Schweiz

Ausstellung: Der heilige Franziskus und das perfekte Gewand

Eine Ausstellung in der Villa Ciani in Lugano thematisiert die Kleiderfrage bei Franz von Assisi. Sie tut dies etwa anhand der Kostüme aus Franco Zeffirellis Meisterfilm «Bruder Sonne, Schwester Mond» und von Gewändern, darunter mutmassliche Originalbekleidung des Heiligen.

Cristina Vonzun, catt.ch

«Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie die Besuchenden auf einen Weg begleitet», sagt Lorenzo Cantoni zu catt.ch. Cantoni ist Professor am Unesco-Lehrstuhl an der Universität der Italienischsprachigen Schweiz (USI) und einer der Kuratoren der Ausstellung. Der Weg beginne bei den alltäglichen und beruflichen Erfahrungen des Franz von Assisi, der wie sein Vater Pietro di Bernardone mit Stoffen und Kleidungsstücken handelte.

Die Ausstellung zeigt, wie er sich von einer Lebens- und Kleidungsweise löste, die auf Luxus, Exzentrik und die Zurschaustellung von Reichtum abzielte. Dies geschah auch mit spektakulären Gesten wie der bekannten Entblössung. So sei Franz von Assisi zu einer Lebens- und Kleidungsweise gelangt, die seine Nachfolge Christi zum Ausdruck bringen solle. «Franziskus versuchte, die Ermahnung des heiligen Hieronymus ‹nudus Christum nudum sequi› (deutsch: ‹nackt dem nackten Christus folgen›) äusserst streng umzusetzen», sagt Cantoni.

Kreuzförmige Kutte

Die Ausstellung zeigt die Originalkostüme aus Franco Zeffirellis Film «Bruder Sonne, Schwester Mond». Zu sehen sind auch einige Gemälde aus Bigorio, die Franziskus und seine Kleidung darstellen. Hinzu kommen Objekte, digitale Bilder, Videos und Miniaturdarstellungen aus dem Leben des Heiligen, die dazu anregen, über die Bedeutung der Kleidung nach dem Vorbild des «Poverello» von Assisi nachzudenken.

«Franziskus trifft diese radikale Entscheidung, sich vollständig zu entkleiden», so Cantoni. «Für den Rest seines Lebens sucht er nach der richtigen Kleidung, jener Kleidung, die wir im Titel der Ausstellung als ‹perfekt› bezeichnen.» Irgendwann habe Franziskus für sich und seine Brüder das Gewand entworfen, das heute als Franziskaner-Kutte bekannt ist.

«Er gestaltete es in Form eines Kreuzes mit einer Kapuze.» Damit habe er zum Ausdruck bringen wollen, dass er dem gekreuzigten Christus nachfolge. Und er habe sich dafür entschieden, keine Schuhe zu tragen, um zu signalisieren, dass er sich stets in der Gegenwart Christi befindet.

«Franziskus wollte sich ‹mit Christus bekleiden›, so wie es der heilige Paulus beschreibt.»

Lorenzo Cantoni, Professor

Franziskus habe sein ganzes Leben lang nach dem perfekten Gewand gesucht. «Denn er wollte sich ‹mit Christus bekleiden›, so wie es der heilige Paulus beschreibt», sagt Cantoni. Der Höhepunkt von Franziskus’ Weg sei dann jene geheimnisvolle Gabe der Stigmata im Jahr 1224 gewesen, zwei Jahre vor seinem Tod. «Schliesslich kleidet er sich in den Herrn Jesus mit einem Gewand, das nicht aus Stoff besteht, sondern ein Geschenk Gottes an sein gequältes Fleisch ist.»

In der Ausstellung sind laut Cantoni mehrere Gewänder zu sehen, die dem heiligen Franziskus zugeschrieben werden. «Viele davon sind wahrscheinlich Originale.» (Übersetzt, gekürzt, adaptiert von Regula Pfeifer)

Die Ausstellung «Franziskus und das perfekte Gewand. Die Kostüme aus ‹Bruder Sonne, Schwester Mond›» ist bis 17. Oktober 2026 in der Villa Ciani in Lugano, zu sehen. Werktags 15-19 Uhr, Sa/So 10-19 Uhr, 17.10.: 10-15 Uhr)


| © USI
5. Oktober 2026 | 12:00
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