Abt Urban Federer zum neuen Papst: «Die Namenswahl ist tatsächlich auffällig»
Erneut ist mit Leo XIV. ein Ordensmann zum Papst gewählt worden – dieses Mal vom Augustinerorden. Abt Urban Federer, Vorsteher des Benediktinerklosters in Einsiedeln, ist überzeugt, dass Papst Leo XIV. für den synodalen Prozess vom Zusammenleben in einem Orden profitieren kann.
Wolfgang Holz
Abt Urban, was denken Sie über den neuen Papst Leo XIV? Waren Sie von dieser Wahl überrascht?
Abt Urban Federer: Ich wurde genau so überrascht wie alle Menschen, die auf das «Habemus papam» gewartet haben. Mit einen Nordamerikaner habe ich nicht gerechnet. Unser Kloster ist in den USA gut vernetzt. Konnte ich mit Papst Franziskus über die Einsiedler Gründung bei Buenos Aires in Argentinien sprechen, werde ich Papst Leo sicher einmal zu unserem Enkelkloster bei Chicago befragen.
«Papst Leo wird wohl vor allem als multikultureller und vielsprachiger Mensch gewählt worden sein und nicht zuerst als Ordensmann.»
Mit Papst Leo XIV. wird wieder ein Ordensbruder Papst. Wie ist das zu erklären und wertet dies die Orden auf?
Federer: Papst Leo wird wohl vor allem als multikultureller und vielsprachiger Mensch gewählt worden sein und nicht zuerst als Ordensmann. Er kennt die römische Kurie, bringt viel pastorale Erfahrung mit, er hat sowohl die Armut Südamerikas vor Augen als auch die Situation einer Industrienation wie der USA. Und dennoch ist er sicher von seinem Ordensleben geprägt.
So bin ich überzeugt, dass wir vom neuen Papst öfter vom Kirchenlehrer Augustinus von Hippo hören werden, den er ja bereits bei seiner ersten Ansprache zitiert hat. Für den synodalen Prozess, von dem er in eben dieser Ansprache ebenfalls sprach, kann er profitieren vom Zusammenleben in einem Orden, in dem die einzelnen Mitglieder ihre je eigenen Charismen einbringen und auch an der Leitung des Ordens teilhaben.
«Wie sein Vorgänger Papst Franziskus sieht er es offensichtlich als erste Aufgabe der Kirche an, mit dem eigenen christlichen Zeugnis in Kirche und Welt hineinzuwirken.»
Ist Leo XIV. ein Reformpapst, und wenn ja, welche Reformen erwarten Sie von ihm?
Federer: Ich bin dem neuen Papst erst einmal begegnet und kenne ihn nicht, kann über ihn also nur sagen, was ich höre, sehe und lese. Eine Ordensfrau aus Peru beschreibt ihn als «nah an den Menschen, ein echter Seelsorger». Seine ersten Worte von einer Kirche, die auf der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit ist und die im Zusammengehen von Hirten, Frauen und Männern, die Jesus Christus treu sind, lebt, werden für mich so konkret und glaubhaft. Wie sein Vorgänger Papst Franziskus sieht er es offensichtlich als erste Aufgabe der Kirche an, mit dem eigenen christlichen Zeugnis in Kirche und Welt hineinzuwirken.
«Ob nun Papst Leo XIV. in irgendeiner Weise «anti» handeln wird, weiss ich nicht.»
Leo XIV. steht in der Tradition des politischen Papstes Leo XIII. Könnte Leo XIV. zu einem Korrektiv für US-Präsident Trump werden?
Federer: Die Namenswahl ist tatsächlich auffällig. Papst Leo XIII. ist bekannt geworden als «Arbeiterpapst», weil er die Ausbeutung und Verelendung der Arbeiterklasse infolge der Industrialisierung anprangerte und jedem Menschen eine Würde zusprach. Zudem suchte er Frieden und Ausgleich mit anderen Staaten, was den Kulturkampf beendete und damit auch mithalf, die Schweiz im Innern zu befrieden. Ob nun Papst Leo XIV. in irgendeiner Weise «anti» handeln wird, weiss ich nicht.
Wer ihn kennt, beschreibt ihn als vermittelnd und ausgleichend. Doch höre ich in seiner ersten Rede durchaus politische Töne, die auch an seine Heimat gerichtet sind: «Das ist der Friede des auferstandenen Christus, ein entwaffneter Friede und ein entwaffnender, demütiger, beharrlicher Friede. Er kommt von Gott, von Gott, der uns alle bedingungslos liebt.»
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