Situation der KOVOS und Finanzierung rund um die Wissenschaftliche Erforschung und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Schweiz
Medienmitteilung vom 17. Juni 2024
Um die Situation der heutigen Gemeinschaften besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Ordensgemeinschaften: diese starke Vernetzung, wie wir sie heute kennen, ist eine ganz junge Erscheinung, auch in den Nachbarländern ist es ganz ähnlich. Und diese Vernetzung geht weiter, denn im «Schwächerwerden» der Kirche, zu der die Ordensgemeinschaften gehören, ist die gegenseitige Unterstützung immer wichtiger.
Die KOVOS ist der Dachverband der Ordensgemeinschaften in der Schweiz und 2019 als zivilrechtlicher Verein nach Schweizer Recht konstituiert worden, um die Zusammenarbeit der sechs Vereinigungen der Ordensleute in der Schweiz (die Frauenvereinigungen ADRL im Tessin, VONOS und VOKOS der Deutschschweiz, UCSR und USMSR der Westschweiz und die Männervereinigung VOS’USM) besser zu vernetzen. Mitglieder der KOVOS sind die sechs Vereinigungen, repräsentiert durch die PräsidentInnen und je einer zusätzlich delegierten Person.
Am 1.1.2024 ist die VONOS, die Vereinigung der Ordensoberinnnen der apostolischen Orden der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein aus der KOVOS ausgetreten, bleibt aber als VONOS nach wie vor bestehen. Mit dem Austritt der VONOS haben somit die apostolischen Ordensschwestern aus der Deutschschweiz den Dachverband KOVOS verlassen, nicht aber alle Ordensschwestern der Deutschschweiz.
In der ganzen Vorarbeitsphase zur Pilotstudie arbeitete die Männervereinigung VOS’USM eng zusammen mit der SBK und RKZ. Diese Arbeiten betrafen den Dachverband KOVOS in dieser Zeit nicht. Der erst 2019 konstituierte Dachverband, der unter den erschwerten Coronabedingungen seine Arbeit aufnahm, musste unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen relativ kurzfristig auf die parallel dazu fortschreitenden Entwicklungen und Vorbereitungen zur histo-rischen Studie reagieren, ohne genau zu wissen, welche Kosten auf die Gemeinschaften zukommen würden.
Die Bezahlung der Missbrauchsstudie stellt alle Ordensgemeinschaften vor grosse Schwierigkeiten, nicht zuletzt da viele Ordensgemeinschaften überaltert sind. Die im aktiven Arbeitsleben stehenden Ordensleute haben neben ihrer Arbeit auch die Sorge, wie es mit den Orden, den Werken und den zu pflegenden Ordensmitgliedern weitergeht.
Gerade die VONOS ist eine Vereinigung von Ordensgemeinschaften, die viele soziale Einrichtungen in der Schweiz aufgebaut und sich während Generationen für Benachteiligte, Kranke und für die Bildung eingesetzt hat. Viele dieser Einrichtungen wurden nach und nach vom Staat übernommen und weitergeführt. Einige dieser Gemeinschaften haben mögliches Fehlverhalten und ihre Vergangenheit schon aufgearbeitet und auch schon Genugtuung bezahlt.
250›000 CHF beträgt der Anteil, den die Ordensgemeinschaften solidarisch für die Studie bezahlen sollen. Trotz Austritt aus der KOVOS hat sich auch die VONOS mit einem Beitrag solidarisch gezeigt. Die Frage nach der Finanzierung greift mit dem Schlagwort «Opfer» oder «Täter» zu kurz. Und auch das Schlagwort, die Frauenorden würden sich nicht an der Finanzierung beteiligen, stimmt so nicht: die KOVOS hat alle Gemeinschaften aufgerufen, sich je nach ihren Möglichkeiten an der Finanzierung mitzubeteiligen und viele Gemeinschaften sind dieser Bitte gefolgt. Es stimmt aber, dass es vielen Gemeinschaften, und zwar nicht nur den Frauengemeinschaften, zunehmend Schwierigkeiten bereitet, immer wieder weitere zusätzliche Kosten zu übernehmen.



