Lagerleiterin Alessia Ravara im Garten der Pfarrei St. Anna in Frauenfeld.
Schweiz

Alessia Ravara: «Sommerlager schafft positive Verbundenheit zur Kirche»

Jedes Jahr bietet die Pfarrei St. Anna in Frauenfeld im Sommer ein Kinderlager an. Noch bis zum 14. Juli befindet sich die diesjährige Gruppe in Klosters GR. Die 27-jährige Katechetin Alessia Ravara ist als Leiterin für das Lager verantwortlich. Sie will den Kindern gelebten Glauben in der Gemeinschaft vermitteln.

Sarah Stutte

Seit wann gibt es das Sommerlager der Pfarrei Frauenfeld?

Alessia Ravara*: Schon seit über zehn Jahren. Ich selbst bin als Leiterin seit 2021 dabei. Jedes Jahr nehmen um die 40 Kinder daran teil.

Wie alt sind diese Kinder?

Ravara: Im Sommerlager willkommen sind alle 1. bis 6. Klässler der Pfarrei St. Anna. Viele Kinder kommen mehrere Jahre lang. Trotzdem sind die Gruppen immer wieder unterschiedlich zusammengesetzt, weil es kein Verbands- oder Klassenlager ist und weil es Generationenwechsel gibt.

Wie unterhält man Kinder unterschiedlichen Alters eine Woche lang?

Das ist in der Tat eine Herausforderung und zwar schon in der Planung. Wir müssen Aktivitäten finden, die für alle Kinder unterschiedlichen Alters ansprechend sind. Egal, ob dabei etwas gebastelt wird oder es sich um einen Wettkampf handelt: Die Jüngeren sollten nicht denken, dass sie dabei keine Chancen haben, und für die Älteren soll es ebenfalls herausfordernd sein.

Gruppenfoto des Teams und der teilnehmenden Kinder 2021.
Gruppenfoto des Teams und der teilnehmenden Kinder 2021.

Wie schaffen Sie es, ein gutes Gruppenklima herzustellen?

Ravara: Je nach Anzahl Kinder teilen wir diese in vier bis sechs Untergruppen ein. In diesen fixen Konstellationen unternehmen sie dann etwas zusammen. Dabei achten wir darauf, dass diese Gruppen altersmässig fair aufgeteilt sind.

«Oft unterstützen und motivieren sich die Kinder gegenseitig.»

Am ersten Tag ist es wichtig, dass die jeweilige Gruppenleitung die Kinder motiviert, als Team zu agieren. Oft unterstützen und motivieren sie sich dann automatisch gegenseitig. Zudem haben alle Kinder immer wieder genügend Zeit, abseits der Gruppen mit ihren gleichaltrigen Freundinnen und Freunden etwas zu unternehmen.

Wie viele Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um die Kinder?

Ravara: Das ist unterschiedlich. In den letzten Lagern waren es zehn Leitende und noch zwei bis drei Personen, die gekocht haben. Dieses Jahr sind wir im Leitungsteam nur zu fünft. Deshalb haben wir die Teilnehmerzahl auf 30 Kinder beschränkt. Damit wir genügend Ressourcen haben, falls etwas Unvorhergesehenes passiert.

Wanderung im Rahmen des Sommerlagers 2021.
Wanderung im Rahmen des Sommerlagers 2021.

Jedes Lager steht unter einem anderen Motto. Wer denkt sich diese aus?

Ravara: Oft bin ich das, weil mir meistens Ideen zwischendurch einfallen und ich diese dann aufschreibe. Aber auch vom Team kommen Inputs. Im Herbst schaue ich mir mit meiner  Co-Leitung potenzielle Lagerhäuser an. Oft gibt der Ort oder die Umgebung uns dann auch noch entscheidende Hinweise dazu, welches Thema hierzu passen würde.

Das diesjährige Thema ist «Die drei ???». Was müssen die Kinder hierbei tun?

Ravara: Wir versuchen jeweils mit einer einfachen Geschichte einen roten Faden zu spinnen, der sich durchs Lager zieht. Diesmal sollen die Kinder die drei bekannten Detektive dabei unterstützen, ein verschwundenes Amulett wiederzufinden. Diese Suche wird in klassische Lageraktivitäten verpackt, wie eine Schnitzeljagd, eine Wanderung, Geländespiele oder eine Nachtübung.

