Kroaten feiern Gottesdienst in der Kirche von Malters LU
Schweiz

Mehr Miteinander: RKZ-Podiumsdiskussion zu interkultureller Pastoral

In der Schweiz leben rund drei Millionen Katholikinnen und Katholiken. Davon haben rund 40 Prozent einen Migrationshintergrund. Daher ist eine erhebliche Anzahl von Gläubigen in mehr als einer Kultur heimisch. Wie kann man diese grosse Minderheit nicht nur seelsorgerlich betreuen, sondern im Sinne einer interkulturellen Pastoral auch besser ins Gemeindeleben integrieren?

Wolfgang Holz

Darüber wird an diesem Wochenende in Baar ZG diskutiert, und zwar im Rahmen der Plenarversammlung der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ). Das Vorabendprogramm am gestrigen Freitagabend sah eine Podiumsdiskussion vor. Gesprächspartner von Moderator Raphael Meyer an diesem Abend sind Bischof Jean-Marie Lovey, Verantwortlicher der SBK für den Sektor Migration, und Isabel Vasquez, Nationaldirektorin von Migratio Schweiz, gewesen.

«Seelsorge für Menschen mit Migrationshintergrund wichtig»

Wie Stefan Doppmann, Kirchenschreiber der Katholischen Kirchgemeinde Baar und seit 2022 neuer Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ), gegenüber bote.ch sagt: «Die Seelsorge für Menschen mit Migrationshintergrund ist für die katholische Kirche von besonderer Wichtigkeit: einerseits aufgrund der oben schon erwähnten hohen Zahl der zugewanderten Katholikinnen und Katholiken, andererseits weil viele Sprachgemeinschaften überdurchschnittlich aktiv sind und zunehmend mehr Gläubige mit Migrationshintergrund in kirchlichen Berufen arbeiten.»

Stefan Doppmann, Kirchenschreiber der Kirchgemeinde Baar.
Stefan Doppmann, Kirchenschreiber der Kirchgemeinde Baar.

Vor fünf Jahren haben SBK und RKZ bekanntlich nach intensiver Arbeit das Gesamtkonzept für die Migrationspastoral in der Schweiz unter dem Titel «Auf dem Weg zu einer interkulturellen Pastoral» verabschiedet. Nun stellt sich die Frage: Wie kann man das gesetzte Ziel besser erreichen?

110 anderssprachige katholische Missionen und Seelsorgestellen

Die 110 anderssprachigen Missionen und Seelsorgestellen der katholischen Kirche der Schweiz leisten einen erheblichen Beitrag zur kirchlichen und gesellschaftlichen Integration der Migrantinnen und Migranten sowie Menschen unterwegs. Mit dem «Gesamtkonzept Migrationspastoral» soll künftig das Verständnis der Kirche als Gemeinschaft in Vielfalt erweitert werden.

Mit der Umsetzung dieses Konzeptes und damit der Neuausrichtung ist auf nationaler Ebene die Dienststelle Migratio betraut worden. Isabel Vasquez (52) ist seit 2022 Nationaldirektorin von «migratio». Die in Guatemala geborene Vasquez wuchs in Spanien auf und lebt seit 2005 in der Schweiz. Vasquez ist auch geschäftsführende Sekretärin der Kommission Migration. Diese ist Beratungsgremium der SBK für grundlegende Fragen der interkulturellen Pastoral, der Entwicklung einer kulturell vielfältigen Kirche, Seelsorge im Asylbereich und der Situation der Menschen unterwegs.

«Migration ist nicht gleich Migration»

Isabel Vasquez ist überzeugt, dass in der Migrationsseelsorge die Suche nach spiritueller und kultureller Beheimatung eine grosse Rolle spielt, wie sie in einem Interview mit dem Pfarrblatt Bern sagte. «Denn beides gibt emotionale Stabilität und Sicherheit. Aber man darf nicht vergessen: Migration ist nicht gleich Migration. Es ist etwas völlig anderes, ob Sie bequem und sicher mit dem Flugzeug in Zürich landen und dort von der Familie in Empfang genommen werden, oder ob Sie die Schweiz erreicht haben, nachdem Sie sich 40 Tage durch die Wüste kämpfen mussten und dann auf dem Mittelmeer Witterungen und Wellengang ausgeliefert waren.»

