Tausende wollten Abschied nehmen: Die Menschenmenge reicht über den Petersplatz hinaus bis weit in die Via della Conciliazione.
Vatikan

Beerdigung mit über 250'000 Gästen – Die Welt nimmt Abschied von Papst Franziskus

Kein anderer Anlass lässt so viele Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, wie die Beerdigung eines Papstes. Selten berichten so viele Journalisten über ein Ereignis. Das nutzte Franziskus noch ein letztes Mal, indem er post mortem für Frieden warb.

Severina Bartonitschek und Sabine Kleyboldt

Tieffliegende Helikopter, Autoleere Strassen, riesige Menschengruppen: Ausnahmezustand herrscht am Samstag in Rom. Papst Franziskus tritt seine letzte irdische Reise an. Schon am frühen Morgen pilgerten Menschen zum Petersplatz, um bei der Trauerfeier Abschied von ihm zu nehmen. Einige Gruppen warteten die ganze Nacht nahe dem Vatikan. Als sich um 6 Uhr die Sicherheitsschleusen öffneten, stolpern und fallen sie mitunter, um einen Platz möglichst nah am Altar vor der Basilika zu haben.

Der Sarg mit dem verstorbenen Papst Franziskus wird aus dem Petersdom hinaus auf den Platz getragen.
Der Sarg mit dem verstorbenen Papst Franziskus wird aus dem Petersdom hinaus auf den Platz getragen.

Applaus für Selenskyj und Franziskus

Seine Hauptrolle muss Papst Franziskus zeitweise teilen. Die politischen Eliten, die er so oft zu Dialog und Zusammenarbeit mahnte, reisten aus über 150 Staaten an. Die Schweiz wurde von Karin Keller-Sutter vertreten. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt sind hoch, Strassen bereits in der Nacht gesperrt, Fahrzeuge wurden abgeschleppt.

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump (Mitte) während des Requiems für Papst Franziskus, 26. April 2025.
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump (Mitte) während des Requiems für Papst Franziskus, 26. April 2025.

Seit Tagen kreisen Hubschrauber über der Stadt, US-Präsident Donald Trump begleiten am Morgen zwei Helikopter in geringer Höhe und eine eigene Pressedelegation. Bei keinem Staatsoberhaupt, das den Vorplatz des Petersdoms betrat, klickten die Kameras hunderter Fotografen häufiger.

Wolodymyr Selenskyj, der ukrainische Präsident, kommt mit seiner Delegation an und spricht mit einem orthodoxen Geistlichen.
Wolodymyr Selenskyj, der ukrainische Präsident, kommt mit seiner Delegation an und spricht mit einem orthodoxen Geistlichen.

Rund 4’500 Medienvertreter hatten sich zu diesem Anlass beim Vatikan akkreditiert. Applaus gab es hingegen nur für den ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj, der vor der Beerdigung noch ein Gespräch mit Trump führte – und für Franziskus, als er im Holzsarg auf den Vorplatz des Petersdoms getragen wurde.

Sarg mit dem Leichnam von Papst Franziskus während eines Requiems am 26. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.
Sarg mit dem Leichnam von Papst Franziskus während eines Requiems am 26. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.

Papst appelliert post mortem für Frieden

In Kardinaldekan Giovanni Battista Re, der die Trauerfeier leitete, fand Franziskus einen würdigen Vertreter seiner Anliegen. «Angesichts der vielen Kriege, die in diesen Jahren wüten, mit ihren unmenschlichen Gräueln, mit ihren unzähligen Toten und ihrer unermesslichen Zerstörung, hat Papst Franziskus unaufhörlich seine Stimme erhoben, um Frieden zu erbitten und zur Vernunft aufzurufen, zu ehrlichen Verhandlungen, um mögliche Lösungen zu finden», erinnerte Re in seiner aussergewöhnlich kraftvollen Predigt. Vor US-Präsident Trump verwies Re auf Franziskus’ stete Forderung, Brücken zu bauen und keine Mauern.

Kardinal Giovanni Battista Re eröffnet den Gottesdienst.
Kardinal Giovanni Battista Re eröffnet den Gottesdienst.

