International

160 Gräber nahe früherem katholischen Internat in Kanada entdeckt

In Kanada sind auf dem Gelände eines früheren Internats für indigene Kinder erneut zahlreiche unmarkierte Gräber entdeckt worden. Im Internat waren bis 1975 Kinder untergebracht.

Wie der Leiter der indigenen Gemeinschaft der Penelakut, Joan Brown, laut kanadischen Medien (Dienstag Ortszeit) mitteilte, stiessen Forscher auf dem ehemaligen Schulgelände auf der Penelakut-Insel westlich Vancouver auf mehr als 160 Grabstellen mit sterblichen Überresten von Kindern. In dem von der katholischen Kirche geleiteten Internat waren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1975 Kinder indigener Mütter untergebracht.

Wahrheit ans Licht bringen

«Es bricht mir das Herz», sagte Kanadas Premierminister Justin Trudeau Medienberichten zufolge nach Bekanntwerden des Funds. «Wir können diejenigen, die umgekommen sind, nicht zurückbringen, aber wir können und werden die Wahrheit ans Licht bringen und weiterhin mit den indigenen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um die Diskriminierung und strukturellen Rassismus zu bekämpfen.»

An christliche Zivilisation heranführen

Seit Ende Mai wurden in Kanada auf ehemaligen Internatsgrundstücken durch Bodenradar mehr als 1000 Gräber mit den sterblichen Überresten von Kindern entdeckt. Im 19. und 20. Jahrhundert waren Schätzungen zufolge mehr als 100’000 Kinder indigener Mütter – oft zwangsweise – in kanadischen Heimen untergebracht.

Viele der landesweit mehr als 130 Einrichtungen wurden von katholischen Ordensgemeinschaften betrieben. Sie sollten die Kinder im Auftrag des Staates an die «christliche Zivilisation» heranführen. Oft durften sie ihre Muttersprache nicht sprechen. Eine unbekannte Zahl von Kindern und Jugendlichen wurde körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht, viele starben an Infektionskrankheiten. (kna)


Kranich – Motiv auf einem Totempfahl auf Vancouver Island. | © pixabay licence CCO
14. Juli 2021 | 15:38
Teilen Sie diesen Artikel!