfilmung von 1925 im Untertitel noch die Zeile «A Tale of the Christ», so ist der neue «Ben Hur» ein Actionfilm im historisierenden Stil. Jesus wird nur noch als Nebenfigur gezeigt: Als Zimmermann diskutiert er mit dem Prinzen Judah Ben Hur über die soziale Situation, er gibt dem Helden Wasser bei seiner Unterjochung als Sklave oder trifft ihn später wieder auf dem Kreuzweg in Jerusalem. Der Nazarener spielt aber keine zentrale Rolle mehr, sondern ist in die vielen dramaturgischen Lücken gepresst. Er darf immer wieder mal erscheinen und Ben Hur den richtigen Weg weisen, bis der Held geläutert ist von Hass und Zorn. Irritierend ist dabei, dass hier die Jesusfigur eindeutig an die evangelikalen Vorbilder des weissgekleideten und langharigen Christus mit übermächtiger Präsenz angelehnt wird. Dieser Jesus ist dermassen selbstbewusst und beinahe schwebend über den Ereignissen, dass kein Normalsterblicher es wagen würde, ihm zu widersprechen. Gleichzeitig bleibt er als Filmfigur ein blasser Nebendarsteller.

Was ist neu an diesem Remake?

Es gibt Spuren im Drehbuch, die der Erzählung eine neue Richtung geben. Da ist zuerst einmal der Wüstenfürst Ilderim, der als Rennwagen-Besitzer und väterliche Autorität aufgebaut wird. Er nimmt Ben Hur bei sich im Zelt auf und gibt ihm wertvolle Lektionen in der Strategie des Wagenrennens. Ilderim wird zum Coach und Mentor des Helden, der sich auch nicht scheut, ihm eine neue Richtung im Leben zu geben. Ihm ist es wesentlich zu verdanken, dass Ben Hur das Wagenrennen wohlbehalten übersteht. Überragend verkörpert wird dieser Wüstenfürst durch Morgan Freeman. Lebensweisheit paart sich mit gekonntem Schauspiel und einer grossartigen Ausstrahlung. Nur schon wegen Morgan Freeman lohnt es sich, diesen Film zu sehen.

Was negativ zu Buche schlägt, sind die konservativen Schlagseiten des Drehbuchs. Der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala wird in einer Versöhnungsszene aufgelöst, die das Original in dieser Form nicht kennt. Das Happy-End wirkt doch sehr konstruiert: Nach der Kreuzigungsszene wird Ben Hur zur Liebe erlöst und er verbrüdert sich mit seinem Todfeind. Dieser Schluss zielt wohl auf die Zielgruppe im US-amerikanischen «Bible-Belt» und möchte christlich-konservative Zuschauer binden. Und nicht zuletzt sind jetzt beide Helden – Ben Hur und Messala – deutlich heterosexuell konnotiert. Dies schiebt die Deutung der Männerfreundschaft als Homo-Erotik in den Hintergrund. Diese Helden sind nun «eindeutige Männer», was ebenfalls zur moralisch-konservativen Wirkung diese Remakes beiträgt.

Ben Hur für eine junge Generation

Der Verdienst des Films liegt wohl darin, dass er einer jüngeren Generation den Ben-Hur-Stoff näherzubringen versucht. Daraus erklärt sich die Ausrichtung der Dramaturgie auf Action und Spektal. Das romantische Element wird ebenfalls ausgespielt, eine Konzession an das weibliche Publikum. Die 3D-Technologie sorgt für eine weiter Sehdimension, was heute bei einem Event-Movie dazugehört. Und bei dem Trend zu Synchronfassungen ist es jetzt auch ganz einfach, diesen «Ben Hur» in deutsch zu konsumieren. Wer den Monumentalfilm aus den 1950er oder den Stummfilm aus dem Jahre 1925 kennt, wird hier enttäuscht aus dem Kino gehen. Für eine erste Erfahrung mit dieser Geschichte hat der Film durchaus seine Schauwerte zu bieten. Aus dem Jesusfilm hat er sich aber definitiv verabschiedet. (cm)

«Ein galliläischer Zimmermann kann da nicht mithalten.» Interview mit Pfarrer Thomas Schüpbach (ref.ch)

Hinweis: «Ben Hur 3D» startet am 1.9.2016 in den Schweizer Kinos.

 

Morgan Freeman als Ilderim und Regisseur Timur Bakmambetov auf dem Set von "Ben Hur" | © Universal Pictures
Morgan Freeman als Ilderim und Regisseur Timur Bakmambetov auf dem Set von "Ben Hur" | © Universal Pictures
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