Vor über 250’000 Menschen würdigte Re den an Ostermontag gestorbenen Franziskus als einen spontanen Papst mit Temperament und einer ungezwungenen Art. Franziskus habe ein Charisma der Offenheit und des Zuhörens gehabt und seine Aufmerksamkeit besonders Menschen in Not gewidmet, sich unermüdlich vor allem für Benachteiligte eingesetzt. Er sei ein Papst gewesen, der mitten unter den Menschen war.

Massenabschied für einen menschennahen Papst

Das ist Franziskus über seinen Tod hinaus. Eine weitere Viertelmillion Menschen hatten sich in den vergangenen Tagen persönlich vom katholischen Kirchenoberhaupt verabschiedet. Im Petersdom war der tote Papst von Mittwochvormittag bis Freitagabend aufgebahrt. Und auch auf seiner letzten Fahrt durch die römische Innenstadt ist Franziskus nicht allein, 150’000 Menschen säumen die rund sechs Kilometer lange Strecke zur Basilika Santa Maria Maggiore, in der Franziskus beigesetzt werden wollte.

Kardinal Giovanni Battista Re inszensiert den Sarg und den verstorbenen Papst mit Weihrauch.
Kardinal Giovanni Battista Re inszensiert den Sarg und den verstorbenen Papst mit Weihrauch.

Das weisse Papamobil mit dem einfachen Holzsarg nimmt keineswegs den kürzesten Weg vom Vatikan Richtung Hauptbahnhof Termini. Über den grossen Corso Vittorio Emanuele wird er quasi in einem Triumphzug zu seiner letzten Ruhestätte gebracht, vorbei am Forum Romanum und dem Kolosseum.

Die Träger heben den Sarg mit dem verstorbenen Papst Franziskus am Kopfende in die Höhe, um den Anwesenden einen letzten Abschied zu gewähren.
Die Träger heben den Sarg mit dem verstorbenen Papst Franziskus am Kopfende in die Höhe, um den Anwesenden einen letzten Abschied zu gewähren.

Menschen warten auch bei der Marienkirche

Auch an der Marienkirche warten seit dem frühen Morgen viele Menschen, an einem Palazzo gegenüber der Basilika prangt ein riesiges Transparent: «Grazie Francesco». Am Strassenrand stehen Menschen mit Blumen und Bildern von Franziskus in den Händen, auch argentinische Flaggen für den Papst aus Lateinamerika sind zu sehen.

Menschen am Strassenrand, in der Mitte das Papamobil mit dem Sarg von Papst Franziskus, auf dem Weg zur Kirche Santa Maria Maggiore, am 26. April 2025 in Rom (Italien).
Menschen am Strassenrand, in der Mitte das Papamobil mit dem Sarg von Papst Franziskus, auf dem Weg zur Kirche Santa Maria Maggiore, am 26. April 2025 in Rom (Italien).

Hunderte Zivilschutz-Helfer verteilen Wasserflaschen, inzwischen ist die römische Frühlingssonne sehr intensiv. Die Menschen folgen gebannt der Trauerfeier, die über die Grossbildschirme vom Petersplatz übertragen wird. Bei der Predigt von Kardinal Re brandet Beifall auf, ebenso, als der Sarg zunächst in den Petersdom getragen wird und dann zu seiner letzten Fahrt durch die Stadt aufbricht.

Ein letztes Mal vor der Lieblingsikone «Salus populi romani»

Um kurz nach halb eins postieren sich die Ehrenformationen vor Santa Maria Maggiore: Sicherheitskräfte in Paradeuniformen und jene Gruppe von Armen, Migranten, Transpersonen, Opfer von Menschenhandel und Vertreter der Roma-Gemeinschaft, die dem Papst die letzte Ehre erweisen dürfen. Dort kommen die Sargträger einen Moment ins Straucheln, bevor sie Franziskus in die Kirche tragen. Noch ein letztes Mal verweilt der Papst vor seiner Lieblingsikone «Salus populi romani», vor der er so oft betete. Nun ist Franziskus zu Hause. (cic)

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Tausende wollten Abschied nehmen: Die Menschenmenge reicht über den Petersplatz hinaus bis weit in die Via della Conciliazione. | © Oliver Sittel
26. April 2025 | 15:09
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