Florida Zimmermann
Schweiz

Gebürtige Libanesin Florida Zimmermann in Locarno: «Gott mag Dich»

Geschichten aus dem konkreten Leben von Menschen erzählen, die den Blick auf die Gegenwart erhellen: Dieses Ziel verfolgt die ökumenische Gruppe «Colazione Donne Locarno» seit 40 Jahren. Sie ist Teil der grösseren Schweizer Bewegung «Frauen Zeit».

Laura Quadri, catt.ch

Auf Einladung der Gruppe berichtete jüngst Florida Zimmermann im Zentrum Sacra Famiglia in Locarno aus ihrem Leben. Die gebürtige Libanesin ist ausgebildete Pflegeassistentin und betreibt heute gemeinsam mit ihrem Mann in der Nähe von Bern eine kleine Aufnahmestelle für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen. Dabei leitet sie eine wichtige Erkenntnis: Auch sie selbst war einst auf eine ausgestreckte Hand angewiesen, die ihr Halt gab.

Eine Kindheit im kriegsgeplagten Libanon

Ihre Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren. «Ich bin im Libanon aufgewachsen, wie ihr ihn auch heute kennt: inmitten des Krieges», erzählte sie in Locarno. Doch nicht nur das Land befand sich in einer Krise, sondern auch ihre Mutter. «Eine Frau ohne Ehemann hatte in der damaligen Gesellschaft keinen Platz. Sie hatte nicht das Recht, zu existieren und als Mensch anerkannt zu werden.» Florida erinnert sich an den Bürgerkrieg, der damals im Libanon tobte.

Einige Jahre später lebt sie mit ihrer Mutter in Deutschland, wohin diese ihrem neuen Partner gefolgt ist. Florida erlebt glückliche Jahre und lernt eine Familie mit Schweizer Wurzeln kennen, die sich ihrer annimmt. Doch das Glück währt nicht lange: Ihre Mutter kehrt in den Libanon zurück und nimmt Florida mit.

Bei einer Miliz und auf dem Weg in die Schweiz

In den 1980er-Jahren zeichnet sich ein weiterer schwerer Einschnitt ab: die Entstehung der schiitischen Bewegung «Amal». Während Florida in Locarno erzählt, werden Fotos von ihr eingeblendet, auf denen sie ein Gewehr trägt. «Ich erinnere mich genau an diesen Tag: Ein junger Mann klopfte an unsere Tür und versprach, sich um mich zu kümmern.»

Florida verbringt viel Zeit mit Angehörigen der Miliz. Heute blickt sie klar auf diese Zeit zurück: «Ich hatte das Gefühl, dass mich endlich jemand wahrnahm und sich um mich kümmerte. Ich dachte auch, wenn ich noch radikaler würde, würde Gott mich sehen und mir Frieden schenken.»

Erst die erneute Eskalation des Krieges beendet ihre Rekrutierung. Damit beginnt eine erste Wende in ihrem Leben: «Etwas völlig Unerwartetes geschah: Der Kontakt zu jener Schweizer Familie, die ich in Deutschland kennengelernt hatte und die inzwischen in die Schweiz zurückgekehrt war, lebte wieder auf. Die Familie sagte meiner Mutter, dass sie bereit wäre, mich bei sich aufzunehmen. So machte ich mich erneut auf den Weg. Meine Suche nach Gott ging im Herzen weiter.»

Begegnung mit Gott und offenes Haus für Jugendliche

Floridas Leben ist von vielen Ortswechseln geprägt. Doch diese Reise ist die wichtigste: «Am Anfang war ich überglücklich. Ich hatte warmes Wasser und ein Dach über dem Kopf. Es kam mir vor, als wäre ich im Paradies angekommen. Aber wie ihr wisst, liegt das Paradies nicht auf dieser Erde. Ich hatte meine ganze Geschichte mitgebracht.»

«Gott mag dich, und er hat dich genau so geschaffen, wie er dich haben wollte.»

Florida lebt bei einer christlichen Familie. Die Gestalt Jesu berührt sie, doch ihre innere Unruhe bleibt. Auch ihre Jugend ist von Krisen geprägt. Nach einem Suizidversuch findet sie im Spitalbett zu ihrem ersten wirklichen Gebet: «Ich konnte nicht Ja zum Leben sagen. Aber ich konnte Gott sagen, dass ich mich nicht mehr für den Tod entscheiden würde.»

Es ist eine zutiefst innere Erfahrung, die sie allein in ihrem Bett im medizinischen Zentrum macht: «Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mich jemand wirklich sah. Und ich verstand: Es spielt keine Rolle, ob deine Eltern dich gewollt haben oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob du dich selbst magst oder nicht. Gott mag dich, und er hat dich genau so geschaffen, wie er dich haben wollte.»

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Die Wiedergeburt erfolgt nicht von einem Tag auf den anderen. Florida muss weiterhin viele Schwierigkeiten bewältigen. Doch nun gibt es ein Licht in ihrem Leben. Mit der Zeit gelingt ihr auch die Versöhnung mit ihrer Mutter.

Als sie Christian heiratet, wächst in ihr schliesslich der Wunsch, anderen Menschen Geborgenheit zu schenken. Seit 20 Jahren verwirklicht sie diesen Wunsch mit dem Projekt «Offnigs Huus», mit dem sie ihren Bericht abschliesst: «Wir konnten verschiedene Jugendliche bei uns aufnehmen, alle mit Geschichten, die meiner eigenen ähneln. In diesen 20 Jahren haben wir oft erlebt, wie Herzen heil wurden. Das ist ein Geschenk für uns alle – ein Geschenk jenes Jesus, dem ich schliesslich begegnet bin.» (Adapiert von: woz)


Florida Zimmermann | © catt.ch
25. Oktober 2026 | 16:00
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