Auf nach Jerusalem!
In der Zürcher Jesuitenbibliothek waren am Montagabend Pilgerreisen nach Jerusalem Thema eines Diskussionsabends. Ausgangspunkt für den Austausch mit dem Judaistik-Professor Christian Rutishauser war der Pilgerbericht «Meine Begegnung mit dem Heiligen Land» des französischen Schriftstellers Éric-Emmanuel Schmitt.
Stefan Betschon
Am besten ist es, man geht selbst hin. Nach Jerusalem. Gut ist es auch, zuzuhören, wenn andere, die diese Reise gemacht haben, von ihren Erlebnissen berichten. Das ist eine gute Alternative, wenn die, die erzählen, etwas zu sagen haben. Éric-Emmanuel Schmitt zum Beispiel. Der französische Philosoph und Schriftsteller hat 2022 eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen und dazu ein Buch verfasst: «Meine Begegnung mit dem Heiligen Land». Der französische Originaltitel klingt spannender: Le Défi de Jérusalem» – «Herausforderung Jerusalem».
Fernweh
Es kann aber schon auch interessant sein, anderen zuzuhören, die über ein Buch reden, das einer geschrieben hat, der nach Jerusalem gepilgert ist. Am Montagabend hat der Jesuitenpater und Universitätsprofessor Christian Rutishauser sich in der Zürcher Jesuitenbibliothek mit dem Journalisten Francesco Papagni an einen Tisch gesetzt, um über das Buch von Schmitt zu reden.
Knapp zwei Dutzend Leute waren gekommen, um an diesem Ort, zwischen alten Büchern und Zeitschriftenstapeln einem Gespräch über ein Buch über Jerusalem zuzuhören. Viele von ihnen dürften an diesem Abend ins Bett gegangen sein mit dem Wunsch, bald den Pilgerstab zu ergreifen. Auf nach Jerusalem!
Neue Herausforderungen
Dieser Anlass war ein Privatissimum, ein Kammerkonzert. Dieses Gespräch im kleinen Rahmen kann die Buchlektüre oder die Pilgerreise nach Jerusalem nicht ersetzen. Aber weil Rutishauser schon mehrmals in Jerusalem war, weil er schon viele Pilgerreisen organisiert und zahlreiche Pilgergruppen begleitet hat und weil er als Judaistikprofessor (Universität Luzern) auch die interreligiösen Dimensionen einer Reise nach Jerusalem vermessen hat, konnte am Dienstagabend in der Jesuitenbibliothek ein Resonanzraum geschaffen werden, der viel Aspekte des Themas zum Klingen brachte.
«Die Herausforderung Jerusalem» besteht eben darin, dass Pilger, Pilgerinnen sich ermuntert fühlen können, die Komfortzone der eigenen Gläubigkeit zu verlassen und sich dem Dialog mit Andersgläubigen zu stellen. Auf diesen Aspekt hat in einem Nachwort zum Buch von Schmitt Papst Franziskus hingewiesen.
Ein geheimer Ort
Es sollen in der Jesuitenbibliothek weitere Buchbesprechungen stattfinden. Wie Papagni im persönlichen Gespräch erklärte, sei diese zentral gelegene Bibliothek ein kaum bekannter, oft sehr einsamer aber doch stimmungsvoller Ort. Mit diesen Veranstaltungen möchte der Zürcher Journalist und Theologie dem Ort Leben einhauchen.
Die nächste Buchbesprechung in der Jesuitenbibliothek findet am 25. März um 19 Uhr statt. «Der demokratische Rechtsstaat – eine Ideengeschichte» ist der Titel des Buchs, das dann zur Diskussion steht. Als Gesprächspartner wird der Autor des Buches anwesend sein, es ist der Luzerner Kirchenrechtler Adrian Loretan.
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