Rita Famos, EKS-Präsidentin, an der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz in St. Gallen
Schweiz

Missbrauchsstudie der Reformierten: «Bedauern, dass sie nicht mehr wert ist»

Die vor knapp einem Jahr beschlossene Studie über Missbrauch in der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (EKS) startet im Oktober. Die Betroffenenorganisation IG Miku begrüsst dies, meldet aber Bedenken an – etwa zum Kostendach.

Regula Pfeifer

Die Evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz hat eine wissenschaftliche Studie zu sexuellem und spirituellem Missbrauch im Kontext ihrer Kirche in Auftrag gegeben. Umsetzen wird diese ein sogenanntes Forschungskonsortium, wie es in der Mitteilung der EKS heisst. Dieses besteht aus der Hochschule für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sowie der Hochschule für soziale Arbeit in Lausanne.

Die Beteiligten hätten Forschungserfahrung in den Bereichen institutionelle Gewalt, sexueller uns spiritueller Missbrauch, partizipativer Forschung und in kirchlichen und religiösen Kontexten, heisst es. Das Projekt startet demnach im Oktober und soll im Frühjahr 2028 mit einem definitiven Studienbericht enden.

Ziele der Studie

Die Studie soll Erfahrungen und Perspektiven von betroffenen Personen und ihrem Umfeld sichtbar machen. Sie untersucht auch institutionelle und strukturelle Faktoren, die zu Übergriffen führten. Und sie fragt nach dem Zusammenhang von sexuellem und spirituellem Missbrauch.

Die Studie ist laut Mitteilung unabhängig. Demnach liegt die wissenschaftliche Verantwortung beim Forschungskonsortium. Dies betrifft nicht nur Methodik, Analyse und Schlussfolgerungen, sondern auch die Endfassung des Berichts und die Empfehlungen, die daraus folgen.

Die EKS und eine Begleitgruppe unterstützen das Studienprojekt beratend, heisst es. Und sie stellten den Zugang zu relevanten kirchlichen Kontexten und Unterlagen sicher – soweit möglich, heisst es relativierend.

Mitsprache der Betroffenengruppen

Die Deutschschweizer Interessengemeinschaft für Betroffene im kirchlichen Umfeld (IG Miku) begrüsst den Start der EKS-Missbrauchsstudie im Oktober. «Viele Betroffene warten seit Jahren darauf, dass ihr Leid schwarz auf weiss festgehalten und dokumentiert wird», fügt sie in einer Mitteilung kritisch an.

Vreni Peterer (hinten) von der IG-M!kU war an der Synode der EKS dabei.
Vreni Peterer (hinten) von der IG-M!kU war an der Synode der EKS dabei.

Die drei Betroffenenorganisationen hätten es geschätzt, dass sie als Mitglieder der Begleitkommission die Perspektive der Betroffenen einbringen konnten. Sie konnten bei der Vergabe und Ausgestaltung der Studie mitbestimmen. Neben IG Miku waren auch die Westschweizer Sapec und die Tessiner Gava dabei.

Die Geldfrage

Bedenken melden die Organisationen allerdings bezüglich dem Kostendach von maximal 250’000 Franken an. «Wir bedauern, dass diese so wichtige Studie der Mehrheit der kirchlichen Verantwortungsträger offenbar nicht mehr wert ist», schreiben sie in der Mitteilung. Sie befürchten, dass das Geld für ein «aussagekräftiges und umfassendes Studienergebnis nicht ausreichen könnte». Bei Bedarf müssten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden.

Bisher waren die Betroffenenorganisationen öffentlich präsent bezüglich Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz. Doch Miku-Präsidentin Vreni Peterer präzisiert auf Anfrage: «Wir drei Betroffenengruppen haben seit längerem auch Betroffene aus dem evangelisch-reformierten Umfeld, die wir unterstützen und begleiten.»

Laut den Organisationen müssen parallel zur Studie weitere Massnahmen weitergeführt und vorangetrieben werden. Darunter die Unterstützung der Betroffenen, eine weitere Aufarbeitung, Prävention, die Schaffung von externen nationalen Anlaufstellen und Anerkennungsleistungen.

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Rita Famos, EKS-Präsidentin, an der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz in St. Gallen | © EKS
29. September 2026 | 16:00
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