Neues Vatikan-Dokument zu Katechese «nicht mutig genug» für deutsche Theologin
Die deutsche Theologin Katharina Karl vermisst Selbstkritik der Kirche und konkrete Schritte für mehr Frauenbeteiligung in einem neuen Vatikan-Dokument. Sie rät, das alte Verständnis von Katechese zu überdenken.
(KNA) «Nicht mutig genug» ist das kürzlich veröffentlichte Vatikan-Dokument «Kommt zu mir» zur Glaubensweitergabe nach Ansicht von Expertin Katharina Karl ausgefallen. Die Eichstätter Pastoraltheologin erkennt darin zwar «wichtige Diagnosen», wie sie dem Portal katholisch.de sagte.
«Wenn die stärkere Rolle der Frauen als wichtiger Ansatzpunkt genannt wird, stellt sich die Frage, was das konkret bedeutet.»
Doch fehle ihr eine vertiefte Selbstkritik der Kirche ebenso wie die «letzte Konsequenz» bei positiven Impulsen: «Wenn die stärkere Rolle der Frauen als wichtiger Ansatzpunkt genannt wird, stellt sich die Frage, was das konkret bedeutet», sagte sie.
Karl stimmt mit der These des Dokuments überein, dass der ästhetische Zugang zum Glauben in der Vergangenheit offenbar zu kurz gekommen sei. «Ich merke auch bei meinen Studierenden, wie wichtig der Zugang über Musik ist», sagte sie. Dabei gehe es nicht um eine bestimmte kirchenpolitische Richtung oder Spiritualität: «Die Stile mögen unterschiedlich sein – aber der Glaube betrifft den ganzen Menschen: Kopf und Herz.»
Räume öffnen statt Inhalte lernen
Karl riet dazu, das Verständnis von Katechese als Erlernen von Inhalten zu überwinden. Entscheidend sei eine neue Synthese: «Wie lassen sich Räume gestalten, in denen die existenziellen Fragen der Menschen mit der christlichen Botschaft verknüpft – und so die Inhalte des christlichen Glaubens in ihrer Bedeutung erschlossen werden?» Die Verbindung von beidem sei zentral.
«Kommt zu mir» setzt darauf, Menschen eine Begegnung und Beziehung mit Christus zu ermöglichen. Die These, dass eine Christusbeziehung hergestellt werden könne, erzeugt laut Karl aber Druck «und ist theologisch fragwürdig». Das Christentum verfüge über eine grosse Vielfalt an Möglichkeiten, Glauben zu erleben, betonte sie. Einige Menschen würden ganz konkret und sprächen von ihrer Jesusbeziehung.
Für andere sei die Gemeinschaft der Zugang, die Schöpfung, die Liturgie, rituelle Praxis oder die Diakonie. «Diesen Schatz an unterschiedlichen Zugängen sollten wir stärker wahrnehmen und genauer beschreiben», so die Theologin.
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