Wie lange dauern die Vorbereitungen für das Lager?

Ravara: Im Februar fange ich an. Das Gesamt-Programm planen wir im Team gemeinsam. Die einzelnen Aktivitäten werden dann auf die Leitenden verteilt, die für deren Durchführung verantwortlich sind. In der Regel ist es so, dass bis Ende April alle Lagerblöcke fertig geplant sein müssen, damit ich weiss, was ich für die jeweiligen Spiele an Material einkaufen muss.

«Sich um Verletzte zu kümmern oder um Schwache – das alles ist Kirche.»

Auch das Essen muss organisiert und mit dem Küchenteam koordiniert werden. Zudem muss ich ein Sicherheitskonzept erstellen, indem ich alle Eventualitäten einberechne. Ich stelle mir also vor, was alles ausserplanmässig passieren könnte und wie ich das am besten verhindern kann (lacht).

Inwiefern ist der Glaube Thema im Lager?

Ravara: Wir machen keine katechetischen Einheiten, sondern zeigen mehr den gelebten Glauben in der Gemeinschaft. Uns ist wichtig, dass alle in dieser Gruppe so aufgenommen werden, wie sie sind, Teil davon sind und friedlich zusammenleben können. Jedes Kind sollte ein solches Lager erleben können. Es lernt dabei so viel über sich selbst und andere und eignet sich wichtige soziale Kompetenzen an.

Marshmallows braten im Sommerlager 2018 in Sörenberg LU.
Marshmallows braten im Sommerlager 2018 in Sörenberg LU.

Warum verbringen Sie Ihren Sommer katholisch?

Ravara: Ich war als Jugendliche selbst in verschiedenen Lagern und habe daraus sehr viel mitgenommen. Dieses Gemeinschaftsgefühl möchte ich anderen Kindern weitergeben. Ihnen vermitteln, dass gelebter Glaube sehr viel mit ihrem eigenen Alltag zu tun hat. Sich um Verletzte kümmern oder um Schwächere – das alles ist Kirche. Mir ist es wichtig, dass sie aufgrund dieser Erlebnisse etwas Positives mit dem Glauben und der katholischen Kirche assoziieren.

Was motiviert Sie in der Arbeit mit den Kindern?

Ravara: Ich arbeite gerne mit Kindern und Jugendlichen im Freizeitkontext. Die Beziehungen sind dann mehr auf der kollegialeren Ebene. Das schafft auch eine gewisse Verbundenheit durch die gemeinsamen Erlebnisse.

«Durch diese Arbeit bleibe ich selbst jung.»

Durch diese Arbeit bleibe ich selbst jung und kann mein inneres Kind pflegen. Es kommt oft vor, dass Kinder in diesem Kontext schon früh gewisse Lebensweisheiten für sich entdecken und ich sie darin bestärken kann, sich diese Gedanken zu bewahren.

Sind Sie im Lager auch eine Art Kummerkastentante?

Ravara: Ja, auch. Heimweh kommt oft vor. Es gibt aber auch Kinder, die aus belastenden Situationen kommen, mit innerfamiliären Problemen. Für sie ist es toll, alles einmal für eine Woche vergessen zu können und einfach loszulassen. Wir versuchen im Lager eine Atmosphäre des Aufgehoben-Seins zu schaffen. Häufig sprechen die Kinder dann Gedanken oder Ängste aus, um sich einmal jemandem anzuvertrauen.

Welche Ratschläge geben Sie den Kindern mit und welche Werte wollen Sie ihnen vermitteln?

Ravara: Aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich gegenseitig zu respektieren. Es haben nicht alle im selben Moment dieselben Bedürfnisse. Als Tipp gebe ich den Kindern mit auf den Weg, das Lager zu geniessen, in dem es andere Regeln und einen anderen Tagesablauf gibt. Dass sie neugierig sind und bleiben und offen darauf zugehen, statt alles direkt abzulehnen.

*Alessia Ravara (27) ist Katechetin RPI in der Pfarrei St. Anna in Frauenfeld.


Lagerleiterin Alessia Ravara im Garten der Pfarrei St. Anna in Frauenfeld. | © Sarah Stutte
12. Juli 2023 | 15:15
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