Isabelle Jonveaux
Schweiz

Askese-Expertin leitet das neue SPI-Suisse romande

Das Schweizerische Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen expandiert diesen Herbst in die Westschweiz. Die französische Religionswissenschafterin Isabelle Jonveau wird die SPI-Suisse romande in Lausanne leiten. Sie sagt über ihr Forschungsthema: «Die sexuelle Askese wird in der heutigen hypersexualisierten Gesellschaft nicht verstanden.»

Regula Pfeifer

«Das SPI darf einen langgehegten Traum realisieren: Im Herbst wird mit dem SPI-Suisse romande eine SPI-Stelle in Lausanne errichtet.» Damit werde das SPI seinem «Anspruch als schweizerisches Institut» noch besser gerecht, schreibt das SPI in seiner Medienmitteilung.

An der neuen Stelle wird eine Top-Wissenschafterin arbeiten: die Privatdozentin Isabelle Jonveaux. Die Religionssoziologin und Religionswissenschafterin ist gebürtige Französin, hat allerdings international Karriere gemacht – auch in Freiburg (Schweiz), wie aus der SPI-Mitteilung hervorgeht.

Habilitiert in der Schweiz

Promoviert hat sie 2009 in Paris und Trient (Italien) mit einer Doktorarbeit über die heutige Klosterwirtschaft in Europa. 2011 kam sie nach Graz (Österreich) mit einem Projekt über die gegenwärtige klösterliche Askese und forschte dann weiter über neue Formen von Fasten heute. Ihre Habilitation erhielt sie an der Universität Freiburg (Schweiz) über dieses Thema.

«Die Askese wird heutzutage sehr negativ betrachtet.»

In einem Interview in der Wiener Kirchenzeitung «Der Sonntag» äussert sich Isabelle Jonveaux über das heutige Verständnis von Askese: «Die Askese wird heutzutage eher sehr negativ betrachtet. Das Wort wird in der Katholischen Kirche oder in den Klöstern selten verwendet. Sie gilt als Feindin aller Freuden und damit letztlich des Lebens im Allgemeinen. Insbesondere die sexuelle Askese wird in der heutigen hypersexualisierten Gesellschaft nicht verstanden.»

Ordensleben, Internet und Religion

Isabelle Jonveaux unterrichtet regelmässig in Graz und in Linz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das Ordensleben heute in Europa, Afrika und Lateinamerika, Internet und Religion sowie breiter Religion, Spiritualität und Gesellschaft heute. Ihr letztes Buch «Contemporay Monastic Economy. A Sociological Perspective accross Continents» wurde im Juni 2023 bei Routledge veröffentlicht.


Isabelle Jonveaux | © Universität Graz
5. Juli 2023 | 09:00
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