Schweiz

«Auch Männer sind emotional»: Bischof Bonnemain bedauert Missverständnis

Sind Frauen weniger rational als Männer? Eine Aussage von Joseph Bonnemain sorgt für Empörung. Nun teilt der Churer Bischof mit: «Ich habe mich leider tatsächlich missverständlich ausgedrückt, was ich bedaure.»

Raphael Rauch

Von Seelsorgerinnen an der Basis über den Frauenbund und bis hin zur Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz: Seit Tagen sorgt eine Aussage von Bischof Joseph Bonnemain für Empörung.

«Wir brauchen Frauen, die vielleicht weniger rational denken»

Der Churer Bischof hatte den Zeitungen der CH-Mediengruppe auf die Frage, ob Frauen minderwertig seien, geantwortet:

«Überhaupt nicht. Christus hat bewusst Frauen bestimmte Aufgaben anvertraut, nicht Männern. Die erste Person etwa, welche die Botschaft über Jesu Tod überbrachte, war eine Frau. Warum? Weil Frauen im Inneren des Herzens wahrscheinlich viel mehr fühlen als Männer. Wir brauchen in der Führung der Kirche darum auch die Frauen, die vielleicht weniger rational denken und mit der Stimme des Herzens denken.»

Kritik von den Reformierten und vom Frauenbund

Seitdem hagelt es Kritik. «Also doch: nichts Neues aus Chur. (…) Gar so rückständig habe ich es nun doch nicht erwartet», twitterte die oberste Reformierte der Schweiz, Rita Famos.

Die neue EKS-Präsidentin Rita Famos.

Die Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, Simone Curau-Aepli, doppelte im kath.ch-Interview nach: «Diese Aussage von Bischof Joseph war ziemlich krass.»

Bonnemain: «Ich habe mich leider missverständlich ausgedrückt»

Manche versuchten, die ungeschickte Äusserung über die spanische Herkunft von Bischof Joseph Bonnemain zu erklären. Andere fragten sich, warum beim Gegenlesen des Interviews die bischöflichen Medienverantwortlichen nicht interveniert haben.

Der Kniefall von Chur: Bischof Joseph Maria Bonnemain bittet das Volk um den Segen.

Auf Anfrage von kath.ch teilt Bischof Joseph Bonnemain mit: «Ich habe mich leider tatsächlich missverständlich ausgedrückt, was ich bedaure. Grundsätzlich wollte ich meine Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Frauen ausdrücken.»

Bonnemain hofft auf neue Dynamik

Es handele sich um ein Missverständnis: «Frauen sind selbstverständlich ebenso rational denkend wie Männer und auch Männer sind emotional. Ich hatte die aktuelle Situation der Kirchenleitung vor Augen, als ich das sagte. Da sind die Frauen ja noch immer krass untervertreten – wir stecken, wie ich schon betont habe, diesbezüglich noch in den Kinderschuhen.»

Synodalität im Kleinen: Bischof Joseph Bonnemain im Gespräch mit der Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding.

Joseph Bonnemain betonte, dass er Vielfalt im Team schätze: «Wenn Frauen und Männer in Teams gemeinsam arbeiten, entsteht oft eine neue Dynamik, sowohl auf rationaler wie auf emotionaler Ebene. Diese neue Dynamik brauchen wir auch in der Kirchenleitung. Wenn Frauen und Männer gemeinsam arbeiten, kann sich eine neue Rationalität und Emotionalität entfalten, die unsere Kirche vorwärtsbringen.»

Eine Feministin im Bischofsrat?

Genau das sei nun im Bistum Chur gefragt, findet Bischof Joseph Bonnemain: «Wir brauchen das, um als Kirche glaubwürdig und überzeugend in die Zukunft gehen zu können.»

Das vorläufige Team von Bischof Joseph Bonnemain. Ein paar Posten sind noch vakant.

Im Bistumsrat sind bislang zwei Frauen vertreten: die konservative Kanzlerin Donata Bricci, die den umstrittenen «Servi della sofferenza» angehört, und die als moderat geltende Personalchefin Brigitte Fischer Züger.

Liberale Katholiken vermissen eine Feministin im Bischofsrat. Noch sind drei Stellen im Bischofsrat vakant: die des Offizials sowie die Ressortleiter Diakonie und Pastorale Entwicklung.


Bischof Joseph Bonnemain bei seiner Ansprache anlässlich der Bischofsweihe am 19. März 2021 in der Kathedrale in Chur. | © Keystone/Gian Ehrenzeller
27. Mai 2021 | 11:23
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