Neues Objekt im Ittinger Museum

Medienmitteilung

Ein Glasgemälde von herausragender künstlerischer Qualität aus dem Jahr 1588 bereichert seit Februar 2020 als Dauerleihgabe des Schweizerischen Nationalmuseums das Ittinger Museum. Die ungewöhnlich grosse Scheibe entstand ursprünglich im Auftrag der Kartause Ittingen wohl in der Werkstatt des Zürcher Glasmalers Christoph Murer.

Glasgemälde aus dem Jahr 1588

Die Schenkung von Glasgemälden war für Privatleute wie Körperschaften ein beliebter Brauch, um sich bei befreundeten Institutionen im Bewusstsein zu halten. Das grosse Glasgemälde, das neu im Ittinger Museum zu sehen ist, trägt eine Inschrift, in der Prior und Konvent der Kartause Ittingen genannt sind. Zudem sind zwei Ittinger Wappen zu sehen. Dies weist darauf hin, dass die Scheibe wohl kaum für die Präsentation in Ittingen geschaffen wurde, sondern vielmehr als repräsentatives Geschenk. Hinweise auf den Empfänger sind nicht vorhanden. Möglicherweise handelte es sich um die Kartause Buxheim bei Memmingen, zu der Ittingen enge Kontakte pflegte. Damit im Einklang stünde das dichte kartäusische Programm der Scheibe. Das Schweizerische Nationalmuseum erwarb die Scheibe 1891 bei der Versteigerung einer Privatsammlung in Konstanz.

Die annähernd quadratische Scheibe wird durch das kreisrunde Mittelfeld mit einer Darstellung des Generalkapitels des Kartäuserordens in der Grande Chartreuse dominiert. Die Versammlung der Prioren der verschiedenen Kartausen im Mutterkloster war die gesetzgebende Institution des streng zentralistisch organisierten Ordens. Präsidiert wurde die Versammlung vom Generalprior, der zugleich Prior der Grande Chartreuse war. Die streng geregelte Sitzordnung ist auf der Scheibe durch Inschriften erklärt. Bei der Darstellung der personenreichen Szene hat sich der Künstler um reiche Variierung von Gestik und Haltung bemüht.

Um diese Hauptszene ist ein Ring mit zwölf inschriftlich bezeichneten Einzelszenen angeordnet. Dabei handelt es sich um die Legende des heiligen Bruno von Köln, des Ordensgründers der Kartäuser. Für neun Szenen konnte sich der Künstler auf eine druckgrafische Vorlage stützen, drei Szenen wurden ergänzt. Nachgezeichnet wird das Leben des Ordensgründers von einem Bekehrungserlebnis in Reims, über den Rückzug in die Einsamkeit und die Gründung der Grande Chartreuse bis zur Reise nach Rom und Kalabrien.

Vier weitere Szenen befinden sich in den vier Zwickeln in den Ecken, die zum Quadrat der Scheibe überleiten. Oben sind zwei Szenen aus der Vita des heiligen Laurentius dargestellt, des Patrons der Kartause Ittingen: Die Verteilung des Kirchenvermögens unter die Armen und der Märtyrertod auf dem Grill. Die zwei Szenen unten schliesslich sind zwei bedeutenden Figuren der Geschichte des Mönchtums gewidmet: Links ist der heilige Antonius zu sehen, der sich mit Gleichgesinnten in die ägyptische Wüste zurückgezogen hatte, rechts der heilige Benedikt, der Begründer des abendländischen Mönchtums.

Kartause Ittingen
18. Februar 2020 | 08:47