Religiöses Friedenstreffen in Assisi: «Es gibt keinen heiligen Krieg, nur Friede ist heilig»
Warnung vor weiterer Eskalation: Die Gemeinschaft Sant’Egidio kritisiert, dass Kriege immer mehr als normale Mittel der Politik gelten. Sie setzt auf Dialog – wie in diesen Tagen beim grossen Friedenstreffen in Assisi.
(KNA) Der Generalsekretär der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, Cesare Zucconi, sieht das interreligiöse Friedenstreffen in Assisi als wichtiges Zeichen gegen die vielen Kriege in der Welt.
«In einer Welt, in der der Dialog fehlt, hat man den Krieg gewissermassen als Mittel zur Lösung von Spannungen rehabilitiert», sagte er in Interviews mit dem Deutschlandfunk und dem katholischen Portal domradio.de. «Doch Kriege lösen keine Kriege, sondern verursachen weitere.» Umso wichtiger sei in einer solchen Zeit der Dialog, fügte er hinzu.
«Sonst wird uns die ständige Eskalation der Kriege tragischerweise in einen großen Krieg führen. Wir glauben, dass Dialog Hass, Rachsucht und die Eskalation der Kriege durchbrechen kann.» In dem Zusammenhang nannte er es beunruhigend und gefährlich, dass viele Staaten derzeit ihre Ausgaben für Entwicklung und humanitäre Hilfe kürzten.
Worum geht es in Assisi?
Das bis Dienstag dauernde Treffen im mittelitalienischen Assisi erinnert an das erste Gebetstreffen, das vor genau 40 Jahren für weltweites Aufsehen gesorgt hatte. Papst Johannes Paul II. hatte hochrangige Vertreter aller Religionen eingeladen, um in Assisi für Frieden zu beten.
Zu dem aktuellen Treffen werden mehr als 5’000 Teilnehmer erwartet aus 53 Ländern. Darunter sind rund 380 Persönlichkeiten aus Religion, Kultur und Politik. Papst Leo XIV. musste seine Teilnahme nach seiner Lungenoperation absagen. Er will allerdings zum Abschluss am Dienstag eine Botschaft an das Treffen senden, wenn ein gemeinsamer Friedensappell unterzeichnet werden soll.
Religion wie Benzin in Konflikten
Religionen hätten immer wieder auch «wie Benzin in Konflikten» gewirkt, betonte Zucconi. «Wenn sie aber authentisch gelebt werden, können sie Frieden stiften und Hoffnung verbreiten.» Seine Gemeinschaft organisiere seit damals jährliche Treffen, aus denen auch viele Friedensinitiativen von Sant’Egidio hervorgegangen seien.
«Ich denke an den Frieden in Mosambik und in der Elfenbeinküste sowie an die Arbeit für Versöhnung und Frieden in der Zentralafrikanischen Republik», fügte er hinzu. «Dort gab es auch einen islamisch-christlichen Konflikt. Durch den Dialog mit muslimischen Gemeinschaften gelang es uns, Kontakte zu islamischen Gruppierungen aufzunehmen und einen Versöhnungsprozess anzustoßen. Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen.»
Jeder ist gefragt
Der Geist von Assisi habe vor allem eine wichtige Botschaft, so Zucconi weiter: «Es gibt keinen heiligen Krieg, nur der Friede ist heilig.» Und dieser Friede gehe alle an: «Jeder von uns kann etwas für den Frieden tun. Wir dürfen angesichts der heutigen Situation nicht resignieren. Jeder ist gefragt.»
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