Isabel Vasquez
Isabel Vasquez

Sie wittert vor allem die Gefahr von katholischen Parallelgesellschaften. «Dieses Risiko besteht, wenn wir nicht wahrnehmen, dass Vielfalt für beide Seiten bereichernd ist. Ich spreche ungern von der ‹Schweizer Kirche›, denn es ist alles die gleiche Kirche. Aber wir müssen lernen, miteinander in den Dialog zu treten. Nicht in einen Dialog, in dem der eine oder die andere überzeugen will, dass nur er oder sie den richtigen Weg kennt, sondern in einen Dialog auf Augenhöhe, in dem es um Vielfalt und Akzeptanz geht. Wir brauchen Sensibilisierung, um die Idee der ‹Einheit in Vielfalt› leben zu können.»

Früher nur «Gastarbeiterseelsorge»

Kirchliche Sprachgemeinschaften nehmen neu Ankommende auf, unterstützen sie in der Integration und sind Heimat für viele, die schon länger hier sind. War die Kirche in der Schweiz früher primär gefordert, für die seelsorgerliche Betreuung von Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus Europa zu sorgen, von denen man annahm, dass sie nach einigen Jahren in die Heimat zurückkehren («Gastarbeiterseelsorge»), ergibt sich heute ein ganz anderes Bild.

Die Zugewanderten kommen aus aller Welt, und sie kommen nicht nur um zu arbeiten, sondern als Geflüchtete, als Familien oder für Bildungszwecke. Während manche seit Generationen in der Schweiz leben, aber weiterhin in der religiösen Kultur ihres Herkunftslandes beheimatet sind, sind andere erst wenige Jahre im Land und wieder andere haben keinen geregelten Aufenthaltsstatus. Die katholischen Migrantinnen und Migranten sind nicht nur vielsprachiger, sondern in jeder Hinsicht vielfältiger. Das verlangt nach einer Weiterentwicklung der Seelsorge in Richtung einer interkulturellen Pastoral.

Urs Brosi, Generalsekretär RKZ
Urs Brosi, Generalsekretär RKZ

«Immer schwieriger, Priester zu finden»

Urs Brosi, Generalsekretär der RKZ, die jährlich mit 1,5 Millionen Franken anderssprachige Missionen auf nationaler Ebene unterstützt, bestätigt dieses Problem gegenüber kath.ch.

«Während es früher vor allem die italienischen, und dann die portugiesischen, spanischen und kroatischen Katholikinnen und Katholiken waren, die zu uns kamen, hat sich diese Anzahl durch die gestiegene Zuwanderung derart diversifiziert, dass es immer schwieriger wird, jeweils einen eigenen Priester für diese Minderheiten zu finden und zu finanzieren.»

Andererseits, so Brosi, mache es keinen Sinn, dass solche neuen Kleinstgemeinden von Seelsorgern betreut werden, die ständig durch die ganze Schweiz, vom Genfersee bis zum Bodensee, unterwegs seien, um ihre Gemeinden zu besuchen. Die heimische Seelsorge müsse deshalb durchlässiger werden.

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Dabei weist Urs Brosi darauf hin, dass es bei einer interkulturellen Pastoral nicht nur um ein Sprachenproblem gehe – sondern auch um ein religiöses Kulturthema. «Für portugiesische Gläubige spielt beispielsweise die marianische Frömmigkeit eine grosse Rolle, Stichwort Fatima. Diese hat für die Schweizer Kirche nicht den gleichen Stellenwert.»


Kroaten feiern Gottesdienst in der Kirche von Malters LU | © Ivan Ivic
22. März 2025 | 09:00
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