Ein Kreuz aus Früchten in St. Michael in Zug.
Schweiz

Banane, Apfel, Mango: Obst-Kreuz steht für Hoffnung, Liebe und Erlösung

Ben Kintchimon ist Priester des Pastoralraumes Zug Berg. Er lässt sich für Ostern immer etwas Neues einfallen. Einmal schmückte er ein Kreuz mit Früchten – inspiriert von einem Katecheten aus Angola. In Benin essen manche Menschen etwas Kohle vom Osterfeuer – gegen böse Geister.

Jacqueline Straub

Sie stammen aus dem westafrikanischen Land Benin. Welche Osterbräuche gibt es da?

Pater Ben Kintchimon*: In meiner Heimat gibt es jedes Jahr vor der Osterliturgie auf dem Pfarrhof ein grosses Feuer. Die Pfarrgemeindemitglieder bringen alle ein Stück Holz mit. Jeder und jede ist dann eingeladen, sein Holz ins Feuer zu werfen. Manche bringen schon am Mittag zuvor Holz – das stellen sie dann zusammen, damit in der Nacht daran das Osterfeuer entfacht werden kann.

Pater Ben Kintchimon ist Priester im Pastoralraum Zug Berg.
Pater Ben Kintchimon ist Priester im Pastoralraum Zug Berg.

Was symbolisiert das Holz?

Kintchimon: Alles, was uns belastet, können wir zum Feuer bringen. Das Stück Holz steht stellvertretend für die Klagen, Sorgen und Ängste, welche dann vom Osterfeuer verwandelt werden. Am nächsten Tag kommen einige und holen sich aus dem erloschenen Osterfeuer Kohle und Asche. Damit segnen sie dann ihre Häuser. Manche konsumieren sogar ein Stück Kohle als Heilmittel gegen die bösen Geister. Denn diese Kohle, so glauben wir, entsteht aus der Auferstehung.

Pater Benjamin Kintchimon liess Bretter am Kreuz anbringen, um Kerzen darauf zustellen.
Pater Benjamin Kintchimon liess Bretter am Kreuz anbringen, um Kerzen darauf zustellen.

Gibt es einen Brauch, den Sie gerne auch in der Schweiz umsetzen?

Kintchimon: Ich lasse mir jedes Jahr zu Ostern eine neue Idee einfallen. Einmal habe ich ein grosses Kreuz anfertigen lassen und dieses mit vielen, unzähligen Nägeln behauen. An Karfreitag konnten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher dann auf kleinen Zetteln ihre Sorgen schreiben und es an einen Nagel heften. In der Osternacht haben wir dann das Kreuz aus der Kirche zum Osterfeuer getragen und die Zettel ins Osterfeuer geschmissen. Auch das sollte symbolisieren, dass Christus unsere Sorgen verwandelt. Das Jahr darauf habe ich Bretter am Kreuz anbringen lassen. Die Gottesdienstbesuchenden konnten dann kleine Kerzen darauf abstellen.

Ein Kreuz aus Früchten.
Ein Kreuz aus Früchten.

Vor einigen Jahren haben Sie ein Kreuz aus Früchten gestaltet.

Kintchimon: Ja, das habe ich in Zug in der Kirche St. Michael gemacht. Ein Mitbruder aus Angola erzählte mir von einem wunderbar gestalteten Kreuz. In der Karwoche trafen sich die Mitbrüder, aber auch Gemeindemitglieder jeden Morgen zum Gebet. Im Hymnus wurde gebetet: «Heilig Kreuz, du Baum der Treue, edler Baum, dem keiner gleich, keiner so an Laub und Blüte, keiner so an Früchten reich: Süsses Holz, o süsse Nägel, welche süsse Last an euch.» Ein Katechet war von diesem Hymnus so berührt, dass er daraufhin ein Kreuz entwickelte. Er bat die Schulkinder am Karsamstag, Früchte aus den eigenen Gärten und Plantagen mitzubringen. Sie brachten Mangos, Papayas, Bananen und vieles mehr. Zusammen schmückten sie ein grosses Kreuz damit. Die Früchte stehen dabei nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für geistige Früchte, die Gott uns geschenkt hat. Etwa Leben, Hoffnung, Liebe und Erlösung.

* Pater Ben Kintchimon ist leitender Priester des Pastoralraumes Zug Berg und gehört den Steyler Missionaren an.


Ein Kreuz aus Früchten in St. Michael in Zug. | © zVg
17. April 2022 | 17:00
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