Neue Bestattungsart: Wenn aus einem Leichnam in 40 Tagen Erde wird
Im norddeutschen Bundesland Schleswig-Holstein sind bereits fast 100 Menschen «reerdigt» worden. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern.
(KNA) Die neue Bestattungsart «Reerdigung» stösst nach Angaben des Anbieters auf wachsende Nachfrage. Seit Beginn der Erprobung in Schleswig-Holstein im Februar 2022 sind dort 100 Verfahren begonnen oder abgeschlossen worden, wie eine Sprecherin des Berliner Unternehmens Circulum Vitae am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. «Seit der dauerhaften gesetzlichen Zulassung im Juni verzeichnen wir eine weitere Zunahme der Anfragen.»
Schleswig-Holstein ist bislang das einzige Bundesland, in dem diese Schnellkompostierung von Verstorbenen durchgeführt werden darf. In anderen Bundesländern strebt das Unternehmen eine Zulassung an.
Fast drei Viertel der Toten sind Frauen
Bei dem Verfahren wird der Leichnam in einem geschlossenen Behälter, einem sogenannten Kokon, auf pflanzliches Material gebettet.
Mikroorganismen zersetzen das Gewebe innerhalb von rund 40 Tagen. Die verbliebenen Knochen werden zerkleinert und mit der entstandenen humusartigen Erde vermischt. Anschliessend werden die menschlichen Überreste auf einem Friedhof beigesetzt. Circulum Vitae, bislang einziger Anbieter des Verfahrens in Deutschland, wirbt mit geringeren CO2-Emissionen im Vergleich zur Feuerbestattung.
Fast drei Viertel der Bestatteten (74 Prozent) waren laut dem Unternehmen Frauen; das Durchschnittsalter lag bei 72 Jahren. Die Toten stammten aus 14 Bundesländern, hauptsächlich im Norden, und aus Belgien.
Alle sieben «Kokons» dauerhaft belegt
Schleswig-Holstein hatte die «Reerdigung» 2022 zunächst probeweise zugelassen. Im Juni dieses Jahres verankerte der Landtag das Verfahren einstimmig dauerhaft als dritte Bestattungsart neben Erd- und Feuerbestattung im Bestattungsgesetz.
In nördlichsten Bundesland sind laut der Sprecherin derzeit sieben «Kokons» an den Standorten in Kiel und Mölln in Betrieb. Sie seien seit Juli dauerhaft belegt. Ein Ausbau der Kapazitäten sei in Planung. Zu möglichen weiteren Standorten machte die Sprecherin keine Angaben.
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