Schweiz

Publizist und Afrika-Kenner Al Imfeld ist tot

Zürich, 16.2.17 (kath.ch) Der Publizist und Afrika-Kenner Al Imfeld ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren verstorben. Imfelds Mitarbeiterin Rosmarie Christen bestätigte dies auf Anfrage im Namen des Freundeskreises und der Angehörigen. Er starb altershalber an Herzschwäche. Imfeld machte sich mit Texten zu entwicklungspolitischen Themen, insbesondere zu Afrika, einen Namen.

Al Imfeld, (Taufname Alois) wurde 1935 als ältestes von 13 Kindern geboren. Er wuchs in der Nähe von Ruswil (LU) auf, das nach seiner Aussage im Napfgebiet liegt. Er «sollte studieren und Priester und Missionar werden», wie Imfeld auf seiner Homepage schreibt. Er besuchte das Gymnasium der Missionsgesellschaft Immensee, trat anschliessend in den Orden ein, studierte Theologie und Philosophie und wurde Priester.

Sein Vater habe ihn jedoch bereits als Kind gelehrt «stets nur die Hälfte zu glauben», woran er sich bis zeitlebens hielt, wie er selber schreibt. Als er an der Gregoriana in Rom doktorieren wollte, wurde er laut eigenen Angaben jedoch «der Häresie verdächtigt und aus der Gregoriana verwiesen.» Den Doktortitel holte er in den USA nach, allerdings in evangelischer Theologie. Es folgten Studien in Soziologie, Journalismus und Tropenlandwirtschaft.

Als Priester suspendiert

In den Sechziger Jahren arbeitete er mit Martin Luther King in der Bürgerrechtsbewegung. «Ich wurde für diese Mit-Arbeit von der katholischen Kirche als Priester exkommuniziert und suspendiert», schreibt Imfeld in seiner Kurzbiografie. Er habe daraufhin als freischaffender Priester gearbeitet «und wurde deshalb weitere Male suspendiert». Er setzte sich «aktiv gegen Rassismus, Ökoterror und die Ausbeutung sozial Benachteiligter ein», wie die «Wochenzeitung» anlässlich seines 80. Geburtstags 2015 schrieb.

Er war für die SMB im damaligen Rhodesien (heute Zimbabwe) tätig, später in Malawi, Tansania und Kenia. Seit dieser Zeit gilt er als Afrika-Kenner. In den Siebziger-Jahren gründete er in Deutschland den Infodienst 3. Welt (iwd) und brachte afrikanische Literatur an die Frankfurter Buchmesse. Er war Mitherausgeber der Romanreihe «Dialog Afrika» und der Gesellschaft zur Förderung der Literatur in Afrika, Asien und Lateinamerika. Er war Autor der Zeitschrift «Neue Wege” und schrieb als freischaffender Journalist zahlreiche Kolumnen.

Autor von über 80 Büchern

Imfeld hat ausserdem zahlreiche Bücher herausgegeben, viele davon zu entwicklungspolitischen Themen sowie zu Afrika. Imfeld schrieb auch selber Gedichte. Diese waren für ihn «eine Form des Gebets». In seinen live vorgetragenen Geschichten verband der «Griot aus dem Napf», wie es auf der Homepage heisst, das Hinterland seiner Jugend mit den Entwicklungsländern seiner zweiten Heimat Afrika.

2015, pünktlich zu seinem 80. Geburtstag, erschien auch sein 80. Buch: Der Band «Afrika im Gedicht», in welchem Imfeld 586 Gedichte aus über vierzig Ländern gesammelt, und zwar in der deutschen Übersetzung sowie im Original, auf Französisch, Englisch, Portugiesisch, Arabisch, Suaheli oder Afrikaans.

1990 erhielt Imfeld den Europäischen Journalistenpreis und den Zürcher Journalistenpreis. 2005 bekam er den Literaturpreis des Kantons Zürich. 2014 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Pro-Litteris-Preis geehrt.

Al Imfeld verstarb am 14. Februar, unter den Gebeten und der Fürsorge eines muslimischen Künstlers aus dem Südsudan, wie Christen gegenüber kath.ch sagte. Die Beerdigung findet am Montag, 20. Februar, um 14 Uhr in der Kapelle des Missionshauses Immensee SZ statt. (sys)

Al Imfeld | © zVg
16. Februar 2017 | 11:33
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