Daniel Ortega, der Machthaber von Nicaragua.
International

30 Ordensfrauen sollen Nicaragua verlassen

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche ist in Nicaruaga seit Jahren angespannt – und es wird immer schlimmer. Die neuste Aktion des Regime richtet sich laut Medienberichten gegen Ordensfrauen. Nun fordert der neue US-Aussenminister Rubio eine härtere Gangart gegen die regierenden Sandinisten.

Tobias Käufer

Erst erhielten die Schwestern des Klarissen-Ordens im Grossraum Managua die unmissverständliche Aufforderung, dann folgte die gleiche Anordnung an die Ordensfrauen im Kloster «Heilige Herzen von Jesus und Maria» in Chinandega. Auch ein drittes Kloster soll betroffen sein. Insgesamt seien 30 Ordensfrauen aufgefordert worden, Nicaragua zu verlassen, heisst es in regierungskritischen Medien, die inzwischen nahezu ausnahmslos aus dem Exil betrieben werden müssen. Angaben offizieller Stellen zu den Vorfällen gibt es nicht.

Plünderung des Kirchenerbes

Das Portal Mosaico CSI berichtete unter Berufung auf die Anwältin Martha Patricia Molina vor wenigen Tagen zuerst über die Vorfälle. Die Juristin verfolgt seit Jahren den repressiven Kurs der regierenden Sandinisten um das Präsidentenpaar Daniel Ortega und Rosario Murillo gegen die katholische Kirche.

Ortega führe eine brutale Plünderung des Kirchenerbes in Nicaragua durch, schrieb der Direktor des «Interamerikanischen Instituts für Demokratie» Carlos Sanchez Berzain auf der Plattform X. «Was sie stehlen, ist von unschätzbarem Wert.» Die Polizei habe eine Razzia im Bischofspalast in Matagalpa durchgeführt und die Klarissen aus drei Klöstern vertrieben.

US-Aussenminister fordert Eingreifen

Die jüngsten Vorfälle haben auch das Interesse des neuen US-Aussenministers Marco Rubio geweckt. Er berichtete bereits bei seiner Anhörung im Senat über die Lage in Nicaragua und forderte die internationale Gemeinschaft auf, konsequenter gegen die Regierung in Managua vorzugehen.

In einem Interview des Portals Angelus sagte Rubio: «Ortega und Murillo haben Mitglieder der katholischen Kirche konsequent verfolgt und werden versuchen, jede abweichende Meinung in ihrem Land zu zensieren. Unsere katholischen Brüder und Schwestern in Nicaragua tragen ein schweres Kreuz, da sie weiterhin Opfer von Unterdrückung und religiöser Verfolgung sind.»

An den Rest der Welt gerichtet appellierte Rubio: «Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft dieser Bedrohung entgegentritt und diese Tyrannen für ihre unzähligen Verbrechen zur Rechenschaft zieht.» Wie genau das geschehen soll, liess der amerikanische Aussenminister offen.

44 Geistliche in Haft

Laut Recherchen des katholischen Hilfswerks Kirche in Not inhaftierten die Behörden allein im vergangenen Jahr 25 katholische Geistliche, insgesamt sitzen 44 im Gefängnis. Der Fall der Ordensschwestern, die nun dazu gezwungen werden sollen, das Land zu verlassen, ist ein weiterer Schritt in dem jahrelangen Vorgehen gegen die katholische Kirche.

Bischof Rolando Alvarez betete vor seinem Haus. Unterdessen wurde er in den Vatikan abgeschoben.
Bischof Rolando Alvarez betete vor seinem Haus. Unterdessen wurde er in den Vatikan abgeschoben.

Für internationales Aufsehen sorgte die Verhaftung, Verurteilung und Ausbürgerung des Bischofs von Matagalpa, Rolando Alvarez. Bereits seit einigen Jahren befindet sich Managuas Weihbischof Silvio Baez im Exil: Papst Franziskus hatte ihn wegen Morddrohungen gebeten, das Land zu verlassen.

Kirche bot Demonstranten Schutz

Die linksgerichtete Regierung in Managua entzog zudem tausenden Nichtregierungsorganisationen die rechtliche Grundlage. Die schwere Krise in Nicaragua begann im Jahr 2018, als Studenten zunächst gegen eine mutmasslich von der Regierung geduldete oder gar initiierte Brandrodung in einem Naturschutzgebiet auf die Strasse gingen. Schnell weiteten sich die Demonstrationen zu landesweiten Protesten aus. Das Ortega-Regime schlug die Demonstrationen mit brutaler Gewalt nieder, Pfarrer und Bischöfe öffneten ihre Kirchen und boten den Demonstrierenden Schutz. Seitdem ist das Verhältnis zwischen Staat und Kirche stark angespannt. (kna)

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Daniel Ortega, der Machthaber von Nicaragua. | © Nueva Sociedad
3. Februar 2025 | 14:00
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